Kampf gegen Schlecksucht

ARBON. Die Schulzahnklinik gibt es seit bald hundert Jahren. Jetzt will sie die Primarschulgemeinde privatisieren. Dokumente im Historischen Museum ermöglichen einen Blick in die Geschichte.

Hans Geisser
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Figen Akyelken, Leiterin der Schulzahnklinik und heute angestellt von der Primarschulgemeinde, soll die Institution eigenwirtschaftlich führen. (Bild: Max Eichenberger)

Figen Akyelken, Leiterin der Schulzahnklinik und heute angestellt von der Primarschulgemeinde, soll die Institution eigenwirtschaftlich führen. (Bild: Max Eichenberger)

Die Schule erwirbt 1918 die Parzelle «Solitude» am Bahndamm hinter dem Promenadenschulhaus. Ein Jahr später beginnt der Arboner Doktor Sauter in der bescheidenen Praxis sein wöchentliches Vier-StundenPensum als Schulzahnarzt. Klassenweise betreut er die Schüler, reklamiert das völlig vernachlässigte Zähneputzen, entfernt die hoffnungslosen und plombiert die schadhaften Milchzähne.

«Trostlose Trümmerfelder»

1920 vermeldet die Schule 1270 gezogene und 1600 plombierte Zähne. Sauters Pauschalhonorar beträgt 4000 Franken – pro Jahr. Bis 1939 übernimmt die Schulgemeinde sämtliche Kosten. Seither beteiligen sich auch die Krankenkassen. Den Eltern wird ebenfalls ein Anteil verrechnet. Von 1930 bis 1971 führt Marcel Armangau die Schulzahnklinik. Den Eltern wirft er in seinen Berichten mangelhafte Aufsicht vor: «Ich stosse noch und noch auf trostlose Trümmerfelder von Milchzähnen.» «Zahlreiche Gebisse sind total zerstört.» «Der Kampf gegen die Schlecksucht ist eine Daueraufgabe.» «Viele haben Angst, kommen nicht in die Praxis und schwänzen die Schule.» Armangau gibt den Kindern Zahnpulver und -bürsten ab. Er beklagt häufige Schäden wegen Rachitis, verschreibt Vitaminpillen und Ultraviolettbestrahlung. Um 1950 erhalten alle Schüler täglich vier Fluortabletten und den Pausenapfel. Während der Militärdienste im Zweiten Weltkrieg findet Armangau in Jeanne Meyer eine tüchtige Stellvertreterin.

Vollamt seit 1963

1963 übernimmt Armangau – nun im Vollamt tätig – die in der Schulanlage Stacherholz eingerichtete neue Praxis. Jeanne Meyer wirkt weiterhin zeitweise in der «Solitude», wo der Einbau eines Schnellganggetriebes mit Wasserkühlung in die alte Bohrmaschine Erleichterung für Ärztin und Patienten bringen soll.

Nach der Pensionierung der beiden folgen unstete Jahre. Mehrere Zahnärzte reichen sich nach kurzen Gastspielen die Klinke. 1979 schlägt der alten Praxis im Promenadenareal die letzte Stunde. Von 1984 bis 2012 ist Maja Meier für die Schulzahnklinik verantwortlich, nunmehr nur noch im Stacherholz.

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