Kapellen-Verkauf ist umstritten

HOHENTANNEN. Die Evangelische Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil bot den Kirchbürgern Gelegenheit, sich über den Verkauf der Kapelle Oetlishausen zu informieren. Von den Besuchern waren die einen dafür, andere dagegen.

Claudia Gerrits
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Besucher im Innern der Kapelle Oetlishausen, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. (Bild: Claudia Gerrits)

Besucher im Innern der Kapelle Oetlishausen, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. (Bild: Claudia Gerrits)

HOHENTANNEN. Ob bei den Kirchbürgerinnen und -bürgern die Meinungen zum Verkauf der Kapelle Oetlishausen schon feststehen? Jedenfalls fanden sich kaum ein Dutzend Besucher während der zwei Stunden der offenen Kapellentür am Samstag in Oetlishausen ein, davon kam die Hälfte gar noch von ausserhalb der Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil. Red und Antwort standen neben Mitgliedern der Kirchenvorsteherschaft und der Arbeitsgruppe, welche die Entscheidungsgrundlagen für den Verkauf erarbeitet hatte, ebenfalls Kaufinteressent Josef Felder, Besitzer des Schlossguts Oetlishausen.

Teil des Schlossgutes

Er habe sich intensiv mit der Geschichte des Schlossguts Oetlishausen befasst, viel recherchiert und gesehen, dass die Kapelle immer Teil dieser Geschichte war, machte Josef Felder auf entsprechende Fragen deutlich. So sei ihm der Gedanke gekommen, die Kapelle wieder ins Schlossgut zurückzuführen. Angesprochen darauf, ob er auch sonst eine besondere Beziehung zur Kapelle habe, sagte er, dass er konservativ katholisch erzogen worden sei. Für ihn habe eine Kirche mit so viel alter Substanz auch eine spirituelle Dimension. «Die Kapelle strahlt viel Wärme und Kraft aus». Auch wenn er sie kaufen könne, werde die Kapelle ständig zugänglich bleiben. «Ein Gotteshaus muss immer offen sein». Ein Anliegen wäre es Josef Felder, die jetzige Umgebung mit der Bepflanzung so anzupassen, dass die Kapelle mehr im Mittelpunkt steht. Zu dieser Aufwertung soll auch ein neuer rollstuhlgängiger Aufgang zum Kapelleneingang beitragen. Geplant ist ebenso eine WC-Anlage bei der Kapelle.

Dass die Kapelle weiterhin öffentlich zugänglich ist und von der Kirchgemeinde wie bis anhin genutzt werden kann, wird auch im Kaufvertrag und Betriebsreglement als bindender Teil festgehalten. Die vertraglichen Vereinbarungen gelten auch für spätere Besitzer. Der Kaufpreis der Kapelle beträgt 504 000 Franken.

Beidseitige Verpflichtungen

Gemäss Vertrag wäre die Kirchgemeinde verpflichtet, nach dem Verkauf umgehend an der Aussenfassade die Westseite zu renovieren, an verschiedenen Seiten Sockelteile zu sanieren sowie die Orgel zu restaurieren. Für diese Sanierungen wird mit Kosten von 50 000 Franken gerechnet. Im Gegenzug wird Josef Felder verpflichtet, die Umgebungsarbeiten ebenso umgehend vorzunehmen. Der Verkauf ist bei den Kirchbürgerinnen und -bürgern umstritten, das war auch bei den Besuchern in Oetlishausen zu hören. Einer der Besucher, der seinen Namen nicht verraten wollte, erachtete den Verkauf als sinnvoll. «Voraussetzung ist, dass vertraglich alles klar geregelt ist.»

Verlust oder Glücksfall?

Er könne nicht verstehen, dass man die Kapelle für eine halbe Million verschachern wolle, habe sie doch auch einen ideellen Wert, äusserte sich Jakob Grunder. Kirchenpräsident Roman Salzmann bezeichnete es «als Glücksfall», wenn die Kirchgemeinde nicht mehr für den Unterhalt aufkommen muss, die Kapelle jedoch weiter nutzen könne.

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