Job mit Sonne und Seesicht

BOTTIGHOFEN. Sie arbeiten dort, wo andere ihre Freizeit verbringen: Silvia und Rolf Haberthür führen im elften Jahr den Badi-Kiosk im Röösli in Bottighofen. Ende Saison möchten sie diesen in neue Hände geben.

Hana Mauder Wick
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Rolf und Silvia Haberthür: Nach ihrer elften Saison gehen die «guten Seelen» des Badikioskes in Pension. (Bild: Nana do Carmo)

Rolf und Silvia Haberthür: Nach ihrer elften Saison gehen die «guten Seelen» des Badikioskes in Pension. (Bild: Nana do Carmo)

Ihre Tage beginnen früh. Sehr früh. Pünktlich um 5.30 Uhr sieht Silvia Haberthür während der Hochsaison auf dem Badi-Areal nach dem Rechten. «Wir machen alles, ausser den Rasen mähen», erklärt ihr Mann Rolf Haberthür. Seit elf Jahren ist Silvia Haberthür, später mit Unterstützung ihres Mannes, die «gute Seele» des Badi-Kioskes.

«Als ich damals hörte, dass die Gemeinde jemanden für diesen Posten sucht, dachte ich: das mache ich doch mit links!» Bei der Erinnerung muss die Kioskbetreiberin schmunzeln.

Immerhin brachte die Mutter von fünf Kindern ausreichend Erfahrung mit: Jahrelang hatte sie die Kantine des Kreuzlinger Seminars geführt. «Es stellte sich rasch heraus, wie anspruchsvoll der Job ist.» Jahr für Jahr von Mai bis etwa Ende September wird hier geputzt, gekocht, gegrillt und gebrutzelt. An die 2000 Badegäste pro Tag sind keine Seltenheit. «Da müssen wir zu viert ran», erklärt das seit 47 Jahren verheiratete Ehepaar. «Sonst ist der Ansturm nicht zu bewältigen.»

Alle Hände voll zu tun

Noch bis zur letzten Saison zählte das Bewirtschaften des Parkplatzes zum Pflichtenheft der Haberthürs. Tatkräftige Unterstützung fanden sie unter anderem in den Reihen der eigenen Familie.

Der Schwiegersohn packt an den Wochenenden mit an, und die Tochter und die Enkel haben es sich längst zur Gewohnheit gemacht, die schönen Sommertage am See zu verbringen. «Ich kann die Hände nicht einfach in den Schoss legen», meint Silvia Haberthür. «Auch ausserhalb der Saison sind wir immer beschäftigt.

» Trotzdem möchten die beiden Kreuzlinger künftig kürzertreten. «Wir sind 65 und 68 Jahre alt. Da spürt man die Anstrengung schon in den Knochen», sagt Rolf Haberthür. Allerdings räumt er ein: «Wenn ich gewusst hätte, dass die Gemeinde den Parkplatz neu per Automat bewirtschaftet, wären wir vielleicht länger geblieben.» So warten die beiden gespannt auf die Kioskanwärter, die seitens der Gemeinde zwecks Einarbeitung geschickt werden sollen.

Nicht nur eitel Sonnenschein

Nach elf Jahren nehmen die Haberthürs viele schöne, aber auch weniger angenehme Erinnerungen mit ins emotionale Handgepäck. Etwa an jene Saison, als sie den Elektrozaun entlang des Ufers zu spät aufspannten. «Wir hatten an die 70 Schwäne an Land. Sie alle bettelten um Futter. Das war für die Badegäste eine Zumutung», erinnert sich Rolf Haberthür.

Die Kioskbetreiber mussten lernen, mit Lob und Tadel umzugehen. «Manchmal, wenn die Wiese voll und die Schlange vor dem Kiosk lang ist, schlagen gefühlsmässig die Wellen hoch», sagt Silvia Haberthür. Ungerechtfertigte Kritik steckt sie mittlerweile mit einem Achselzucken weg. Und wenn ihr jemand frech kommt, bietet sie verbal Paroli. «Die schönen Momente überwiegen», ist sich das Kiosk-Paar einig. Vielleicht einmal abgesehen von der «Grillputzete» jeden Abend. «Das mache ich am wenigsten gern», räumt Silvia Haberthür ein.

Ehrensache, dass sie ihn trotzdem bis zur letzten Schraube sauber schrubbt. «Ich gehe nicht, bevor alles wieder glänzt», sagt sie mit Stolz in der Stimme. Ob sie die Badi vermissen wird? «Ich glaube schon. Aber ich werde wiederkommen. Mit einem Badetuch über der Schulter und ganz viel Zeit, um auf den See hinauszuschauen.»