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KEMMENTAL: Die Formen im Gefühl

Einfach ist seine Arbeit nicht: Der Neuwiler Erwin Rechsteiner realisiert seit 20 Jahren Skateparks. Nach wie vor ist er mit Herzblut dabei und stellt sich trotz seiner 66 Jahre noch aufs Board.
Viola Stäheli

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

«Ich bin seit 36 Jahren Anfänger», sagt Erwin Rechsteiner mit einem Grinsen. Er steht im Skatepark (siehe Infokasten) in Weinfelden. Diesen hat er vor bald zehn Jahren selbst konzipiert. Doch seine Erfahrungen mit Anlagen dieser Art gehen noch weiter zurück: Seit 20 Jahren betreibt Rechsteiner seine Firma Bowl Construction AG mit seiner Frau. Ihre Dienstleistung: Das Realisieren von Skateparks. Die Firma ist die einzige ihrer Art im Thurgau. Davon leben kann Rechsteiner nicht – er arbeitet daneben als Unternehmensberater. Eigentlich hätte er mit seinen 66 Jahren auch schon in Pension gehen können. Aber daran hat er vorerst kein Interesse: «Solange ich Aufträge erhalte, realisiere ich diese nach wie vor mit Leidenschaft.»

Vom Surfbrett auf das Skateboard

Trotz seines Alters stellt sich der Neuwiler hin und wieder auf das Skateboard, allerdings mit der gebührenden Vorsicht. Aber warum bezeichnet er sich noch immer als Anfänger? «Ich habe einfach kein Talent», sagt Rechsteiner lachend. Seine beiden Söhne seien viel besser als er. Rechsteiner ist über Umwege zum Skaten gelangt. Er war einer der ersten Windsurfer auf dem Bodensee. Allerdings hatte er oft mit Windflauten zu kämpfen, was ihn auf eine Idee brachte: Rechsteiner kaufte sich das Zubehör für ein Skateboard, schraubte sich ein solches zusammen und befestigte ein Segel daran. Irgendwann liess er das Segel weg und begann mit dem Skateboarden.

«Damals gab es in der Schweiz nur Skaterplätze – also im Prinzip offene Flächen, auf denen einige Elemente aufgestellt worden sind», erzählt Rechsteiner. Diese Plätze waren aber nur bedingt zum Skaten geeignet, die Elemente waren zu hoch und schmal. Nach einiger Zeit, mit verschiedenen Umwegen, hatte Rechsteiner schliesslich die Möglichkeit, seine eigene Firma zu gründen, die sich ganz auf das Realisieren von Skateparks konzentriert.

«Eine Ausbildung dafür gibt es in diesem Sinne nicht», sagt der Neuwiler. Über die Jahre hat er viele Erfahrungen gesammelt und stundenlange Gespräche mit Skatern geführt. Ganz unbedeutend war seine Ausbildung aber doch nicht: Ursprünglich hat Rechsteiner eine Lehre als Modellschreiner absolviert. «Dabei habe ich das Gefühl für Formen entwickelt», sagt er. Auf die Lehre folgte die Ausbildung zum Maschinentechniker, anschliessend konzentrierte sich Rechsteiner auf Marketing und Verkauf und war in der Geschäftsleitung tätig. Mittlerweile hat er bei mehr als 50 Skateparks als Architekt gewirkt. Sein grösstes Projekt war der Freestylepark Zürich, die meisten seiner Anlagen befinden sich aber in Deutschland.

Erhält Rechsteiner eine Anfrage, erfolgt immer das gleiche Prozedere: Zuerst entwirft er ein Vorprojekt – einen ersten Entwurf. Anschliessend begleitet er den politischen Prozess, der jedem Skatepark vorausgeht. Gerade dabei sind einige Hürden zu nehmen. «Ich werde immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, wie etwa, dass alle Skater Kiffer und Säufer seien», sagt Rechsteiner. Er sieht sich in der Rolle als Vermittler und kämpft für eine angemessene Anerkennung des Sports. Ist der Weg dann aber für den Skatepark geebnet, erfolgt der eigentliche Bau. Rechsteiner kontrolliert jeden Schritt des Bauprozesses, damit auch die Details stimmen. Diese sind häufig nur für Skater sichtbar.

Wie teuer ist ein solcher Park? «Das kann stark variieren», sagt Rechsteiner. Die Kosten für den Skatepark in Weinfelden beliefen sich auf circa 240000 Franken. Das entspricht aber eher einer tieferen Preisklasse.

Bei seinen Skateparks ist Rechsteiner vor allem eines wichtig: Die Anlage soll für alle Alters- und Niveaustufen etwas zu bieten haben. «Ein Dreijähriger soll neben einem 60-Jährigen fahren können», sagt er. Für ihn ist der Skatepark ein Ort der Begegnung – am besten einer, der lange Zeit Bestand hat.

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