Kein Geld für Unterhaltungen

Im Kemmental gibt es zu wenige kulturelle Veranstaltungen. Zumindest solche, die durch den Verein Kultursee finanziell unterstützt werden. Die Gemeinde tritt deshalb aus der regionalen Kulturförderung aus.

Urs Brüschweiler
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KEMMENTAL. Für Turnerunterhaltungen gibt es vom «Kultursee» keine Unterstützungsbeiträge. Ebenso wenig wie für das Jahreskonzert der Musikgesellschaft. Der regionale Kulturförderverein, bei dem alle Gemeinden im Bezirk Kreuzlingen dabei sind, hat da klare Linien. In der Gemeinde Kemmental hat man damit jedoch ein Problem. Denn sie kann die Gelder, welche sie aus dem Förder-Topf des Vereins für Veranstaltungen und Projekte im Kemmental zugute hat, gar nicht im vollen Umfang vergeben. «Es gibt fast keine Kulturveranstalter im Kemmental», sagt Gemeindepräsident Walter Marty. «Die Idee von <Kultursee> ist gut, aber für eine kleine Gemeinde wie uns funktioniert es nicht». Der Gemeinderat zog entsprechend seine Konsequenzen und entschied sich, per Ende Jahr aus dem Verein auszutreten.

Alle ausser Raperswilen

«Wir bedauern den Entscheid natürlich», sagt Markus Thalmann. Der Tägerwiler Gemeindepräsident ist Präsident des «Kultursee». Seit der Gründung des regionalen Vereins zur Kulturförderung 2010 machten sämtliche Gemeinden im Bezirk Kreuzlingen mit. Ausser Raperswilen: Die kleine Seerücken-Gemeinde ist nie beigetreten.

Einen Franken pro Einwohner

Jede Gemeinde bezahlt pro Einwohner einen Franken, was rund 46 000 Franken ergibt. Der Kanton verdoppelt diesen Betrag nahezu mit Mitteln aus dem Lotterie-Fonds. Für das Kemmental bedeutete dies einen Jahresbeitrag von 2350 Franken. Dafür durfte die Gemeinde über die Verwendung von zwei Dritteln dieses Betrages konkret mitbestimmen, sofern überhaupt bewilligungsfähige Anträge von Veranstaltern beim «Kultursee» eingegangen waren.

Geld bleibt im Kemmental

Früher gab es das Mundarttreffen in Hugelshofen. «Das wäre so ein typischer Anlass zur Förderung gewesen», sagt Marty. Oder für die Konzerte der A-cappella-Band Maulwurf habe es auch schon Beiträge gegeben. Aber grosse und wichtige Anlässe im Kemmental wie die Abendunterhaltungen seien eben nicht im Sinne von «Kultursee». «Wir haben uns deswegen nicht verkracht», sagt Walter Marty. Aber man wolle künftig lieber das ganze Geld direkt in der Gemeinde einsetzen, ohne Abstriche und ohne den «Umweg über Kreuzlingen».

«Wir finden es schade, dass das Kemmental nur die Profit-Rechnung macht», sagt Thalmann. Klar gebe es Gemeinden, die eine weniger grosse Palette an Veranstaltungen hätten. Aber der «Kultursee» wolle gerade das regionale Denken fördern und nicht das Rosinenpicken.

Kein Beitrag für Kommerz

Der Vereinspräsident stellt klar, dass es nichts mit der kulturellen Wertigkeit von Abendunterhaltungen zu tun hat, dass diese nicht in den Genuss von Förderungen kommen. «Für Veranstaltungen, die Gewinn abwerfen und sowieso Geld in die Vereinskassen spülen, sind Zustüpfe des <Kultursee> nicht gedacht. Das war von Anfang an klar.» Auch kommerziellen Anlässen wie etwa dem Seenachtfest verwehre man Beiträge aus dem Kulturfonds. Wir unterstützen Veranstaltungen, die eher defizitär sind, erklärt Thalmann. Trotz des Austritts des Kemmental zweifelt der Präsident nicht an der Idee der regionalen Kulturförderung.