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Keine Bewilligung für Circus Royal

ARBON. Beim Aufbau des Zirkuszeltes letzten Sommer schlug ein «Royal»-Mitarbeiter einen Stahlanker in ein Stromkabel. Halb Arbon blieb zwei Stunden lang ohne Pfuus. Der Circus Royal lehnt die Haftung nicht ab, bestreitet aber die Höhe der Forderung – und hat noch nicht gezahlt. Das hat Folgen.
Max Eichenberger
In dieses Stromkabel hämmerte ein Zirkusmitarbeiter ein Loch, was zu einem Stromausfall führte. Deswegen sind die Parteien heute noch unter Strom. (Bild: Max Eichenberger)

In dieses Stromkabel hämmerte ein Zirkusmitarbeiter ein Loch, was zu einem Stromausfall führte. Deswegen sind die Parteien heute noch unter Strom. (Bild: Max Eichenberger)

Es war ein Albtraum auf der Quaiwiese. Der rumänische Saisonangestellte selber hatte Riesenglück, dass er keinen tödlichen Stromschlag erlitt. Fachleute sprechen auch im nachhinein von einem mittleren Wunder.

Ärger beim Stromversorger

Nicht nur bei den Strombezügern, die ohne Pfuus blieben, vor allem auch beim Versorgungsunternehmen sorgte der Zwischenfall für Ärger. Denn der Verlauf der Leitung im Boden war wie gewohnt auf dem grünen Rasen markiert gewesen. Dazu hatte der Zirkus auch eine Instruktion von Arbon Energie erhalten. Und trotzdem hatte der Arbeiter den mächtigen Stahlanker just auf dieser roten Linie angesetzt und mit Pressluft in den Boden gerammt.

Der Fall ist noch nicht ad acta gelegt. Die Schadensforderung über 41 650 Franken, die Arbon Energie AG im September stellte, ist vom Circus Royal bis heute nicht beglichen worden; auch auf einen Zahlungsbefehl hin nicht. Prompt hat der Stadtrat dem Thurgauer Zirkusunternehmen bei der Tournéeplanung 2012 einen vorläufigen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Bewilligung für das geplante Gastspiel vom 29. Juli bis 6. August in Arbon macht der Stadtrat davon abhängig, ob der Zirkus für den in Rechnung gestellten Schaden aufkommt.

Mehr noch: Bis nicht alle Forderungen beglichen seien, dürfe der Zirkus Arbon in seinem Tournéeplan weder aufnehmen noch Gastspiele ankündigen, schrieb die Stadt in einem Brief.

«Keinen Strom mehr»

«Das hat uns sehr getroffen», sagt Zirkusdirektor Oliver Skreinig. «Wir haben immerhin den Arbonern über Jahre unser Zelt für die Bundesfeier zur Verfügung gestellt und am 1. August Gratisvorstellungen gegeben.»

Jürgen Knaak, Geschäftsführer von Arbon Energie, mutet merkwürdig an, dass sich bisher noch kein Versicherungsvertreter gemeldet habe. «Wenn <Royal> den Betrag nicht zahlt, wird er von uns keinen Strom und auch kein Wasser bekommen – selbst wenn er doch noch eine Bewilligung bekäme.» Es könne nicht angehen, «dass die Kosten eines fahrlässig verursachten Schadens auf den Strompreis draufgelegt werden und unsere Kunden dafür aufkommen müssen», sagt Knaak. Arbon Energie wolle nur ihre ausgewiesenen Aufwendungen abgegolten haben. Dafür sei der Zirkus haftbar; der nicht verkaufte Strom etwa sei im Betrag nicht drin.

«Ausflüchte» hier, «Nötigung» da

Skreinig bekräftigt, dass «Royal» über eine Betriebshaftpflichtversicherung verfüge. «Wir bestreiten nicht, dass der Anker geschlagen wurde und dieser das Stromkabel beschädigt hat», sagt Skreinig. Diese Kabelreparatur würde übernommen. Strittig sei die Forderungssumme, «diese ist nicht definiert». Es seien Positionen in Rechnung gestellt worden, wo sich Royal nicht zahlungspflichtig sieht – etwa das Notfallmanagement oder der Schaden in einer Trafostation. «Auch Forderungen von Firmen und Privatpersonen können nicht auf uns abgeschoben werden.» Für die Arbon Energie AG sind das Ausflüchte. Der Circus Royal sei haftbar – und wolle sich ums Zahlen drücken.

Auf Ende Januar sei ein Gespräch mit den Parteien anberaumt, «wir hoffen auf eine einvernehmliche Lösung», sagte Stadtrat Reto Stäheli gegenüber dem Parlament. Inhaltlich könne er aber nicht mehr sagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Materiell will sich aus demselben Grund auch Hanspeter Mazenauer, Leiter der Abteilung Freizeit, Sport, nicht näher äussern.

Hilferuf aus der Manege

Der Circus Royal hatte zuvor einen «Hilferuf» an alle Parlamentarier geschickt und daran erinnert, wie stark verwurzelt der Zirkus in der Bevölkerung sei. «Auf die Nötigung, alle privaten Ansprüche zu befriedigen, werden wir nicht eingehen», allenfalls müsse das Gericht entscheiden.

Juristische Spitzfindigkeiten

Unverblümt schiebt der Zirkus die Schuld auf zwei seiner Mitarbeiter, «zwei von hundert», die «eigenmächtig» gehandelt hätten. Auf sie werde dann wohl auch die Versicherung Regress nehmen. Da ist sich die Zirkusleitung am nächsten. Lässt «Royal» sie hängen? «Nein, das tun wir nicht. Wir haben die Saisonmitarbeiter nicht entlassen. Sie werden weiter bei uns arbeiten», so Skreinig.

Riquet Heller hatte im Parlament erklärt, der Schuldner hätte «das Recht, abklären zu lassen, wie gross der Schaden ist und wie weit die Schadenersatzpflicht geht». Rechtlich fragwürdig sei, die Bewilligung an die Bezahlung des Schadens an Arbon Energie zu koppeln. Auch wenn die Stadt die Aktienmehrheit besitze, sei Arbon Energie juristisch eine «Drittperson».

Jürgen Knaak, Geschäftsführer Arbon Energie AG. (Bild: me)

Jürgen Knaak, Geschäftsführer Arbon Energie AG. (Bild: me)

Oliver Skreinig, Direktor Circus Royal. (Bild: pd)

Oliver Skreinig, Direktor Circus Royal. (Bild: pd)

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