Jetzt soll neu angerichtet werden

ARBON. Der Stadtrat hat über die Zukunft der städtischen Gastrobetriebe entschieden – dies aber noch nicht kommuniziert. Mit der St. Galler PSG soll ein Grosser einsteigen. Für die Pächter ist die Zukunft seit längerem eine Hängepartie.

Max Eichenberger
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Restaurant Panorama im Seepark: Die Ära Brühwiler wird wohl Ende September zu Ende gehen. (Bild: Max Eichenberger)

Restaurant Panorama im Seepark: Die Ära Brühwiler wird wohl Ende September zu Ende gehen. (Bild: Max Eichenberger)

Im August 2014 hatte der Stadtrat angekündigt, die Pacht aller sechs städtischen Gastronomiebetriebe neu auszuschreiben. Weil ein neues Gastrokonzept im Busch war und die Stadt signalisiert hatte, die Betriebe unternehmerischer ausrichten zu wollen, war zuvor schon unter den Pächtern Verunsicherung aufgekommen. Am Dienstag will die Stadt nun informieren.

Kein Einheitsbrei gewünscht

Im Parlament war das Ausschreibungsprozedere als undurchsichtiges Geschäft bezeichnet worden. Die Stadt habe jeweils «nur häppchenweise informiert» und langjährige Pächter vor den Kopf gestossen, sagte etwa Luzi Schmid im Februar. Die Art und Weise des Vorgehens lasse «die Wertschätzung gegenüber den Pächtern vermissen», kritisierte Jacob Auer.

Beauftragt mit der Neuverpachtung hatte der Stadtrat mit der Awit ein externes Unternehmen. Das wurde ebenfalls nicht gut aufgenommen. Zum Beispiel von Monika Strauss, die es zudem schade fände, wenn alle Betriebe künftig von einer Hand geführt würden. Die individuelle Küche ginge verloren, die Gastrolandschaft würde eintönig, fürchtete sie. Auch andern schlägt es auf den Magen bei der Vorstellung, wenn es kulinarischen Einheitsbrei gäbe.

Nicht städtisches Kerngeschäft

Stadtpräsident Andreas Balg hatte gesagt, am liebsten wäre ihm, wenn ein Pächter en bloc die Betriebe übernähme und selber in Eigenregie investiere. Bei Investitionen könnte über den Zins ein Ausgleich stattfinden. Die Gastronomie sei kein Kerngeschäft der Stadt. Und sie wolle selber nicht mehr drauflegen.

Die Neuausrichtung der städtischen Gastrobetriebe ist eine der Massnahmen, die aus der Aufgaben- und Leistungsüberprüfung resultierte. Mit dem neuen, mehr unternehmerisch ausgerichteten Konzept verspricht sich der Stadtrat eine Win-win-Situation: Der Stadt brächte es eine höhere Kostendeckung – das Angebot anderseits würde insgesamt verbessert. Balg spricht von einer «attraktiven Gastromeile am See».

Stadt informiert am Dienstag

Monika Strauss sitzt inzwischen in der Kommission, die sich mit dem Geschäft befasst. Den Mitgliedern ist Stillschweigen auferlegt. Am 26. Mai, so hatte dies Balg zuvor angekündigt, würde der Stadtrat entscheiden. Bislang hat er darüber jedoch noch nicht kommuniziert. Stattdessen ist aus anderen Quellen übereinstimmend zu vernehmen, in grösserem Stile käme die PSG Peter Schildknecht Gastronomie, St. Gallen, zum Zuge. PSG betreibt in St. Gallen elf Restaurants/Gastrobetriebe, unter anderem das «Marktplatz», das «Wienerberg», das «Concerto» und die «Lokremise».

Stadtpräsident Andreas Balg mochte diese Information gestern nicht bestätigen, noch dementierte er sie. Die Stadt werde am Dienstag eine Medienmitteilung verbreiten, kündigt er an. Bis dahin gelte ein Stillhalteabkommen. Und überdies: Es sei «ein mehrjähriger Prozess», bis das neue Konzept definitive Gestalt angenommen habe, sagte er noch, ehe er auf den Dienstag vertröstete. Schriftlich würden die Pächter noch informiert.

So sollen die Verträge mit den Kioskwirtschaften Hafen, Camping und Schwimmbad um ein Jahr verlängert werden. Eine Information, die das Stadthaus bestätigt. Als Leuchtturm-Betriebe gelten das Restaurant Strandbad, das Restaurant Panorama im Seepark und die Wirtschaft zum Schloss.

«Um sieben Ecken erfahren»

Der am 22. Juni verlängerte Vertrag mit Martin Brühwiler im «Seepark» läuft im September aus. Er, dem man seit langem eine Erneuerung der Infrastruktur versprochen hat, hatte früh signalisiert, noch zwei, drei Jahre weitermachen zu wollen. «Von der Stadt habe ich nichts mehr gehört. Das ist ein Trauerspiel.» Er habe wie andere auch «um sieben Ecken» vom Zuschlag für PSG gehört. Neben einem grösseren Interessenten aus dem Rheintal habe auch PSG den Betrieb angeschaut. Für Brühwiler ist klar: «Ich höre im September definitiv auf.» Eine Hängepartie ist es für die Fish&Grips GmbH, welche die erste Saison das Restaurant im Strandbad führt und auf Christine Schmidhauser-Truttmann gefolgt war. Sie hatte sich letzten Herbst, nach der Pachtneuausschreibung, ausgeklinkt. Reto Blättler hatte sich im Dezember von der Wirtschaft zum Schloss verabschiedet. Seit 1. März wirtet dort Christoph Bacher, vormaliger Pächter der «Mühle Feilen».

«Weiss nicht, wie es weitergeht»

Bachers Vertrag ist befristet: bis Ende 2016. «Ich weiss nicht, wie es weitergeht. Ich muss wohl davon ausgehen, dass es Ende 2016 für mich dann gelaufen sein wird», blickt er in eine ungewisse Zukunft. «Dabei fühle ich mich mittlerweile gut in der Region verwurzelt und die Stadt gefällt mir.» Er fände es jedenfalls schade, wenn jede Küche nicht mehr ihren eigenen Charakter hätte und es überall dieselben Chnusperli gäbe.

Nadine Lendenmann vom Strandbadrestaurant mag gar nicht über die Situation sprechen. Dort soll, sollten sich Insider-Informationen bestätigen, ebenfalls der Neue einsteigen.