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Kandidaten bekennen Farbe

KRADOLF. Wer als Moslem oder EDU-Mitglied für eine Schulbehörde kandidiert, bietet Angriffsflächen. Diese Erfahrung machten Mustafa Saliu (Schönenberg) und René Süsstrunk (Kradolf) während des Podiumsgesprächs vom vergangenen Montag.
Georg Stelzner
Gesprächsbasis trotz Konkurrenz: Die Kandidaten René Süsstrunk (links) und Mustafa Saliu. (Bild: Georg Stelzner)

Gesprächsbasis trotz Konkurrenz: Die Kandidaten René Süsstrunk (links) und Mustafa Saliu. (Bild: Georg Stelzner)

Der letzte freie Sitz in der Primarschulbehörde Schönenberg-Kradolf wird am 17. Mai in einem zweiten Wahlgang vergeben. Dieser wurde nötig, nachdem im ersten Wahlgang niemand das absolute Mehr erreicht hatte. Mit dem Rückzug von Jessica Della Lucia (Kradolf) hat sich das Feld der Bewerber auf Mustafa Saliu und René Süsstrunk reduziert. Die beiden stellten sich nach der Schulgemeindeversammlung in der Kradolfer Mehrzweckhalle den Fragen, die Moderator Reto Kohler und das Publikum stellten.

Für christliche Schule

Nicht unerwartet bildete das religiöse Bekenntnis Mustafa Salius einen Hauptdiskussionspunkt. Vor dem Hintergrund des hohen Anteils an Moslems in der Bevölkerung der Schulgemeinde wollte Kohler wissen, ob es denn jetzt an der Zeit sei, dass ein Vertreter dieser Religion Einsitz in der Schulbehörde nimmt. Saliu liess diese Frage offen, stellte aber dezidiert fest: «Ich bin Schweizer, meine Religion ist aber der Islam. Unsere Schule ist eine christliche Schule, und das soll auch so bleiben.» Er sei überzeugt, einen Beitrag zur Integration moslemischer Kinder leisten zu können, zumal er mit beiden Schulsystemen vertraut sei. Saliu gab in diesem Zusammenhang aber auch zu verstehen, dass er die Vermittlung zwischen den Kulturen nicht als seine wichtigste Aufgabe in der Schulbehörde betrachten würde.

Eine Auswahl ermöglichen

Von Salius Mitbewerber wollte der Moderator wissen, ob seine Kandidatur zum Ziel habe, einen Moslem in der Schulbehörde zu verhindern. Süsstrunk ging darauf nur insofern ein, als er betonte, dass «der Glaube für die Arbeit in einer Schulbehörde nicht vordergründig sein kann». Auf seine Mitgliedschaft in der EDU angesprochen, stellte Süsstrunk fest, dass seiner Kandidatur keine politische Motivation zugrunde liege. Es sei ihm ausschliesslich darum gegangen, den Stimmberechtigten eine Auswahl zu ermöglichen. Zu seiner im Vorfeld des ersten Wahlgangs geäusserten Forderung, die Lehrer müssten besser unterstützt werden, sagte er, dass er als einfaches Behördemitglied an den gesetzlichen Bestimmungen zwar nichts ändern könnte. Er würde sich aber dafür einsetzen, dass den Lehrpersonen jenes Umfeld zur Verfügung steht, das sie zur Ausübung ihres Berufes brauchen.

Einen aktuellen Fall aus dem Kanton Schaffhausen aufgreifend, erkundigte sich Kohler nach dem Standpunkt der Kandidaten in der Frage des schulischen Schwimmunterrichts. Während Süsstrunk verlangte, die gesetzlichen Bestimmungen strikt anzuwenden, plädierte Saliu für eine «gewisse Flexibilität», wenn auf Seiten der Eltern oder des Kindes ein religiös motivierter Gewissenskonflikt erkennbar sei. Wenn der Schwimmunterricht obligatorisch ist, müssten aber auch moslemische Kinder daran teilnehmen, sagte Saliu präzisierend.

Nicht frei von Polemik

Lange Zeit war die Diskussionskultur von Sachlichkeit und Fairness geprägt, wozu nicht zuletzt die beiden Kandidaten, die sich mit gegenseitigem Respekt begegneten, beitrugen. Die Aufforderung eines Versammlungsteilnehmers, Saliu möge zu den islamistischen Terroranschlägen Stellung nehmen, drohte die Stimmung dann aber anzuheizen. Unter dem Hinweis auf die Stellung der Frau im Islam wurde ausserdem Salius Bereitschaft und Fähigkeit, integrierend zu wirken, in Frage gestellt. Der Angesprochene verurteilte Terror jeder Art und versicherte, dass er Frauen trotz seines Glaubens mit Handschlag begrüsse, wenn diese das wünschten. Süsstrunk wiederum musste sich fragen lassen, weshalb man ihn nicht häufiger an schulischen Anlässen antreffe.

Frühenglisch sinnvoll?

Zu den wenigen Sachfragen gehörte die Einführung des Frühenglisch-Unterrichts. Während Süsstrunk von einer «heiklen Sache» sprach und davor warnte, die Kinder damit zu überfordern, gab Saliu eine optimistische Prognose ab. Vertrauend auf das Urteil der Experten, erwarte er diesbezüglich keine gravierenden Probleme.

Abschliessend durften die Kandidaten Werbung in eigener Sache machen. Süsstrunk hob dabei seine Kenntnisse auf den Gebieten des Projektmanagements und der Betriebswirtschaft hervor; aufgrund seiner früheren Tätigkeit in einem Heim verfüge er aber auch über Sozialkompetenz. Saliu legte Wert auf die Feststellung, in organisatorischen Fragen versiert und ein profunder Kenner zweier Kulturen zu sein, was im Hinblick auf die Integration von Kindern ein Vorteil sei. Zudem sei ihm das Vertrauen seiner Wähler sehr wichtig.

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