Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kampf dem Antennen-Wildwuchs

KREUZLINGEN. Die Interessengemeinschaft Strahlungsfreies Kreuzlingen ist unermüdlich im Einsatz für einen gesundheits- und umweltverträglichen Mobilfunk. Zum 5-Jahr-Jubiläum kann die streitbare Organisation einige Erfolge vorweisen.
Urs Brüschweiler
Quartierbewohner wehren sich gegen Mobilfunkantenne: Christian Schmidt-Leser, Beat Schläpfer, Stefan Zbornik und Thomas Meier (hintere Reihe von links) sowie Lea, Mia, Rita und Nora (vordere Reihe von links). (Bild: Nana do Carmo)

Quartierbewohner wehren sich gegen Mobilfunkantenne: Christian Schmidt-Leser, Beat Schläpfer, Stefan Zbornik und Thomas Meier (hintere Reihe von links) sowie Lea, Mia, Rita und Nora (vordere Reihe von links). (Bild: Nana do Carmo)

«In Kreuzlingen wurden über 5000 Unterschriften gegen acht in Wohngebieten geplante Mobilfunkantennen zusammengetragen. Den zuständigen Stadtrat kümmert das scheinbar wenig.» So beginnt ein Leserbrief von Stefan Zbornik. Er ist der Kopf der IG Strahlungsfreies Kreuzlingen. Seit nun über fünf Jahren opponiert die Gruppe so gut sie kann und mit deutlichen Worten gegen den «Antennen-Wildwuchs» in Kreuzlingen.

Im aktuellen Fall geht es um einen Bundesgerichtsentscheid, der besagt, dass die Firma Orange auf dem Mehrfamilienhaus an der Hauptstrasse 132 einen UMTS-Sender aufstellen darf. Dieses Urteil muss die IG nun schlucken, doch man habe in den fünf Jahren auch schon einige Male gewonnen, sagt Stefan Zbornik.

Klimmzüge machen

Vor zwei Monaten beispielsweise habe das kantonale Verwaltungsgericht den Einsprechern bei der Orange-Antenne auf dem Quellenhof recht gegeben. Es habe sich um eine widerrechtliche Bewilligung gehandelt, erzählt Zbornik. «Aber die Betreiber werden sicher weitere Versuche starten.»

Seit fünf Jahren kämpft man sich von Antenne zu Antenne. «Das ist mühsam.» Solange sich an der Gesamtsituation auf politischer Ebene nichts ändere, müsse dieser Widerstand aber sein. Speziell an der ganzen Thematik ist, dass man hauptsächlich mit baurechtlichen Aspekten argumentieren muss. «Klimmzüge machen», nennt das Zbornik. «Wir müssen möglichst alle Gründe heranziehen, ausser dem Gesundheitsschutz, der gilt gemäss der aktuellen Gerichtspraxis nämlich wenig.» Verleidet ist den über 80 Mitgliedern der IG diese Sisyphos-Arbeit nicht. «Es ist nicht zuletzt die eigene Betroffenheit, die einen weitertreibt.»

Information und Aufklärung

Begonnen hat es vor fünf Jahren mit einem Baugesuch für eine Mobilfunkantenne beim Blauhausplatz, in der Nähe von Zborniks Wohnung. Er erhielt einen Anruf aus der Nachbarschaft. Er kenne sich doch aus, als studierter Nachrichtentechnikingenieur. Übers Wochenende schaute er sich die Unterlagen an und kam zum Schluss: «Da stimmt etwas nicht.» Der Grundgedanke der IG war geboren. Seither erhält Zbornik Anrufe von Betroffenen bei Baugesuchen und gibt ihnen Hilfestellung, wenn sie in Gruppen Unterschriften sammeln wollen.

Rechtsmittel ergreift die IG aber nicht selber. Dies machen die betroffenen Anwohner persönlich, und sie tragen auch die Kosten, die IG unterstützt sie nur in ihrem Kampf. Information und Aufklärung ist denn eigentlich der wichtigste Aspekt der Arbeit der IG.

Einer muss den Kopf hinhalten

«Wir wollen den Leuten nicht ihr Handy wegnehmen», sagt Zbornik. Man will aufzeigen, dass technische Möglichkeiten bestehen, die Mobilfunk gesundheitsverträglicher machen, und sei es nur, indem die Masten ausserhalb von Wohngebieten gebaut werden.

Aber auch auf innovativere technische Konzepte setzt man grosse Hoffnungen. Natürlich treffe man damit nicht überall auf Verständnis, aber die Reaktionen seien alle «noch im grünen Bereich». Dass meist nur er im Fokus der Öffentlichkeit steht, weiss Zbornik. «Einer muss den Kopf hinhalten, es sind aber viele, die im Hintergrund arbeiten.»

Tabuthema

Von den politischen Verantwortlichen höre man öfters, dass alles nicht so schlimm sei, so lange die Grenzwerte eingehalten sind. Dass die zu hohen Grenzwerte von der Politik nicht kritisch hinterfragt werden, könne und wolle die IG nicht akzeptieren. Zbornik sagt, Mobilfunk und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken seien eines der letzten Tabuthemen der Gesellschaft. Da jeder ein Handy will - mitunter als Freizeitbeschäftigung - halte man den Deckel drauf bei kritischen Tönen.

Doch weil immer mehr Politiker in der Schweiz selber von den Auswirkungen betroffen seien, zeichne sich langsam eine Änderung in dieser Haltung ab.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.