Kämpfer für Gerechtigkeit

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Romanshorn Ein ehemaliger Regierungsrat sowie die Tochter und ein Neffe würdigten Rudolf Schümperli im Museum.

Neben Sonderausstellungen veranstaltet das Museum am Hafen immer wieder Themenabende zu Romanshorner Persönlichkeiten oder Ereignissen. Dieses Mal stand Rudolf Schümperli (1907– 1990) im Zentrum. Er war Sekundarlehrer, Gemeinderat, Nationalrat und Regierungsrat.

Tochter Reni Huber-Schümperli schilderte ihren Vater als Familienmenschen, erzählte vom gemeinsamen Abwasch, von Zeltferien im Tessin, vom einfachen Leben und seiner Liebe zum Faustball. Er habe seine Kinder aber auch zu Höchstleistungen angespornt, und nur für die Höchstnoten habe es – eher widerwillig – einen Batzen gegeben. Sie habe ihren Vater als gewieften, fundierten Debattierer in Erinnerung, politische Diskussionen seien alltäglich gewesen. Der Vater sei eine liebevolle, prägende Persönlichkeit gewesen, habe Gerechtigkeit und Korrektheit über alles gestellt.

Neffe und Schüler Arne Engeli erlebte «Onkel Ruedi» als aufgeschlossenen Sekundarlehrer. Früh habe sich Schümperli als SP-Mitglied engagiert, und er gehörte 1935 zu den Mitbegründern des Escherbundes, einer religiös-sozialistischen Bewegung, die nicht zuletzt auch die damals drängende Gefahr durch den Nationalsozialismus thematisiert habe. Engeli warf auch einen Blick auf den Nationalrat Schümperli. Dieser sei als Mitglied der aussenpolitischen Kommission bei der Aushandlung des Washingtoner Abkommens beteiligt gewesen, und er habe grossen Mut bewiesen bei der Aufdeckung eines massiven Steuerbetrugs eines bekannten Oberthurgauer Industriellen.

Der ehemalige SP-Regierungsrat Ulrich Schmidli erinnerte sich an Schümperlis «Wochenrückblick für Auslandschweizer» am Radio. Seine Sprache habe ihm imponiert: treffend und differenziert, trotzdem verständlich und nie verletzend. Seine Überzeugungskraft habe er als Vorsteher des Baudepartements bei zahlreichen Strassen-, Hochbau- und Gewässerschutzprojekten unter Beweis gestellt. Als Erziehungsdirektor sei er für das neue Kantonsschulkonzept verantwortlich gewesen und habe sich erfolgreich für die Lohngleichstellung von Lehrerinnen und Lehrern eingesetzt. (rm)