«Kapazität ist gar nicht da»

ROMANSHORN. Es werden zu wenig örtliche Handwerker berücksichtigt, wird vom Gewerbe bemängelt. Generalunternehmer Thoma widerspricht: Oft würden von ihnen gar keine Offerten eingereicht.

Christa Kamm-Sager
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Baustelle «Vedere» – Handwerker von Kreuzlingen bis St. Gallen. (Bilder: Christa Kamm-Sager)

Baustelle «Vedere» – Handwerker von Kreuzlingen bis St. Gallen. (Bilder: Christa Kamm-Sager)

In Romanshorn sind derzeit weit über 200 Wohnungen im Bau begriffen. Zählt man die Wohnungen dazu, die in den letzten Jahren gebaut wurden, kommt man auf deutlich über 300 Wohneinheiten. Wer zieht diese Mauern hoch? Baut Küche und Bad ein und verlegt den Parkett? Gewerbepräsident Clemens Marquart bemängelte in dieser Zeitung (Tagblatt vom 20. September), dass fast ausschliesslich auswärtige Unternehmen zum Zug kämen und das lokale Gewerbe aus preislichen Gründen das Nachsehen habe.

Die Amriswiler Thoma Immobilien Treuhand AG kann diese Aussagen so nicht stehen lassen. Sie baut derzeit 30 Wohnungen an der Neuhofstrasse in Romanshorn und ist zuständig für die Vermarktung der Überbauungen «Silberholz» und «Sunnestrahl». «Bei unserer Überbauung arbeiten diverse Unternehmer aus der Region mit, aber es gibt gute Gründe, weshalb bei solchen Grossüberbauungen kleinere Betriebe gar nicht mithalten können», äussert sich Patrick Thoma, Verwaltungsratspräsident der Thoma Immobilien Treuhand AG.

Bumerang kommt zurück

Bei ihrer Überbauung «Vedere» zum Beispiel – 30 Mietwohnungen an der Neuhofstrasse – sei die Thoma Immobilien Treuhand AG Totalunternehmerin für die Bauherrin Pensionskasse Bühler AG in Uzwil. «Bei der Arbeitsvergabe ist uns wichtig, dass die Unternehmen eine gewisse Standfestigkeit haben, also dass es sie auch in zwei Jahren noch gibt.» Es sei ihnen, die sie selber vornehmlich in den Kantonen Thurgau, St.Gallen und Appenzell tätig seien, aber auch ein Anliegen, dass sie mit Unternehmen aus diesen Regionen zusammenarbeiten können. «Wir sind absolut dafür, regionale Betriebe zu bevorzugen. Wir merken, dass dieser Bumerang auch wieder zurückkommt», äussert sich Othmar Thoma. Bei der Überbauung «Vedere» seien denn auch vornehmlich Unternehmer von Kreuzlingen bis St. Gallen zum Zug gekommen. Für sie bedeute örtlich ein Umkreis von gut 20 Kilometern.

Gewisse Fachbetriebe wie etwa ein Liftbauer gebe es zudem gar nicht hier im Umkreis, der käme dann zwingend von weiter weg.

Immer mehr westwärts

Es sei klar, dass Generalunternehmungen aus dem Kanton Zürich, wie an den anderen beiden Grossbaustellen, andere Beziehungen hätten und deshalb sicher auch Firmen eher aus dem Grossraum Zürich den Zuschlag erhielten.

«Umgekehrt ist es aber auch in unserer Region so, dass viele Ostschweizer Unternehmer immer mehr westwärts ihre Aufträge suchen», so Patrick Thoma.

«Es liegt nicht daran, dass Zürcher teurer oder günstiger sind», stellt Thoma klar. Aber das finanzielle Angebot gebe schliesslich sicher den entscheidenden Ausschlag, sonst würde kein Unternehmer lange überleben. «Wir können dank den genauen Ausschreibungen die Angebote eins zu eins miteinander vergleichen.»

Es liege vielmehr auch an der Kapazität der Unternehmungen: Im Frühling, Sommer dieses Jahres zum Beispiel sei die Kapazität der Handwerksbetriebe in der Region total ausgeschöpft gewesen. «Wir konnten nur sehr schwer vergeben.» So habe man froh sein müssen, wenn man eine Offerte von sechs oder sieben angeschriebenen Betrieben zurückerhalten habe.

Rechtzeitig bewerben

Wenn eine Baueingabe im Schweizerischen Baublatt publiziert werde, bekämen sie sofort stapelweise Werbe-Broschüren aus der ganzen Schweiz zugeschickt. «Es liegt klar auch an den Handwerksbetrieben, dass sie sich rechtzeitig bewerben und auf sich aufmerksam machen.»

Können nicht mithalten

Bei solch grossen Objekten sei es zudem auch eine Tatsache, dass kleinere Handwerksbetriebe nur schwer mithalten könnten, so Unternehmer Othmar Thoma. Viele kleinere Unternehmen seien ja bereits im Liegenschaftsunterhalt gut ausgelastet.

Wenn ein Unternehmen genug Arbeit habe, sei es ihm in der Regel gar nicht möglich, zusätzlich an einer Grossbaustelle, wo ein klarer Zeitrahmen vorgegeben sei, zu arbeiten.

Ostschweiz entdeckt

Es sei Realität, dass nationale Investoren die Ostschweiz, im besonderen den Bodenseeraum, entdeckt hätten. «In unseren Augen wird der Bodensee viel zu wenig teuer verkauft», so Patrick Thoma. Eine 4¹/2-Zimmer-Wohnung im «Vedere» beispielsweise würde im Raum Zürich rund 2000 Franken mehr Miete kosten, in St. Gallen etwa 1000 Franken mehr. Es sei deshalb kein Zufall, dass im Thurgau derzeit so massiv gebaut werde.

Othmar und Patrick Thoma

Othmar und Patrick Thoma