Joos hat keine schlaflosen Nächte

AMRISWIL. Dominik Joos hat seinen Rücktritt als Präsident von Volley Amriswil angekündigt. Er reagiert damit auf eine wachsende berufliche Herausforderung. Noch ist offen, wie seine Nachfolge geregelt sein wird.

Rita Kohn
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Unter der Leitung von Dominik Joos erlebte Volley Amriswil erfolgreiche Momente: Zwei Meistertitel und zwei Cupsiege. (Bild: Maya Mussilier)

Unter der Leitung von Dominik Joos erlebte Volley Amriswil erfolgreiche Momente: Zwei Meistertitel und zwei Cupsiege. (Bild: Maya Mussilier)

«Ich verlasse kein sinkendes Schiff», sagt Dominik Joos. Im Gegenteil. Wenn er im Sommer sein Amt als Präsident von Volley Amriswil niederlegt, übergibt er seinem Nachfolger – oder seiner Nachfolgerin – ein leistungsfähiges Konstrukt. Nicht nur, dass Coach und Team auf dem Spielfeld Höchstleistungen zeigen, auch der Vereinsvorstand will in weitgehend unveränderter Zusammensetzung weiterarbeiten. Und finanziell sei der Verein auf einem guten Weg.

«Für mich ist das der richtige Zeitpunkt, um mich zurückzuziehen», sagt Dominik Joos, der den Club nicht in einer Krisensituation hätte verlassen wollen. Tatsächlich stehen die NLA-Herren gut da: Nach einem verhaltenen Start in die neue Saison hat sich das Team sukzessive gesteigert und konnte sich in der Qualifikationsrunde den zweiten Platz sichern. Damit bleibt die Chance auf einen Spitzenplatz in der Meisterschaft gewahrt. Ebenso wie im Cup: Am kommenden Sonntag tritt das Team in Lausanne zum Halbfinal an. «Die Spieler haben mir zum Abschied einen Pokal versprochen», sagt Joos mit einem Augenzwinkern.

Professionellere Strukturen

Seit Dominik Joos das Präsidium von Volley Amriswil vor sechs Jahren übernommen hat, haben sich die Vereinsstrukturen spürbar verändert. Er sagt: «Wir haben uns professionalisiert.» Dieser Prozess sei aber noch nicht abgeschlossen. Eine Analyse der Situation zeige, dass als nächster Schritt die feste Anstellung eines professionellen Geschäftsführers angezeigt sei. Das könnte das künftige Präsidium des Vereins auch spürbar entlasten.

Wie genau Volley Amriswil ab dem 1. Juli geführt wird, hängt massgebend davon ab, wer in die Fussstapfen von Dominik Joos tritt. Denkbar sei sowohl eine Einzelperson als auch ein Co-Präsidium, sagt Joos. Es sei auch möglich, den Vorstand zu erweitern und Aufgaben anders zu verteilen. «Je nachdem, wie viel Zeit und welche Präferenzen der neue Präsident mitbringt, kann das Amt neu gestaltet werden.»

Richtigen Weg eingeschlagen

An der ersten Sitzung seit Bekanntgabe seines Rücktritts hat Dominik Joos mit dem Vorstandsteam über mögliche Kandidaten gesprochen. «Noch haben wir niemanden konkret angefragt, das wird jedoch in nächster Zeit geschehen.»

Zu den strategischen Entscheiden während seiner Amtsdauer kann Dominik Joos auch heute noch stehen. «Wir haben hier den richtigen Weg eingeschlagen», zeigt sich der scheidende Präsident überzeugt. Wenn er Entscheide bereut – oder sie zumindest heute anders fällen würde –, handelt es sich um personelle Entscheide.

Den Entscheid, mit einem sehr jungen und ganz neu zusammengesetzten Team in die Saison zu starten, bereut Dominik Joos hingegen nicht. «Ich war überzeugt, dass Dario Bettello die Fähigkeit hat, das Potenzial der Mannschaft zu erkennen und es abzurufen.» Der Erfolg des Teams gibt dem Präsidenten recht.

Dominik Joos hofft, dass das Team den Einzug in den Cupfinal schafft. Schlaflose Nächte hat er deswegen aber nicht. «Schlaflose Nächte haben mir jeweils eher die Wochen vor Saisonstart bereitet, wenn es darum ging, die richtigen personellen Entscheide zu fällen», bekennt er.

Volleyball lieben

Wird man Dominik Joos auch nach seinem Rücktritt Ende Juni in der Sporthalle Tellenfeld antreffen? «Ich denke schon», sagt er mit einem Lachen. Schliesslich bleibe er dem Amriswiler Volleyball verbunden, auch wenn er die Vereinsleitung abgebe.

Der Rücktritt sei ein Entscheid der Vernunft gewesen. «Ich bin nun Anfang 50. Und die Batterien sind nicht endlos. Ich möchte in den nächsten Jahren mit meiner Firma noch einige neue Projekte lancieren, uns weiterentwickeln und am Markt weiterhin erfolgreich agieren. Hier will ich meine unternehmerische Verantwortung wahrnehmen und wenn möglich auch einer nachfolgenden Generation ein innovatives und qualitätsorientiertes Unternehmen übergeben können. Wir feiern bald das 20jährige Bestehen, aber wie heisst es doch so schön: Wer rastet, der rostet.»

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