KESSWIL: Peter im Glück

Geschichte, Herstellung und Musikunterricht: Bei Peter Diezi dreht sich alles um die Zither. Der 63-Jährige hat sich ganz dem alten Hausmusikinstrument verschrieben.

Trudi Krieg
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Peter Diezi fertigt eine Zither im früheren Gemeindehaus von Kesswil. (Bild: Trudi Krieg)

Peter Diezi fertigt eine Zither im früheren Gemeindehaus von Kesswil. (Bild: Trudi Krieg)

Trudi Krieg

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Der Mann mit dem Strubbelbart und dem Schalk in den Augen öffnet die Glastür zur Werkstatt im grossen Haus am Bach. Es ist das ehemalige Gemeindehaus von Kesswil, in dem der 63-jährige Petert Diezi wohnt. Und das er ausbaute, um seinem Hobby Raum zu geben. Seine Pflicht habe er getan, sagt er. Was er nun mache, sei Kür, und wenn er beschreiben sollte, was für eine Märchenfigur er sei, dann wäre er Hans im Glück.

Margrit Diezi hörte im Radio eine Sendung von einem Zitherbauer, bei dem man Bausätze bestellen konnte. Sie überraschte ihren Peter zum Geburtstag damit. Seine Mutter hatte ausserdem eine Zither auf dem Estrich herumliegen. Die Faszination war geweckt. Peter und Margrit studierten alte Instrumente, besuchten Museen und entdeckten den Unterschied zwischen Konzert- und Akkordzithern. Das einfach zu erlernende Hausmusikinstrument wurde in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts vorwiegend für Töchter und junge Frauen gekauft. Der Anbieter gab Kurse in nahen Restaurants. So sind immer noch in alten Häusern Zithern zu finden. Sie erleben seit etwa 30 Jahren ein Comeback. Es wird wieder in Gruppen gespielt, wobei die neuen Instrumente ausgefeilter gebaut sind.

Basteln habe er bei seinem Vater gelernt, sagt Diezi. «Wenn wir als Kinder etwas wollten, hiess es immer: ‹Also, mach es.›» Flieger und Schiffe seien so entstanden und im Erwachsenenalter eben die erste Veeh Harfe. Veeh Harfen sind der Zither verwandt. Die Melodie wird aber mit einem Harfenbogen gespielt und nicht gezupft. Die Akkordzithern haben es Diezi besonders angetan. «Sie tönen schön, sind aber etwas grob.» Diezi entwarf seine eigenen Zithern. Jene, die in seiner Werkstatt entstanden, wurden immer ausgefeilter. Es fing an mit den Hölzern. Ahornholz vom Alpstein und von Bergün, im Januar geschlagen, wenn der Saft im Boden ist, eigne sich besonders gut für die Herstellung von Akkordzithern.

Intarsien und Bilder für das Schallloch

Die ersten entstanden 1994. Klanglich müssen die Instrumente stimmen, aber auch im Aussehen und in der Handhabung: leicht im Gewicht, mit vorgespanntem Resonanzkörper und mit verschiedenen Ansätzen für Dur sowie Moll. Diezi baut Einzelstücke mit unterschiedlicher Besaitung, aber auch Einsteigermodelle, die höchste Ansprüche erfüllen. Kunstvolle Intarsien und Bilder für das Schallloch zeichnen jedes Instrument aus. Diezi ist noch immer motiviert, sein Werk weiterzuentwickeln. Wenn ihn jemand fragt, wie lang er für die Herstellung einer Zither brauche, sagt er «35 Jahre» und rechnet die Erfahrung mit ein. «Inzwischen haben wir über 500 Instrumente hergestellt. Es sind unsere Kinder.» Margrit Diezi teilt die Passion ihres Mannes. Es gibt immer auch administrative Arbeiten zu erledigen. Mittlerweile hat sich Diezi zum bekannten Zither-Spezialisten ent­wickelt. Er beurteilt auch alte Instrumente und macht sie spielfertig. Als er sich nach 21 Jahren auf der Gemeinde selbstständig machte, gab es Leute, die ihn für verrückt hielten. Er selber hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. «Wir leben bescheiden und eine Arbeit muss Freude machen, dann ist sie erfolgreich.» Die Kundschaft sei nach und nach von selbst gekommen. Im Gemeindehaus durfte er einen Präsentations- und Kursraum bauen. Dort gibt er zweimal wöchentlich einen Einführungskurs. Für Fortgeschrittene ist ein auswärtiger Lehrer engagiert. Im Haus am Bach werden wohl noch lange die feinen Zitherklänge zu hören sein. Denn eine «normale» Pensionierung kann man sich bei Diezis nicht vorstellen.