Jubeln auf Kommando

Für die Sendung «Happy Day» suchte das Schweizer Fernsehen in Bischofszell Freiwillige, die in Schweizersholz beim Ausräumen eines Bauernhauses helfen. Vor ihrem Arbeitseinsatz brauchten sie vor allem eines: Geduld.

Brenda Zuckschwerdt
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Losmarschieren, anhalten und jubeln: Die rund 50 Helfer treffen auf der alten Thurbrücke auf Moderatorin Tanja Gutmann (rechts) und das Team des Schweizer Fernsehens. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Losmarschieren, anhalten und jubeln: Die rund 50 Helfer treffen auf der alten Thurbrücke auf Moderatorin Tanja Gutmann (rechts) und das Team des Schweizer Fernsehens. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Schweizersholz. Ausschlafen am Sonntagmorgen gilt nicht für jene, die Gutes tun wollen. So stehen sie um halb zehn Uhr morgens an der alten Thurbrücke bereit, 50 Männer, Frauen und Kinder. Sie sind dem Aufruf des Schweizer Fernsehens gefolgt, das für «Happy Day» Helfer suchte. Die Samstagabendsendung erfüllt vom Schicksal betroffenen Menschen Wünsche – unter dem Motto «Ein Dorf hilft» wird in der Sendung, die am 29. Oktober ausgestrahlt wird, Familie Indermaur aus Schweizersholz unterstützt.

Renovieren für die Zukunft

Im April 2011 kam der Familienvater bei einem Arbeitsunfall ums Leben. Seither betreibt der 20jährige Sohn Jerome den Hof fast ganz alleine, seine Schwester Camille hat gerade eine Kochlehre begonnen, die Mutter lebt zurückgezogen. Mit der Renovierung des in die Jahre gekommenen Bauernhauses soll die Zukunft der Familie gesichert werden.

Längst nicht alle, die zum Helfen gekommen sind, kennen die Familie Indermaur persönlich. Aus Schweizersholz selber seien gar nicht viele gekommen, meint eine Einwohnerin – «das finde ich schon enttäuschend». Einige Kinder sind dabei, ausgerüstet mit Hämmern. «Mami, wann kommen endlich die Fernsehleute, ich will arbeiten!»

Schauspieler haben Hunger

Mit Verspätung trifft das Team des Schweizer Fernsehens ein, dann endlich geht es los auf die alte Thurbrücke. In der Mitte treffen die Helfer «zufällig» auf Moderatorin Tanja Gutmann. Das bedeutet losmarschieren, anhalten und jubeln auf Kommando. Und das Ganze bitte noch einmal. Die ersten Mägen beginnen zu knurren, an Ideen für eine Alternative mangelt es nicht: «Jetzt im <Muggensturm> Zmittag essen, und Röbi Koller zahlt – das wär's doch.»

Statt eines Gourmetmenus gibt es aber nur eine Packung Chips und ein paar «Farmer», als die Helfer auf dem Bauernbetrieb in Entetswil eintreffen. Der Hofhund lässt sich den Bauch kraulen, die Schweine beobachten verwundert das Treiben auf dem Hof. Dann sollen alle Helfer einmal in einen Wohnwagen rein und wieder raus – darin wird die Familie die nächsten zwei Wochen wohnen. Also wieder warten und dann rauskommen auf Kommando – ohne in die Kamera zu schauen und hoch motiviert bitte schön.

Hundert Hände zerlegen Böden

Die ersten Helfer werden ungeduldig. «Mached vürschi», ruft einer. «Wir dachten, wir sollen hier helfen», sagt ein anderer. Dann endlich geht es los: Hundert Hände helfen beim Ausräumen, zerlegen Böden, durchbrechen Wände. Und sind zufrieden darüber, was sie geleistet haben. Nun wird renoviert. Am 18. September soll die Familie wieder einziehen – in ein frisch renoviertes Zuhause.

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