Justitias Pendel

Der Chretzer hat sich über die vergangenen Tage an einem Satz festgebissen wie an einem Angelhaken. Im Interview sagte der werdende Ex-Richter: «Die Gesellschaft hat zunehmend Mühe, Menschen Fehler zu verzeihen.

Chretzer
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Der Chretzer hat sich über die vergangenen Tage an einem Satz festgebissen wie an einem Angelhaken. Im Interview sagte der werdende Ex-Richter: «Die Gesellschaft hat zunehmend Mühe, Menschen Fehler zu verzeihen.» Er erklärte damit die Kritik an den milden Strafen für Diebe oder Schläger, die er im Laufe der Zeit ausgesprochen hatte, weil er Verständnis für menschliche Schwächen hat. Der Chretzer möchte nun seinerseits für die Kritiker um Verständnis werben. Zum einen glaubt er nicht, dass man Missetätern früher leichter verziehen hat. Die Geschichten von jungen Leuten, die wegen «Liederlichkeit» früher administrativ versorgt wurden, hat er gerade in der Zeitung gelesen. Zum anderen setzt Verzeihung Reue und Entschuldigung voraus. Nur dann jedenfalls schafft es der Chretzer, statt mit dem Opfer mit dem Täter mitzufühlen. Der Fischer, der ihn erwischt, soll wenigstens bohrenden Hunger und Respekt für seine Mahlzeit haben.