Kilian Ziegler serviert scharfe Text-Häppchen

AMRISWIL. Manche Künstler vermögen das Publikum von der ersten Minute an in Bann zu ziehen. Das war bei Kilian Ziegler am Freitag im Kulturforum nicht so. Dem Slam-Poeten aus Olten gelang es nur langsam, die nötige Atmosphäre aufzubauen. In der zweiten Hälfte lief er zur Hochform auf.

Hugo Berger
Merken
Drucken
Teilen
Samuel Blatter und Kilian Ziegler im Kulturforum. (Bild: Hugo Berger)

Samuel Blatter und Kilian Ziegler im Kulturforum. (Bild: Hugo Berger)

Amriswil. Manche Künstler vermögen das Publikum von der ersten Minute an in Bann zu ziehen. Das war bei Kilian Ziegler am Freitag im Kulturforum nicht so. Dem Slam-Poeten aus Olten gelang es nur langsam, die nötige Atmosphäre aufzubauen. In der zweiten Hälfte lief er zur Hochform auf. Bereichert wird das Programm durch den Solothurner Pianisten Samuel Blatter, der nicht nur in die Tasten greift, sondern die Gags des Künstlers mit trockenen Sprüchen und Mimik unterstützt. Der rote Faden des zweistündigen Programms bildet eine Form der Festlichkeit, welche aus dem Schweizer Alltag nicht wegzudenken ist: der Apéro.

Alpenrosen und Apéro

«Das Wort Apéro ist in Alpenrosen enthalten – ein Beweis dafür, dass es eine schweizerische Erfindung ist», folgert Ziegler. Wer zu einem Fest geladen sei, komme nicht um den Apéro herum. Dabei sei es zumindest am Anfang alles andere als ein Vergnügen. «Man steht da mit dem Glas in der Hand und sucht nach Worten.» Lacher und zustimmendes Kopfnicken erntet der passionierte Wortspieler als er typische Gespräche zitiert, die beim Apéro oft zu hören sind: «Was macht ihr denn hier?» Auf die Frage: «Wie geht es?» folge automatisch: «Es muss.»

Wortspielereien

Das Programm hält, was der Titel «The Phantom of the Apéro – ein Wortspielbuffet» verspricht. Mit seinen Wortspielereien vermag der Künstler das Publikum zu verblüffen. So etwa: «Ich verstehe nicht, dass man eine Ehe eröffnen kann mit einer Eheschliessung.» Aus dem Sprichwort: Träume sind Schäume, folgert er: «Der Stoff, aus dem die Träume sind, muss demnach Schaumstoff sein.» Nicht wortgewandt stellt sich ein Seemann an, erfahren die Zuhörer. Seine Liebeserklärung könnte so lauten: «Du bist wie viele Schiffe zusammen – eine Flotte.»