Kirchbehörde im Gegenwind

Die Mitglieder der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen bewilligten den Planungskredit für das sanierungsbedürftige Priesterhaus Bernrain nur knapp. Auch das Budget 2016 war umstritten, kam aber durch.

Nicole D'orazio
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KREUZLINGEN. Grossaufmarsch an der Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen: 145 Stimmberechtigte kamen am Mittwochabend ins Ulrichshaus. Der Planungskredit in der Höhe von 80 000 Franken für die Sanierung des Priesterhauses Bernrain gab viel zu diskutieren. Das Haus wurde 1929 von der Kirchgemeinde gebaut, bezahlt haben es jedoch die Redemptoristen, die es noch immer bewohnen. In einem Vertrag wurde damals festgehalten, dass die Kirchgemeinde das Darlehen zurückbezahlt, sollten die Brüder das Haus eines Tages verlassen.

Es war dieser Vertrag, der am meisten zu reden gab. «Wie hoch ist das Darlehen überhaupt?», wollte zum Beispiel Thomas Dufner wissen. «Wie hoch ist der derzeitige Kaufwert?» Es gebe zu viele Unklarheiten im Vertrag, deswegen würde er zuerst einen neuen aufsetzen lassen, ehe man an eine Sanierung denke. Bruno Schlauri fand auch, dass es verkehrt herum laufe. Zuerst sollte der Vertrag erneuert und erst danach über den Planungskredit befunden werden. Gerhard Lehmann war mit dem Vorgehen der Kirchenvorsteherschaft einverstanden. «Das Haus gehört der Kirchgemeinde, ich habe mich auf dem Grundbuchamt erkundigt», sagte Lehmann.

Tim Büchele meinte, dass das Priesterhaus das Tafelsilber der Gemeinde sei und man diesem Sorge tragen müsse. «Es ist dringend notwendig, jetzt mit der Planung zu beginnen und damit die Erstellung eines Konzeptes an die Hand zu nehmen», sagte Büchele.

Immer im Besitz der Gemeinde

Rechtsanwalt Dominik Hasler versicherte den Anwesenden, dass er den Vertrag geprüft habe. «Dieser muss natürlich dem heutigen Stand angepasst werden», sagte er. Das Haus und der Boden seien schon immer im Besitz der Kirchgemeinde gewesen. Der Wert des Hauses sei im Vertrag mit «derzeitiger Wert» definiert, was nach seiner Auffassung jener von 1929 sei. Präsident Thomas Gisler ergänzte, dass der Vertrag weiterlaufe, da nächstes Jahr Redemptoristen aus Polen nach Bernrain kämen.

Die Abstimmung wurde nach einem entsprechenden Antrag geheim abgehalten und fiel äusserst knapp aus: 74 sagten Ja, 69 Nein bei drei Enthaltungen. Es wird nun eine Baukommission gegründet. Für die Planung der Sanierung sollen zwei bis drei Vorschläge eingefordert werden, wie Gisler sagte.

Höhere Personalkosten

Über das Budget 2016 wurde ebenfalls diskutiert. Franz Flammer fand, dass einige Posten nicht klar budgetiert seien, so auch der Planungskredit für das Priesterhaus. Ruedi Anderegg wollte unter anderem wissen, wofür die Pfarrei St. Ulrich 10 000 Franken für Spielgeräte ausgeben müsse. Diese seien für ein Trampolin, entgegnete Treuhänderin Cornelia Helg. Mehrere Fragen kamen auch wegen der deutlich höheren Personalkosten. «Einige Vakanzen konnten zum Glück wieder besetzt werden. Das wirkt sich natürlich auf die Kosten aus», sagte Helg. Über das Budget wurde ebenfalls geheim abgestimmt: 72 befürworteten es, 61 lehnten es ab, und 2 enthielten sich. Da der Steuerfuss um einen Prozentpunkt auf 16 Prozent gesenkt wurde, sieht es einen geringen Verlust von rund 5500 Franken vor. Ein Antrag für eine Senkung um zwei Prozentpunkte scheiterte.

Ruedi Anderegg machte die Anwesenden zudem darauf aufmerksam, dass Alois Jehle, Pfarradministrator von St. Ulrich, anscheinend in Rom einer weiteren Arbeit nachginge. Er wollte wissen, was er dort genau mache und wie sich das auf seine Arbeit hier auswirke. Da Jehle abwesend war, konnte diese Frage nicht geklärt werden. Präsident Gisler betonte jedoch: «Die Vorsteherschaft weiss davon. Es ist Jehles Recht, in seiner Freizeit zu machen, was er will.»