Keiner wird verschont

Um political correctness haben sie sich noch nie geschert, die Emmishofer Narren geniessen selbstverständlich Narrenfreiheit. Auch in der diesjährigen Ausgabe ihrer Night-Show im Saubachsaal kamen jene Gags wieder mit am besten an, bei denen dem Publikum das Lachen im Halse stecken blieb.

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Ihr Kommentar ist gefürchtet: Die Emmishofer Narren sind gnadenlose Beobachter des Kreuzlinger Stadtgeschehens. (Bild: Donato Caspari)

Ihr Kommentar ist gefürchtet: Die Emmishofer Narren sind gnadenlose Beobachter des Kreuzlinger Stadtgeschehens. (Bild: Donato Caspari)

Nicht alles, was die zehn Männer am Freitag bei der Premiere auf die Bühne zauberten, ist deshalb tauglich als Stoff für eine seriöse Tageszeitung. Das meiste aber geht noch knapp.

Einen Streifzug vom Konzil bis in die digitale Welt nehmen die Narren in Angriff. Mit einem echten Hingucker startet das fast dreistündige Programm. Markus Baiker und Raphael Tanner sitzen halbnackt als Kaiser und Papst auf den Händen der drallen Imperia. Gemeinsam mit dem Marktvolk des Mittelalters kommentieren sie die Highlights der regionalen Politik des vergangenen Jahres.

Den Fokus auf der Region

Die Güttinger hätten bei ihrer Gemeindeammann-Wahl zwischen Pest und Cholera entscheiden müssen, bis Messias Urs Rutishauser kam und den Pöbel wieder vereinte. Lobend erwähnen die Narren den Tägerwiler Gemeindeammann Markus Thalmann für seine Deutschenkritik. Das Konstanzer Hochseilbahn-Projekt quittieren sie wie folgt: «Da können sie dann von unten glotzen, wie die Schweizer aus der Kabine kotzen.» Es folgte die örtliche Schnitzelbank, in Szene gesetzt von Sänger-Barde Ruedi Wolfender und Burgfräulein Alex Wannenmacher. Die kleinen Aussetzer und Missgeschicke der lokalen Prominenz gefielen den Zuschauern im Saal wie immer ganz besonders gut. Denn Schadenfreude ist immer noch die schönste Freude.

Weiter ging es in die dunkle Kammer von Folterknecht Urs Wolfender. Das Stöhnen der Geschundenen auf Streckbank oder am Rad ist Musik in seinen Ohren. Mit seinen Opfern ergründet er die Abgründe der Kreuzlinger Parteien und sie stellen fest, dass die Gemeinderäte gehäuft zurücktreten. Beim Rondo fände man noch genug Kandidaten, die ordentlich Sitzleder am Hintern hätten. Vor der ersten Pause verbrennt der Folterknecht noch die Präsidentin der Kreuzlinger Business and Professional Women als Hexe.

Ein Bauchredner mit Zukunft

Mit ihren wunderbar bunten Bühnenbildern und Kostümen sowie den kreativen und immer überraschenden Spezialeffekten überzeugen die Emmishofer Narren auch in diesem Jahr. Die liebevolle Umsetzung ihrer Ideen zeichnet sie immer wieder aus. Eine ganz köstliche Nummer zeigen Rolf Uhler und Raphael Tanner mit ihrer Bauchredner-Persiflage. Bauer Emil und Henne Trudi treten den Vergleich mit den Kreuzlinger Legenden Kliby und Caroline an. Bei den Gesangseinlagen treffen die Narren nicht jeden Ton, ihr Publikum reissen sie mit den modernen Melodien aber locker mit. Nach Hunderten von Kalauern, Zoten, gespielten Witzen, faulen Sprüchen und Boshaftigkeiten spendeten die Premieren-Besucher Standing Ovations. Alle, die in der Kreuzlinger Gesellschaft eine Rolle spielen, hatten die Quittung für ihr Tun erhalten.

Übrigens: auch den Chretzer und seine TZ-Kolumne zogen die Narren durch den Kakao, und erheben ihn damit offiziell zur städtischen Prominenz. Wer sich hinter dem Fisch verbirgt, wissen allerdings nicht einmal sie, die sonst alles wissen.
Urs Brüschweiler

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