Keine Käseglocke über Arbon

ARBON. Nach den denkmalpflegerischen Bewertungen müsste die Stadt Arbon 430 Bauobjekte in ihren Schutzplan aufnehmen. Das tut sie nicht, weil Grundeigentümer zu sehr eingeschränkt würden.

Max Eichenberger
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Der Posthof in der Altstadt figuriert als eines von 128 Gebäuden im neuen Arboner Schutzplan. (Bild: Max Eichenberger)

Der Posthof in der Altstadt figuriert als eines von 128 Gebäuden im neuen Arboner Schutzplan. (Bild: Max Eichenberger)

Als Gemeinde mit einem Altstadtkern und langer Geschichte hat Arbon einen stattlichen Bestand an historischen Bauten: vom Schloss über das (nach einem Brand 1994) wieder aufgebaute Rathaus, Saurer-Bauten, Bohlenständerhaus, Amtshäuser, die früher mit dem Leinenhandel in Verbindung gestanden waren, Kappeli bis zu vielen weitern Liegenschaften.

«Das können wir nicht»

Eigentlich müsste die Stadt 430 Bauten mit einer Schutzverfügung belegen. «Das können wir aber nicht und machen das auch nicht», sagt Stadtammann Martin Klöti. Die Gemeinden, so will es der Kanton Thurgau, sind grundsätzlich verpflichtet, das Hinweisinventar der Thurgauer Denkmalpflege grundeigentümerverbindlich umzusetzen.

Darin sind sämtliche Gebäude erfasst und in fünf Kategorien klassifiziert. Die als «besonders wertvoll» und «wertvoll» eingestuften Objekte müsste die Stadt daher im Schutzplan aufführen.

Die Stadt will sich mit einer eleganten Lösung aus dieser Pflicht nehmen und einen «Mittelweg» beschreiten. Die 50 markantesten Bauten figurieren heute im Schutzplan, 380 weitere müsste die Stadt im Zuge der Revision der Ortsplanung darin aufführen.

Zu starke Einschränkungen

Das geht dem Stadtrat aber zu weit, weil dies einerseits starke Einschränkungen für die Grundeigentümer zur Folge hätte, die bauliche Eingriffe oder Veränderungen vornehmen möchten. «So weit können wir nicht gehen. Wir haben auch lange mit der Ortsbildschutzkommission beraten. Da gibt es eine Kontroverse mit dem Kanton. Wir unterbreiten jetzt einen Vorschlag zur Güte», skizziert Klöti einen Weg, ohne dass eine Partei das Gesicht verliert. Ähnlich der Ortsbildschutzzone in der Altstadt wird eine sogenannte Strukturschutzzone über das Gemeindegebiet gelegt.

Struktur- statt Einzelschutz

Das bedeutet, dass in einem Gebiet, das in dieser Zone liegt, die Strukturen übernommen werden müssen, wenn ein Haus abgebrochen und ein Neubau erstellt wird. Die Stadt könne so darauf einwirken, veranschaulicht Klöti, dass zum Beispiel eine Hofsituation respektiert wird. Wenn Veränderungen anstehen, müsse «erlebbar bleiben, was einmal war».

Ein typisches Beispiel ist der Heinehof, die ehemalige Arbeitersiedlung an der Landquartstrasse, wo einst die Arbeiter des Textilbarons Arnold Baruch Heine wohnten. Im Schutzplan aufgeführt ist der Kopfbau des Ensembles, die übrigen Gebäude sind in der Strukturschutzzone. Wenn dort gebaut wird, muss die Situation des Ensembles gewahrt bleiben. Nach demselben Muster verfährt die Stadt auch bei anderen Siedlungen.

Ersatz soll möglich sein

Die städtischen Planer und die Behörde wollen den Grundeigentümern nicht jeglichen Spielraum zur Erneuerung beschneiden, argumentieren Stadtammann Klöti und Stadtplaner Dominik Frei: «Wenn Gebäude, die zwar von der Denkmalpflege als wertvoll eingestuft sind, nicht mehr dem aktuellen Wohnstandard entsprechen, energetisch und wohnhygienisch nicht mehr zeitgemäss sind, dann soll man sie punktuell abbrechen und durch einen Neubau ersetzen können.» Damit beschreite Arbon einen neuen Weg: «Wir sehen ihn als Mittelweg zwischen Käseglocke und Totalerneuerung», sagt Dominik Frei.

Bedacht ist man in Arbon darauf, dass identitätsstiftende Siedlungsbilder erhalten bleiben. «Wir wollen aber nicht viele Einzelobjekte so stark schützen, dass keine Erneuerung mehr möglich ist», betont Klöti.

78 weitere Objekte aufgenommen

Trotzdem: Zu den 50 im Schutzplan bezeichneten Objekten sind im Zuge der Ortsplanrevision 78 weitere aufgenommen werden. Vor Wochenfrist sind die revidierten Planungsinstrumente (neben dem Schutzplan sind das der Zonenplan und das Baureglement) dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht worden, Klöti hofft, dass der Kanton die Arboner Argumente dabei aufnimmt.

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