Kapelle kehrt zum Schloss zurück

HOHENTANNEN. Nach der Kirchgemeindeversammlung hat nun auch der Evangelische Kirchenrat dem Verkauf der Kapelle Oetlishausen an den Schlossbesitzer Josef Felder zugestimmt. Die religiöse Hoheit bleibt bei der Landeskirche.

Rita Kohn
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Die Kapelle wird durch den Verkauf wieder Teil des privaten Anwesens Schloss Oetlishausen. (Bilder: pd)

Die Kapelle wird durch den Verkauf wieder Teil des privaten Anwesens Schloss Oetlishausen. (Bilder: pd)

Das Ansinnen der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil, die Kapelle Oetlishausen in Hohentannen zu veräussern, hat vor Monaten aufmerken lassen. Die Zusicherung, dass die Kapelle auch nach Besitzerwechsel im selben Umfang wie bisher genutzt werden kann, hat jedoch den Kritikern den Wind aus den Segeln genommen. Denn unbestritten war, dass die Kapelle eine finanzielle Belastung für die Kirchgemeinde darstellt – erst recht, da einige Sanierungen anstehen.

Am 17. Januar sagten die Stimmberechtigten deshalb deutlich Ja zum Verkauf (88 Ja gegen 33 Nein). Die Kapelle, seit 1948 im Besitz der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil, soll wieder dem benachbarten Schlossgut angegliedert werden. Zu diesem hatte die Kapelle schon vor ihrem Verkauf im Jahr 1948 gehört.

Orgel und Fassade

Der Verkaufserlös beträgt 504 000 Franken. Jedoch verpflichtet sich die Kirchgemeinde, vorgängig zum Verkauf eine Fassadenreinigung mit Kosten von 30 000 Franken und eine Orgelsanierung, die rund 20 000 Franken kosten wird, auszuführen. Damit reduziert sich der Mittelzufluss an die Kirchgemeinde auf 454 000 Franken. Gekauft hatte die Kirchgemeinde die Kapelle einst zu einem Betrag von 40 000 Franken.

Auch Käufer Josef Felder wird unmittelbar nach Eigentumsübertragung investieren. Einerseits soll der Zugang zur Kapelle rollstuhlgängig gemacht werden, andererseits werden WC-Anlagen erstellt. Laut Kirchenpräsident Roman Salzmann haben sich die Parteien gegenseitig verpflichtet, die Bauarbeiten innerhalb von sechs Monaten nach Eigentumsübertragung abzuschliessen.

Kirchenrat macht Vorbehalt

Nach eingehender Prüfung hat der Evangelische Kirchenrat des Kantons Thurgau nun den Verkauf mit einem Vorbehalt genehmigt. Er verlangt einen Grundbucheintrag, der sicherstellen wird, dass die Hoheit über die öffentliche religiöse Nutzung der Kapelle bei der Evangelischen Landeskirche bleibt. In seiner Stellungnahme hält der Kirchenrat unter anderem fest, dass die Kapelle weiterhin christlicher Gottesdienstort bleiben muss. Zudem weist der Kirchenrat auf die historische Bedeutung des Gebäudes hin.

Ein Präzedenzfall

Da es sich bei der Kapelle Oetlishausen um eine historische Baute handelt, die als «besonders wertvoll» eingestuft ist, ist auch das kantonale Denkmalamt um Stellungnahme gebeten worden. Die Kapelle, die aus dem 12./13. Jahrhundert stammt, hat durch ihre Wandmalereien, die Holzdecke, den Taufstein, Glocken und mehr eine sehr wertvolle Ausstattung. Amtschefin Beatrice Sendner hält fest, dass es sich bei diesem Verkauf um einen Präzedenzfall handle. Das Amt für Denkmalpflege erachte es als zweckdienlich, in solchen Fällen stets umfassend informiert zu werden.

Roman Salzmann Präsident der evangelischen Kirche Bischofszell-Hauptwil

Roman Salzmann Präsident der evangelischen Kirche Bischofszell-Hauptwil