Kaffeepause

Betreuung in einer schwierigen Situation Ich bin ausgebildete Sozialpädagogin und für den «Kompass» in Bischofszell tätig. Seit meinem Eintritt in die Industriewerkstatt vor sechs Jahren bin ich Gruppenleiterin und inzwischen auch stellvertretende Abteilungsleiterin.

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Katrin Huter (40) Mitarbeiterin von «Kompass Arbeitsintegration» in Bischofszell. (Bild: st)

Katrin Huter (40) Mitarbeiterin von «Kompass Arbeitsintegration» in Bischofszell. (Bild: st)

Betreuung in einer schwierigen Situation

Ich bin ausgebildete Sozialpädagogin und für den «Kompass» in Bischofszell tätig. Seit meinem Eintritt in die Industriewerkstatt vor sechs Jahren bin ich Gruppenleiterin und inzwischen auch stellvertretende Abteilungsleiterin. Ich arbeite gerne hier, weil es eine abwechslungsreiche Tätigkeit ist und ich tagtäglich mit zahlreichen Menschen in Kontakt komme. Zudem gefällt mir, dass ich auch administrative Aufgaben habe.

Um den Job ausüben zu können, sind eine gute Sozialkompetenz und psychologisches Einfühlungsvermögen nötig, denn die Leute, die hier bei uns sind, befinden sich alle in einer Krisensituation.

Das Spektrum der Arbeiten, die von der Industriewerkstatt ausgeführt werden, reicht vom Konfektionieren über das Verpacken von Produkten und Etikettieren bis hin zur Trennung von Werkstoffen. Auftraggeber sind meist Betriebe aus der Region. In der Industriewerkstatt werden derzeit 60 Leute beschäftigt; zwei Drittel davon sind Männer.

Als Gruppenleiterin führe ich die mir anvertrauten Personen in ihre Arbeit ein und betreue sie, wenn es zum Beispiel um eine Bewerbung oder den Kontakt mit einer Behörde geht.

Findet jemand eine Stelle, dann bin auch ich erleichtert und freue mich mit. Manchmal sind damit auch gemischte Gefühle verbunden. Dann nämlich, wenn uns ein Teilnehmer verlässt, der mir ans Herz gewachsen ist.

Traurig stimmt es mich, wenn ich sehe, dass sich jemand bemüht, aber aus irgendeinem Grund den Anforderungen nicht genügt. Mit 100 Absagen leben zu müssen, ist frustrierend. Es gibt vier Hauptgründe für eine erfolglose Stellensuche: das Fehlen einer abgeschlossenen Berufsausbildung, eine beeinträchtigte Gesundheit, mangelnde Deutschkenntnisse und das Alter; erfahrungsgemäss wird es ab 50 bereits schwierig. Notiert: st