KEMMENTAL: Der Garten und seine Schätze

Pflanzen, Jäten und Ernten: Im Thurgau lernen Kinder im Rahmen des Projekts Gartenkind, ein eigenes Beet zu pflegen. Besonders beliebt ist das Ernten – aber nicht im Regen.

Viola Stäheli
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Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

«Seht ihr die Verletzung der Zucchetti an dieser Stelle? Die kann zum Beispiel von Steinen stammen», erklärt Lydia Uhl. Die vier Kinder blicken konzentriert auf das eben geerntete Gemüse. Es ist die Belohnung für die Arbeit, die sie seit März in ihr Beet gesteckt haben. Vorbei ist sie aber noch lange nicht: Bis Ende Oktober werden die Kinder noch im Garten beschäftigt sein.

Hier auf dem Jakobshof in ­Ellighausen können die Kinder ihren grünen Daumen unter Beweis stellen. Sie nehmen am Projekt Gartenkind von Bioterra (siehe Infokasten) teil. Das Ziel des Projektes ist es, den Kindern im Primarschulalter die Gartenarbeit näherzubringen und dadurch die Kreisläufe der Natur kennen zu lernen. Durchgeführt wird das Projekt schweizweit. ­Jeder der 75 Standorte wird von Bioterra materiell unterstützt, etwa in Form von Saatgut. Dazu übernimmt die Organisation die Koordination des Projekts und bietet Leiterkurse an.

Jeder kann die Bepflanzung selbst auswählen

In Ellighausen lernen acht Kinder unter den Augen von Lydia Uhl, wie sich die Pflanzen aus einem Samen entwickeln. Sie kommen alle zwei Wochen für bis zu zwei Stunden auf den Jakobshof – dieser gehört Lydia Uhl und ihrem Mann. Seit drei Jahren lädt sie die «Gartenkinder» zu sich ein. Jedes von ihnen erhält ein eigenes Beet. «Diese sind alle unterschiedlich», sagt Uhl. Die Kinder können aus einer festgelegten Auswahl an Pflanzen entscheiden, was in ihrem Beet wachsen soll. So gedeihen bei den Mädchen Blumen, während die Buben lieber noch einige Kartoffelpflanzen mehr gepflanzt haben.

Welche Pflanzen wachsen in den Beeten? «Wir haben Bohnen, Randen, Mais, Gurken, Zucchetti, Karotten, Kürbis, Kohlrabi, Salat, Radieschen, aber auch Kresse», erklärt Uhl. Bis vor kurzem konnten die Kinder erst Kresse mit nach Hause nehmen, nun steht aber die grosse Ernte an –ein Zeitpunkt, auf den die Kinder lange hingefiebert haben.

«Kann man die kleinen Kartoffeln auch essen?», fragt Asuela Bommer. Sie hat schon die Hälfte ihres Beetes auf der Suche nach den braunen Knollen umgegraben. Die Freude steht ihr ins Gesicht geschrieben. Aber die Gartenarbeit macht ihr nicht immer gleich Spass: «Bei Regen ist es mühsam.» Mit Eifer ist auch Jonas Hessler an der Arbeit. «Bisher macht mir das Kartoffelernten am meisten Spass», sagt er. Essen wird er sie aber nicht – er mag keine Kartoffeln. Jonas freut sich vor allem auch auf den Kohlrabi. «Die sind aber noch ein bisschen klein», meint Johannes Uhl mit kritischem Blick auf die Kohlrabi von Jonas. Johannes ist der Sohn von Lydia Uhl. Ihm hat am besten das Einpflanzen gefallen: «Da kann man selbst auswählen, was man will, und das Beet füllt sich immer mehr.» Er freut sich zudem besonders darauf, die Bohnen zu pflücken «Die Bohnen wachsen total schnell, aber auch die Erbsen oder die Tomaten – da kann ich sicher viel ernten», freut sich der Nachwuchsgärtner.

www.bioterra.ch/gartenkind