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KEMMENTAL: Noch keine Lösung für Bauabfälle

Neben dem Tanklager in Altishausen ist eine Deponie in Planung. Eine Gruppe Einwohner hat jedoch Bedenken wegen vieler offener Fragen und wehrt sich. Der Gemeinderat hält sich bedeckt.
Nicole D’orazio
Endstation: Die geplante Deponie Zelgli in Altishausen soll an die Bahn angeschlossen werden. (Bild: Reto Martin)

Endstation: Die geplante Deponie Zelgli in Altishausen soll an die Bahn angeschlossen werden. (Bild: Reto Martin)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

In Altishausen könnten in ein paar Jahren Abfälle entsorgt werden. Die Deponie Kehlhof in Berg des Typs E ist bald voll, deswegen muss im Kanton ein Ersatzstandort gefunden werden. Das Zelgli nahe des Tanklagers wäre dafür geeignet. Das ist auch so im Kantonalen Richtplan als Vororientierung festgehalten. Bei dessen Revision im Grossen Rat im vergangenen Dezember sollte das Zelgli für die Nutzung der Deponie C (Reststoffe), D (Schlacke) und E (Reaktorstoffe) festgesetzt werden, was die baldige Realisierung ermöglicht hätte. Durch einen Antrag von Kantonsrat Stefan Geiges wurde das Kapitel Abfall, das die Deponien beinhaltet, jedoch an den Regierungsrat zurückgewiesen (unsere Zeitung berichtete). Die zwei anderen möglichen Standorte – in Wigoltingen und Homburg – sollen ebenfalls genauer abgeklärt werden, hiess es. Damit schiebt sich die Entscheidung um den definitiven Standort hinaus.

Das Unternehmen Terena aus Schlatt interessiert sich für den Betrieb des Deponie- und Recyclingzentrums Zelgli. Es hat dort deswegen die notwendigen Abklärungen getroffen und die Planung vorangetrieben. Eine Betriebsbewilligung gibt es allerdings noch nicht. «Im Grossen Rat ging es aber nur um den Standort, nicht um den möglichen Betreiber», sagt Walter Marty, Gemeindepräsident des Kemmentals und ebenfalls Kantonsrat. «Das sind zwei verschiedene Ebenen.» Die Terena habe jedoch schon früh mit den Landbesitzern das Gespräch gesucht und Kaufverhandlungen geführt, sagt er. «An der Gemeindeversammlung hat das Unternehmen auch die Bevölkerung informiert.»

Der Gemeinderat will nur eine Deponie

Der Kemmentaler Gemeinderat sei weder für noch gegen das Projekt, sagt Marty. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Deponie. Denn es wäre falsch zu sagen, dass man keine will, wenn wir schliesslich alle Bauschutt und andere Abfälle verursachen.» Irgendwo müsse der Abfall ja hin. Das Problem sei, dass in der Gemeinde eine zweite Deponie zur Debatte stehe. Nämlich in Schlatt bei Hugelshofen, wo es um Aushubmaterial geht. «Wir sind der Meinung, dass es in der Gemeinde nur eine Deponie geben soll.» Von den beiden würde der Gemeinderat das Zelgli favorisieren, da es ausserhalb liege und auch von der Bahn erschlossen werden soll. «In Schlatt würde die Deponie mitten in der Gemeinde liegen. Das wäre ungünstig – verkehrstechnisch und wegen der Lärmemissionen.» Die Exekutive sei der Meinung, dass das Volk das letzte Wort über die Deponie haben sollte. «Oder dann soll das Gebiet bezüglich der Wichtigkeit in eine kantonale Zone überführt werden. Dann hat der Kanton das Sagen.» Das wäre nach der Kehrichtverbrennungsanlage in Weinfelden erst die zweite solche Zone.

Die geplante Deponie gibt im Kemmental immer wieder zu reden. In der Bevölkerung hat sich Widerstand geregt. Bereits vor ein paar Jahren hat sich eine offene Gruppe aus Einwohnern gebildet. René Meier und Daniel Dietrich sind deren Köpfe.

Gruppe wehrt sich gegen ein zu grosses Projekt

«Es gibt zu viele offene Fragen, die uns stören», sagt Meier. «Zum Beispiel ist nicht klar, wie gross das Volumen der Deponie sein soll. Oder was passiert, wenn sich der private Betreiber auf einmal zurückzieht. Ein klares Konzept seitens des Kantons gibt es nicht.» Die Gruppe wehre sich nicht grundsätzlich gegen eine massvolle und bedarfsorientierte Deponie im Zelgli. «Irgendwo muss der Dreck ja hin.» Einen Ausbau mit zusätzlichem Recyclingpark und Umschlagplatz durch einen privaten Monopolisten werde man jedoch mit allen Mitteln bekämpfen. «Wir sind gegen einen Gigantismus. In den Unterlagen der Terena steht, dass zwischen 80 und 100 Lastwagenfahrten täglich geplant sind.» Auch das private Alleinrecht des Betreibers sei der Gruppe ein Dorn im Auge, sagt Meier. Man frage sich, ob beispielsweise genug Rückstellungen getätigt werden, um eine eventuelle spätere Sanierung zu finanzieren.

Die Gruppe bemängelt, dass der Kanton die detaillierten Standortabklärungen nicht selber durchführt, sondern sich auf die Ergebnisse der interessierten, möglichen Betreiber verlässt. «So kann man die Resultate nicht einfach vergleichen», meint Meier. «Und es bräuchte doch klare Kriterien, um die drei Standorte abzuklären und zu vergleichen.» Man würde zudem einen öffentlich-rechtlichen Betreiber wie zum Beispiel die KVA Thurgau einem privaten gegenüber bevorzugen. Die Gruppe hat ihre Fragen bereits an einem Runden Tisch mit Regierungsrätin Carmen Haag vorbringen können und hat auch alle Kantonsräte über ihre Bedenken informiert, erzählt Meier. «Wir bleiben am Thema dran.»

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