«Keine Ferien in eigener Scheinwelt»

Auf nach Madagaskar (1) – heute: Claudia Schildknecht. Sie erzählt über die Faszination der Natur, ihre Abneigung gegen Badeferien und ihre hilfsbereiten Freunde.

Alessandro Reho
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Hagenwil. Claudia Schildknecht besucht die dritte Klasse der Fachmittelschule in Romanshorn. Die Reise nach Madagaskar ist ihre erste grosse. Sie habe zwar schon einen Sprachaufenthalt in Dublin verbracht, so Claudia. «Das kann man mit Afrika aber überhaupt nicht vergleichen.» Von der Möglichkeit der Reise nach Madagaskar erfuhr sie in der Schule, wo «Nouvelle Planète» mit einem Plakat darauf aufmerksam machte.

Fauna und Flora

«Badeferien mag ich überhaupt nicht», erklärt Claudia Schildknecht ganz direkt. «Ich finde, wenn man reist, sollte man mit den Menschen vor Ort leben. Ansonsten macht man Ferien in der eigenen Scheinwelt.» Darüber hinaus sei sie fasziniert von Flora und Fauna, welche auf Madagaskar einzigartig seien. «Man weiss nicht, wie lange es die Natur in ihrem jetzigen Zustand noch geben wird», so die junge Hagenwilerin. Deshalb wolle sie so viel wie möglich davon noch sehen.

Buch von der Oma

Als Vorbereitung auf den Aufenthalt habe sie ein Buch gelesen, das ihr ihre Grossmutter geschenkt habe, erzählt Claudia Schildknecht. «Ansonsten lasse ich es einfach auf mich zukommen.» Gedanken über die Zeit dort hat sie sich jedoch durchaus gemacht. «Ich erwarte einen gewaltigen Kulturschock», sagt Claudia. «Wir sind eines der reichsten Länder der Erde und Madagaskar eines der ärmsten. Es wird an vielem für uns Alltäglichem, wie zum Beispiel einer richtigen Toilette, fehlen.»

Ihr Umfeld habe ihr Vorhaben trotzdem positiv aufgenommen. Freund und Kollegen fänden es gut und interessierten sich dafür, was sie mache. «Sie haben uns geholfen, Kuchen zu verkaufen, um Geld für das Projekt zu sammeln. Dafür bin ich ihnen wirklich dankbar», freut sich Claudia. Ihr Vater war ein bisschen skeptischer. «Er sagte mir, dass ich dort schon noch auf die Welt kommen werde», lacht sie.

Letzten Endes finde er es aber gut, da er selbst ähnliche Erfahrungen in Sudan und in Kalkutta gemacht habe.

Handwerkliche Familie

In Madagaskar wird Claudia Schildknecht mit den anderen Jugendlichen eine Schule bauen. Das nötige handwerkliche Geschick, sagt sie, bringe sie mit. «Mein Vater war Zimmermann, eigentlich ist meine ganze Familie handwerklich tätig.» Sie habe sich vor Beginn der Schule sogar schon überlegt, eine Schreinerlehre zu machen, erklärt Claudia.

Sie sollte daher in Madagaskar – zumindest bei der Arbeit – keine Probleme haben.

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