Kanzel, Wände, Bänke

Die Evangelische und die Katholische Kirchgemeinde Leutmerken sanieren seit einem Monat das Innere ihrer Paritätischen Kirche. Die Aussichten sind gut, Weihnachten im frischrenovierten Gotteshaus feiern zu können.

Esther Simon
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Zwecks Renovation ausgeräumt: Blick von der Empore herab in den Chorraum der Kirche Leutmerken. (Bild: Reto Martin)

Zwecks Renovation ausgeräumt: Blick von der Empore herab in den Chorraum der Kirche Leutmerken. (Bild: Reto Martin)

LEUTMERKEN. Wäre er noch am Leben, der süddeutsche Reformator Ambrosius Blarer würde sich die Augen reiben. Er würde die Kirche, in der er vor 450 Jahren predigte, nicht wiedererkennen. Tatsächlich ist das Gotteshaus zurzeit leer – ausser den vielen Gerüsten, die den Blick auf den Chorraum verstellen. Seit einem Monat renovieren die Katholische und die Evangelische Kirchgemeinde Leutmerken ihre Kirche, die sie seit über 400 Jahren paritätisch nutzen.

Bis Dezember fertig

Peter Krattiger, Präsident von Evangelisch-Leutmerken, ist sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Renovationsarbeiten. «Unser Ziel ist, bis Mitte Dezember fertig zu sein und Weihnachten in der frischrenovierten Kirche zu feiern. Zurzeit sieht es danach aus, dass das auch gelingt.»

Als eine der ersten Massnahmen wurde die Eingangstür ersetzt. Sie war eines der grössten Sorgenkinder gewesen; denn immer wenn es regnete, lief Wasser in den Vorraum. Restauriert werden auch die Bänke, die Kanzel, der Altar und die Stukkaturen. Die Wände des Kirchenschiffs, der Seitenkapelle und des Altarraums werden gereinigt, repariert und neu gestrichen. «Die Beleuchtungsfrage lösen wir zusammen mit der Denkmalpflege», sagt Peter Krattiger.

Vor mehr als vierzig Jahren wurde das Gotteshaus letztmals innen saniert. 2000 fand die letzte Aussenrenovation statt. Von Anfang an war klar, dass die Gelder aus dem jährlichen Finanzausgleich und den Steuereinnahmen nicht reichen würden, um die Kirche 2015 umfassend innen zu sanieren.

Eine unkonventionelle Idee

Die beiden Präsidenten beschlossen deshalb, Private um Unterstützung anzufragen. Angeschrieben wurden Personen, die eine besondere Beziehung zur Leutmerker Kirche haben – vielleicht, weil sie darin geheiratet oder ein Kind zur Taufe getragen haben. Ein Prospekt über die bevorstehende Kirchenrenovation lag auch am Fest «1200 Leutmerken» im Sommer vergangenen Jahres auf. Die unkonventionelle Idee hatte bald Erfolg, auch bei angeschriebenen Firmen.

Inzwischen ist die Summe der Spenden weiter angewachsen. «Seit dem Artikel in der Thurgauer Zeitung vom 14. Oktober 2014 sind sage und schreibe über 100 000 Franken an Spenden eingegangen», sagt Peter Krattiger, «das freut uns natürlich alle sehr.»

Kleine Kirchgemeinden

Weil die Kirchenvorsteherschaften inzwischen mit Renovationskosten von 300 000 Franken rechnen, führen sie die Spendenaktion fort. Obwohl, wie Krattiger sagt, ein Beitrag auch von der Politischen Gemeinde Amlikon-Bissegg erwartet wird und man mit der kantonalen Denkmalpflege in Verhandlungen sei. Die Kirche Peter und Paul ist vermutlich 1200 Jahre alt. Mit 250 Seelen und 190 Stimmberechtigten ist Evangelisch-Leutmerken – nach Wäldi – die zweitkleinste reformierte Kirchgemeinde im Kanton Thurgau. Etwa gleich viele Seelen und Kirchbürger hat Katholisch- Leutmerken. Ambrosius Blarer hat in der Kirche übrigens eine schöne Gedenkplatte erhalten.

Kontakte und Informationen: www.evang-leutmerken.ch oder www.seelsorgeverband.ch