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Kesswil sucht Weg zum Hafen

KESSWIL. Die Gemeinde will die Planung eines neuen Hafens angehen. Einfach wird es nicht werden. Ein erster Anlauf mit einem sogenannten Inselhafen scheiterte vor zehn Jahren am Widerstand der Umweltverbände und des Bundesgerichts.
Markus Schoch
Inselhafen: 2003 machte das Bundesgericht den Plänen ein Ende. (Bild: Archiv SBZ)

Inselhafen: 2003 machte das Bundesgericht den Plänen ein Ende. (Bild: Archiv SBZ)

KESSWIL. Josef Kolb macht sich nichts vor. «Einen neuen Hafen zu bauen, wird wahrscheinlich der schwierigste Punkt», sagte er vor zwei Wochen an einer Informationsveranstaltung über die Zukunft von Kesswil. Kolb ist Mitglied der Ortsplanungskommission, die daran ist, die Weichen im Seedorf neu zu stellen.

Langer Traum

Die Kesswiler wissen nur zu gut, wie heikel das Unterfangen ist. Schon seit Jahrzehnten träumt das Dorf von einem richtigen Hafen als Ersatz für die beiden Bojenfelder. Es gab hochfliegende Pläne mit Hotel und Schwimmbad. Sie verliefen sich aber alle im Sand.

Schliesslich nahm vor über 20 Jahren ein privater Förderverein die Sache an die Hand und entwickelte ein Projekt, das 1996 zur Abstimmung kam. Es war ein grosser Moment für das Dorf. Die Hälfte der Bevölkerung nahm an der Gemeindeversammlung teil, dessen einziges Traktandum der neue Hafen war. Das Ergebnis liess nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Im Verhältnis 3 zu 1 genehmigten die Stimmbürger nach langer und teils gehässiger Diskussion einen Kredit in der Höhe von 3,3 Millionen. «Wir Kesswiler haben uns für ein lebendiges Dorf und nicht für ein Museum entschieden», sagte der Präsident des Fördervereins.

Erster Anlauf mit Inselhafen

Gebaut werden sollte mit dem Geld ein Hafen, wie es ihn am Bodensee noch nicht gab. Vorgesehen war eine Schwimmsteganlage für rund 100 Boote etwa 40 Meter vom Ufer entfernt zwischen zwei künstlich angelegten Inseln. Der Zugang war über einen Holzsteg geplant. Schutz gegen die Wellen sollte eine Wand aus Stahlprofilen und Holzbohlen bieten –in Ergänzung zur bestehenden Stelli, wo die Lastschiffe in früheren Zeiten festmachten.

Der sogenannte Inselhafen sei «in Bezug auf Grösse, Standort und Anlage speziell auf die Eigenheiten von Kesswil zugeschnitten», versicherte der verantwortliche Planer den Stimmbürgern. Die ersten Pläne sahen einen normalen Hafen direkt am Ufer vor, der Kanton wies die Vorschläge aber zur Überarbeitung zurück. Er meldete ökologische und landschaftsschützerische Bedenken an.

Bundesgericht sagt Nein

Für Umweltverbände und Anstösser war aber auch der Inselhafen nicht das Gelbe vom Ei. Es folgte ein siebenjähriger Rechtsstreit bis vor Bundesgericht, das 2003 entschied: Der Inselhafen kann nicht gebaut werden. Die Ernüchterung in Kesswil war gross.

Mittlerweile haben sich die Hafen-Befürworter zwar wieder gefangen. Aber auch zehn Jahre später bleibt die Ausgangslage nach dem Urteil der Lausanner Richter äusserst schwierig. Der revidierte, 2009 in Kraft gesetzte kantonale Richtplan sieht zwar den Neubau eines Bootshafens in Kesswil ausdrücklich vor. An der grundsätzlichen Problematik hat sich aber nichts geändert.

Der geplante Inselhafen konnte vor allem deshalb nicht gebaut werden, weil er das geschützte Ortsbild von Kesswil verunstaltet und den wichtigsten «seeseits zu erhaltenden Freiraum» zerstört hätte, war sich das Bundesgericht mit der einflussreichen eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) einig. Und das selbst, obwohl der Hafen vom Ufer weggerückt worden sei. Die ENHK wäre nicht einmal bereit gewesen, bei einem verkleinerten Projekt die Augen zuzudrücken.

Das Bundesgericht hätte immerhin mit sich reden lassen, wenn das Hafenprojekt grosse ökologische Vorteile gebracht hätte. Ein solch nationales Interesse konnten die Richter aber nicht ausmachen.

Auch anderer Platz denkbar

Im Vordergrund für den Neubau steht weiterhin der Standort beim heutigen Gondelhafen. Es wäre aber auch ein anderer Platz denkbar, sagte Kolb von der Ortsplanungskommission vor zwei Wochen.

Die Hafenkommission wird sich in zwei Wochen ein erstes Mal treffen. Vorher will sich Gemeindeammann Kurt Henauer nicht äussern.

Geschützt: Der Gondelhafen, die Hafenstrasse, das Restaurant Schiff (Mitte) und der kleine Vorplatz stellen gemäss Experten eine untrennbare Einheit mit hohem Erlebniswert dar. (Bild: Markus Schoch)

Geschützt: Der Gondelhafen, die Hafenstrasse, das Restaurant Schiff (Mitte) und der kleine Vorplatz stellen gemäss Experten eine untrennbare Einheit mit hohem Erlebniswert dar. (Bild: Markus Schoch)

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