Kinder ohne Vorurteile übernehmen

Während die Schulkinder ihre letzte Ferienwoche geniessen, heisst es für die Lehrer, das kommende Schuljahr vorzubereiten. Eveline Portugal, Lehrerin der Mittelstufe des Schulhauses Hagenwil, investierte besonders viel Zeit in das Frühenglisch, welches ab diesem Sommer unterrichtet wird.

Manuel Nagel
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Eveline Portugal mit Ehemann Jhonatan, der ihr beim Einrichten der Computer zur Hand geht. (Bild: Manuel Nagel)

Eveline Portugal mit Ehemann Jhonatan, der ihr beim Einrichten der Computer zur Hand geht. (Bild: Manuel Nagel)

Wo sonst Kinder umherwuseln, ist es nun beinahe mucksmäuschenstill. Lediglich aus dem Schulzimmer von Eveline Portugal sind Piepstöne zu hören. Es sind die sechs Computer, die neu installiert und deshalb hoch- und runtergefahren werden.

Einen neuen, grossen Computertisch für alle sechs Geräte habe sie nun bekommen, sagt Eveline Portugal. Vorher waren diese auf alten Holztischen, die jeweils in den Ferien weggeräumt werden mussten.

«Nun haben die Computer ihren festen Platz, und ich muss nicht mehr vor jedem Schulanfang alles neu installieren», ist die 26-Jährige erleichtert.

Vier Laptops für Schüler

Eveline Portugal unterrichtet die 4. bis 6. Klasse an der Schule Hagenwil und ist dort auch verantwortlich für die Computer.

Nicht ohne Stolz erzählt sie, dass sie in Hagenwil auch vier Laptops zur Verfügung haben. Während der Ferien ist jedoch eines dieser Notebooks an einen Schüler ausgeliehen.

«Er arbeitet mit einem Leselernprogramm», erklärt Portugal. «Diese Programme sind nicht ganz billig, doch haben wir eine Schullizenz. So können wir den Kindern die Laptops auch nach Hause mitgeben.»

Vertragsarbeit der Schüler

Auch während der Schulzeit ist der Computer ab und zu im Einsatz. «Die Kinder erstellen eine sogenannte Vertragsarbeit.

Sie wählen ein Thema aus, unterbreiten mir ihr Konzept, und dann unterschreiben wir beide diesen <Vertrag>. Da haben die Kinder auch die Möglichkeit, im Internet zu recherchieren. Am Ende präsentieren sie ihr Thema und tragen es der Klasse vor.»

So hatte beispielsweise ein Schüler das Thema «Kochen» ausgewählt, und seine Präsentation sei eine Kochshow wie im Fernsehen gewesen, erzählt Portugal.

Häufig sei sie den Schülern auch behilflich, wenn es darum gehe, eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen.

Bis am Montag müssen die Computerarbeitsplätze wieder in Betrieb sein. Dafür sorgt auch Jhonatan Portugal, Evelines Ehemann. «Er hilft mir, die PC einzurichten. So kann ich mich den anderen Vorbereitungen widmen, die noch zu treffen sind.»

Erkundigungen in den Ferien

Die gebürtige Schocherswilerin und der 26jährige Peruaner sind seit kurzem verheiratet. «Deswegen sind wir auch nicht weit weg in die Ferien verreist. So eine Hochzeit kostet ja auch etwas», meinen die beiden lachend.

Eine Woche waren sie bei Verwandten in Zürich, eine Woche im Tessin. Eveline Portugal nutzte diese Gelegenheit, um vor Ort ein Lagerhaus oberhalb Teneros zu begutachten. Nicht immer zur Freude von Jhonatan. «Er hat gemeint, ich solle doch die Ferien geniessen und nicht immer an die Arbeit denken.»

Eveline Portugal dachte jedoch bereits an den nächsten Mai. Dann wird sie mit ihrer Klasse im Campo Cortoi in Mergoscia sein. «Dieses besteht aus schönen Tessiner Rusticos, die für Schullager und ähnliches renoviert wurden. Diese Lagerhäuser müssen lange im voraus reserviert werden», weiss Portugal. Thema während dieses Schullagers, welches alle drei Jahre durchgeführt wird, werden «Die schwarzen Brüder» sein.

Neu Frühenglisch im TG

Vor Beginn des neuen Schuljahrs gebe es halt auch viel Administratives zu erledigen. So hat Eveline Portugal soeben erst die neue Klassen- und Telefonliste für den Telefonalarm erstellt.

Stofflichen Inhalt vorzubereiten stand jedoch ebenfalls auf ihrer Agenda. Ab diesem Schuljahr wird im Thurgau das Frühenglisch ab der 3. Klasse eingeführt.

«Da musste ich die meiste Zeit investieren», so Portugal, die vor drei Jahren während eines Auslandjahrs, unter anderem in Australien, das «Advanced Certificate» gemacht hat. Es ist das zweithöchste Zertifikat für Englisch, welches auch zum Studium an britischen Hochschulen berechtigen würde.

In Hagenwil wird jedoch Portugals Kollegin Bettina Quan, Lehrerin der 1. bis 3. Klasse, «ihre» Drittklässler in Englisch unterrichten. Eveline Portugal wird im Schulhaus Oberfeld der Klasse von Hans Müller Englisch beibringen.

Vorbereitet auf die neue Aufgabe hat sie sich aber zusammen mit Quan: «Das war sehr hilfreich. Oftmals hatte ich beim Vorbereiten der Frühenglisch-Lektionen von den kommenden Drittklässlern zu viel erwartet. Da hat mich Bettina jeweils darauf aufmerksam gemacht, dass diese soeben erst die zweite Klasse abgeschlossen haben und dass man da etwas langsamer vorwärts komme, als ich es von meiner Mittelstufenklasse her gewohnt bin.»

Keine Absprachen

Sonst hat sich Eveline Portugal jedoch nicht mit Kollegin Quan abgesprochen, auch wenn sie von ihr nun deren ehemalige Drittklässler übernimmt. «Ich wollte das bewusst nicht. Erstens möchte ich die Kinder ohne Vorurteile übernehmen. Sie sollen als unbeschriebene Blätter in meine Klasse kommen, selbst wenn ich in einem so kleinen Schulhaus wie Hagenwil auch jedes Kind der Unterstufe kenne. Die Namen meiner neuen Schüler muss ich somit nicht erst auswendig lernen.

Zweitens gibt es viele Kinder, die mit dem Eintritt in die Mittelstufe den Knopf erst so richtig aufmachen.»

Lediglich die Protokolle der Elterngespräche habe sie von Quan bekommen. So kann sich Eveline Portugal besser auf die Gespräche mit den Eltern ihrer neuen Schüler vorbereiten.