KEMMENTAL: In den Kübeln quakt es

Frösche und Kröten sind wieder unterwegs zu ihren Laichplätzen. Marion Gessner und Sandra Kneubühler sind täglich im Einsatz, sammeln die Tiere ein und bringen sie sicher über die Strassen.

Nicole D’orazio
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Kontrollieren die Kübel: Sandra und Hildegard Kneubühler sowie Marion Gessner. (Bild: Reto Martin)

Kontrollieren die Kübel: Sandra und Hildegard Kneubühler sowie Marion Gessner. (Bild: Reto Martin)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Die grünen Häglein säumen wieder die Strassen in der Nähe von Gewässern. So auch beim Fischweiher bei Ellighausen. Jeden Morgen und Abend ist Marion Gessner derzeit unterwegs und kontrolliert die Kübel, die hinter den Abschrankungen eingebuddelt sind. In ihnen warten Frösche und Kröten auf ihre Befreiung. «Manchmal fällt auch eine Maus rein», sagt die Neuwilerin. Sie sammelt die Amphibien, die unterwegs zu ihren Laichplätzen sind, ein, bringt sie sicher über die Strasse und setzt sie in den Weihern wieder aus.

Seit über 20 Jahren setzt sich Marion Gessner freiwillig in der Amphibienrettung ein. Beim Tierschutzverein Kreuzlingen hat sie die Gesamtleitung der Amphibienrettung für den Bezirk inne. «Als wir hierher gezogen sind, konnte ich das Massaker an den Fröschen auf der Strasse nicht mit ansehen», erzählt sie. «Also habe ich angefangen, sie einzusammeln.» Manchmal nehme sie den Hund mit, oder ihre Kinder würden sie unterstützen. «Es ist eine schöne, aber auch anstrengende Arbeit.» Manchmal sei sie bis Mitternacht unterwegs. Es komme aufs Wetter an, ob und wie die Frösche unterwegs seien.

Letztes Jahr gab es plötzlich viel weniger Tiere

Wie viele Tiere sie sammelt, sei unterschiedlich, sagt Marion Gessner. Beim Fischweiher seien es hauptsächlich Grasfrösche und nur wenige Erdkröten. «Normalerweise sind es zwischen 2000 und 4000 in einer Saison», erzählt sie. Letztes Jahr seien es allerdings nur 500 Tiere gewesen, was sie alarmiert hätte. «Ich kann mir nicht erklären wieso und hoffe, dass sich der Bestand wieder normalisiert.» In Ermatingen ist genau dies in den letzten Jahren passiert. «Als ich angefangen habe, sammelten wir 1200 pro Saison ein», sagt Sandra Kneubühler, die für das Gebiet von Tägerwilen bis Salenstein verantwortlich ist. «Letztes Jahr waren es bereits 3800.» Es sei schön, wenn man auf diese Weise für die Arbeit entschädigt werde, sagt sie. «Ich bin seit acht Jahren mit dabei. Marion hat mich gefragt, ob ich mitmache.»

Sie sei in Ermatingen aufgewachsen und kenne die Problematik mit den Amphibien und den Strassen, sagt Sandra Kneubühler. «Wir sammeln die Kröten schon beim Waldrand ein und bringen sie dann sicher zum Seeufer.» In ihrem Gebiet sei die Amphibienrettung einiges aufweniger, weil es weitläufiger sei. «Zum Glück sind wir rund 20 Helfer. Aber noch mehr wären schön.»

Autofahrer können sehr aggressiv sein

Für sie sei es eine schöne Abwechslung, sagt Hildegard Kneubühler. Sie helfe seit Jahren mit. «Das ist eine super Beschäftigung für Senioren. Man muss einfach gut zu Fuss sein und sich bücken können.» Man müsse aber auch einiges einstecken können, ergänzt ihre Tochter. «Es gibt Autofahrer, die die Helfer anpöbeln oder extra Gas geben. Aber da muss man drüberstehen.» Es gebe aber auch viele Passanten, die ihnen für den Einsatz danken würden, erzählt Sandra Kneubühler. «Wir erhalten auch tolle Unterstützung vom kantonalen Tiefbauamt. Dieses stellt die Häge für uns auf», ergänzt Marion Gessner. «Ohne dessen Hilfe ginge es nicht.»