Kampf dem Atomstrom geht weiter

Gemeinderat Daniel Moos betrachtet seine Motion «Kreuzlingen ohne Atomstrom» im Grundsatz als noch nicht erfüllt. Er fragte den Stadtrat, was dieser noch zu tun gedenke. Die Technischen Betriebe haben einige Pfeile im Köcher, wie die Antwort zeigt.

Urs Brüschweiler
Drucken
Teilen

KREUZLINGEN. Gemeinderat Daniel Moos lässt nicht locker. Nachdem seine Motion «Kreuzlingen ohne Atomstrom» in zwei von drei Punkten vom Stadtparlament gutgeheissen und vor drei Jahren umgesetzt wurde, bleibt er am Ball. Mitte letzten Jahres stellte der Gemeinderat der Freien Liste eine Einfache Anfrage zur Wirkung seiner Eingabe. Nach deren Beantwortung durch den Stadtrat folgte im Oktober gleich die nächste Anfrage. Diese zielte darauf ab, dass das im Grundsatz formulierte Ziel der Motion durch die Umsetzung zweier Massnahmen noch nicht gänzlich erfüllt worden sei. Dieses lautet nämlich: «Der elektrische Energiebedarf von Kreuzlingen ist rasch möglichst ohne Atomstrom zu decken.» Moos will nun wissen, welche zusätzlichen Massnahmen geplant seien und wie der zeitlich Ablauf aussehe, um die Motion zu erfüllen.

Keine Bevorzugung von Kunden

Nun hat der Stadtrat die Antwort zu dieser Einfachen Anfrage vorgelegt. Er hält darin fest, dass die Massnahmen 1 und 2 der Motion umgesetzt worden seien. Einerseits verzichte die Stadt Kreuzlingen für all ihre Liegenschaften auf den Bezug von Atomstrom. Andererseits hätten die Technischen Betriebe Kreuzlingen (TBK) ihr Grundangebot auf 100 Prozent Schweizer Wasserkraft umgestellt. Der Stadtrat weist dann aber darauf hin, dass alle Kunden, welche heute noch Kernenergie bezögen, dies mit einer aktiven Wahl so gewünscht hätten. «Eine weitere Verringerung des Anteils an Atomstrom liegt damit primär in der Verantwortung des Kunden», heisst es.

Der Stadtrat verneint die Möglichkeit, die TBK könnten aus eigenem Antrieb den verbleibenden Atomstrom-Anteil durch Wasserkraft ersetzen. «Das würde nicht dem Willen der Kunden entsprechen, die explizit die ökologisch höherwertige Stromqualität abgewählt haben.» Ausserdem wäre es den mehr bezahlenden Kunden gegenüber nicht gerechtfertigt, wenn die anderen eine unentgeltliche Aufwertung erhielten. Der Stadtrat weist überdies darauf hin, dass dies Mehrkosten für die Allgemeinheit der Strombezüger nach sich zöge. Etwa 53 000 Franken hätte dies für das Jahr 2014 gekostet.

Anderes ist zielführender

Zielführender findet der Stadtrat andere Massnahmen: Man verweist etwa auf einen Masterplan der Swisspower, einem Verbund Schweizer Stadtwerke, der auf eine ganzheitliche Betrachtung des Energiesystems fokussiere. In dieser Stossrichtung hätten die TBK etwa in die Holzschnitzelheizung am Hafenbahnhof investiert und sich an der Swisspower Renewables AG beteiligt. Dieses Unternehmen verfüge mittlerweile über ein grosses Windkraftportfolio, welches eine Jahresproduktion von nahezu 400 Gigawattstunden umfasse. Das sei rund dreimal so viel, wie die ganze Stadt Kreuzlingen jährlich verbrauche. Dadurch würde entsprechend viel Atomstrom vom Markt verdrängt.

Ebenso hätten die TBK ein wegweisendes Konzept für die Solarstrom-Erzeugung auf Mehrfamilienhäusern entwickelt oder prüften eine Beteiligung an einer Biogasanlage in Tägerwilen.

Aktuelle Nachrichten