Keine Handyantenne auf der Kirche

LENGWIL. Die Stimmbürger der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil sagen deutlich Nein. Sie wollen keine Mobilfunkanlage auf dem Illighauser Kirchturm. Sie entscheiden sich damit gegen jährliche Mieteinnahmen und akzeptieren weiter das Empfangsloch im Dorf. Andere Werte sind wichtiger.

Urs Brüschweiler
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Im Turm der Illighauser Kirche wird es keine Mobilfunkanlage geben. (Bild: Reto Martin)

Im Turm der Illighauser Kirche wird es keine Mobilfunkanlage geben. (Bild: Reto Martin)

«Der Entscheid wird nun so an die Swisscom weitergeleitet», sagte Kirchenpräsident Holger Stiegler am Ende. Die Bürger der Lengwiler Kirchgemeinde wollen keine Mobilfunkantenne auf dem Illighauser Kirchturm. 32 Nein standen in der geheimen Abstimmung 19 Ja gegenüber, 6 Zettel blieben leer. Der Mobilfunkanbieter hatte letzten Frühling eine entsprechende Anfrage gestellt. «Sie wollen das Empfangsloch in Illighausen stopfen», informierte Holger Stiegler die Kirchgemeindeversammlung am Montagabend. Auf der Traktandenliste stand deshalb ein Grundsatzentscheid, ob der Kirchturm zu diesem Zweck benützt werden darf.

Die Diskussion war mit Spannung erwartet worden. Mit 57 von 519 Gemeindemitgliedern war eine stolze Anzahl im Kirchgemeindehaus in Oberhofen erschienen. Schon früh zeichnete sich ab, dass das Anliegen einen schweren Stand haben wird. Eine Frau wollte den Entscheid gar aus der Traktandenliste kippen. «Ich bedaure, dass es keine Vorinformation gegeben hat. Wir sollten heute nicht aus einer Stimmung heraus einen solchen Grundsatzentscheid fällen.» Sie fand mit ihrem Antrag aber keine Mehrheit.

Eigentümerin muss entscheiden

In der Debatte äusserte sich auch Gemeindeammann und Kirchbürger David Tschudi. «Die Politische Gemeinde will die Verantwortung über dieses schwierige Thema nicht abschieben», sagte er. Doch die Anfrage der Swisscom beziehe sich auf die Illighauser Kirche, und diese gehöre nun mal der Kirchgemeinde. Gegen einen andern Standort im Dorf hatten sich Anwohner früher erfolgreich gewehrt. «Eine Handyantenne ist nichts Schönes, aber grundsätzlich macht sie in der Kirche schon Sinn. Es ist ein geeigneter Standort.» Sichtbar wäre die Antenne von aussen nicht gewesen.

Tschudi erwähnte auch, dass der fehlende Mobilfunkempfang in Illighausen schon ein Problem sei. «Während der letzten Gemeindeversammlung, mussten sie den Feuerwehrkommandanten persönlich holen. Sein Telefon funktionierte nicht.»

Jesus jagte die Händler hinaus

«Ohne Handyempfang kann ich gut leben, aber ich bin der Meinung, ein Gotteshaus sollte den Menschen gut tun», beschrieb eine Frau ihre Vorbehalte gegenüber der Strahlungsbelastung. Einige andere Kirchbürger äusserten sich ebenfalls in diese Richtung. Wie viel Miete genau die Kirchgemeinde einnehmen würde, danach fragte niemand. Ein junger Mann erinnerte aber daran, dass Jesus die Geschäftemacher einst mit dem Besen aus dem Tempel gejagt hatte. Die Kirche sei zum Beten da. Dass diese unmittelbar neben der Schule steht, war ebenfalls ein oft benütztes Argument.

Kirchenpräsident Holger Stiegler, der neue Pfarrer Timo Garthe mit Frau Manuela und der abtretende Pfarrer Peter Keller. (Bild: Urs Brüschweiler)

Kirchenpräsident Holger Stiegler, der neue Pfarrer Timo Garthe mit Frau Manuela und der abtretende Pfarrer Peter Keller. (Bild: Urs Brüschweiler)