Jugendstilvilla sucht Bewohner

ARBON. Seit einem Jahr steht das Burkhardt-Haus leer. Der letzte Mieter hatte die Zinsen nicht bezahlt. Jetzt will die Stadt wieder Leben im Gesamtkunstwerk «zur Sonnenblume», das ihr 2006 vermacht worden war. Abgewunken hat die Bürgergemeinde.

Max Eichenberger
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Gesamtkunstwerk: Die im Jugendstil erbaute Villa Burkhardt mit den typischen Sonnenblumen-Motiven. (Bild: Max Eichenberger)

Gesamtkunstwerk: Die im Jugendstil erbaute Villa Burkhardt mit den typischen Sonnenblumen-Motiven. (Bild: Max Eichenberger)

Regisseur Thomas Koerfer war von der Aura des Hauses mit den überall wiederkehrenden Ornamenten und Sonnenblumenmotiven derart angetan, dass er darin die Innenaufnahmen zur Verfilmung von Robert Walsers Roman «Der Gehülfe» drehte.

Jugendstil-Gesamtkunstwerk

Das Haus zur Sonnenblume an der Römerstrasse steht exemplarisch für ein Gesamtkunstwerk des Jugendstils. Es gilt landesweit als eines der wichtigsten Zeugen dieser Epoche – vergleichbar mit dem Kirchner-Haus in Davos. Hier, im Haus und Atelier des Fotografen und Malers Max Burkhardt, haben Kunst und Leben unter einem Dach stattgefunden. 1994 für 1,5 Millionen Franken restauriert, fiel 2006 die Künstlervilla – nach dem im Testament bekundeten Willen der Erben – an die Stadt Arbon.

Rechtshilfebegehren gestellt

Pech hatte die Stadt mit dem letzten Mieter. Er hatte die Miete nicht mehr bezahlt, worauf die Stadt ihm deswegen kündigte. Er setzte sich ins Ausland ab. Die aufgelaufenen Mietzins-Rückstände belaufen sich auf einige tausend Franken. Die Stadt, so Vizestadtammann Patrick Hug, habe zwar ein Rechtshilfebegehren gestellt, betrachte das Mietzinsguthaben jedoch als «abgeschrieben».

Seit dem Frühsommer hat die zuständige Abteilung der Stadt die Jugendstilvilla 29 Mietinteressenten gezeigt, darunter einige sehr ernsthafte. Die Stadt will bald zu einem Abschluss kommen. Es sind allerdings noch Fragen offen.

Noch Verhandlungssache

Die Höhe des Mietzinses ist noch Verhandlungssache. Auf ImmoScout 24 ist ein Bruttozins von 3300 Franken aufgeführt. «Möglicherweise müssen wir noch etwas nachgeben», räumt Hug ein. 1994 war das Haus für 1800 Franken vermietet worden. Inzwischen liess die Stadt Maler- und Renovationsarbeiten ausführen. Weitere Investitionen werden auf 30 000 Franken geschätzt. «Darum wollen wir eine Mindestmietdauer im Vertrag festschreiben», sagt Hug.

Kostet im Unterhalt

So schön die Liegenschaft mit dem Gartenensemble sei: der Unterhalt des Baudenkmals erfordere doch «einen gehörigen Aufwand». Darum hat Hug in Verhandlungen mit Bürgerpräsident Alfred Näf, bei denen es zentral um eine mögliche Abtretung des Rathauses an die Bürgergemeinde ging, beiläufig auch das Haus «zur Sonnenblume» als disponibel auf den Tisch gebracht – dabei aber Zurückhaltung gespürt.

Bürgergemeinde winkt ab

«Die Bürgergemeinde ist an einem schwer vermietbaren Objekt», wie es die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission dargestellt habe, «nicht interessiert», stellt Näf klar. Die Bürgergemeinde besitze kein Gewerbeland für einen allfälligen Abtausch. «Und die restlichen Freiflächen an Gewerbeland in der Salwiese werden nur im Baurecht direkt an Gewerbetreibende abgegeben.»

Beim Rathaus hingegen sei die Bürgergemeinde bereit für eine weitere Gesprächsrunde – frühestens aber im April. Die Prioritäten liegen bei ihr anders. Denn vorgängig müsse sie den genauen Investitionsbedarf für die Umnutzung der Villa Spengler an der Berglistrasse ermitteln. In der ehemaligen Arztvilla will die Bürgergemeinde Altersplätze schaffen.

Birgt Geschichte: Wohnzimmer vor der Restaurierung 1994. (Bild: Denkmalpflege des Kantons Thurgau)

Birgt Geschichte: Wohnzimmer vor der Restaurierung 1994. (Bild: Denkmalpflege des Kantons Thurgau)

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