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Jetzt schlägt's dreizehn

BISCHOFSZELL. Nicht alle Bischofszeller empfinden das nächtliche Läuten der Kirchenglocken als Wohltat. Einwohner haben sich an die Behörden gewandt. Ohne Erfolg: Die Glocken werden weiterhin auch zwischen 22 und 6 Uhr zu hören sein.
Georg Stelzner
Pelagius- und Johanneskirche: Einwohner haben Unterschriften gegen das nächtliche Läuten der Glocken gesammelt. (Bilder: Nana do Carmo)

Pelagius- und Johanneskirche: Einwohner haben Unterschriften gegen das nächtliche Läuten der Glocken gesammelt. (Bilder: Nana do Carmo)

«Ich bin Christin und habe Freude am Läuten von Kirchenglocken, allerdings nicht in der Nacht, wenn ich schlafen möchte», sagt Edith Rey, die an der Kirchgasse wohnt. Zusammen mit 20 anderen Einwohnern ersuchte die Klavierlehrerin die evangelische und die katholische Kirchgemeinde sowie den Stadtrat, das Schlagen der Kirchenglocken in der Zeit von zehn Uhr abends bis sechs Uhr morgens einzustellen. Zugleich machte die Gruppe auf eine dritte problematische Emissionsquelle aufmerksam: Das seit der letztjährigen Rosen- und Kulturwoche im Nagelpark installierte Alphorn.

Für Anwohner zumutbar

Die angeschriebenen Behörden zeigen zwar ein gewisses Verständnis für die Unterzeichner der Petition, bleiben in der Sache selbst aber hart. So verweist Louis Brüschweiler, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell, auf die jahrhundertealte Tradition des Glockenläutens. «Wer sich in einem Gebiet niederlässt, muss sich mit den ortsüblichen Immissionen grundsätzlich abfinden», heisst es in der schriftlichen Antwort. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass «das Glockengeläut von der überwiegenden Mehrheit der Menschen nicht als störend empfunden wird». Einen Verzicht auf die Glockenschläge würden viele Gläubige als Affront empfinden. Nicht zuletzt wegen seiner Regelmässigkeit dürfe das Läuten als zumutbar bezeichnet werden.

Kritik einer Minderheit

Im Namen der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil äusserst deren Präsident, Roman Salzmann, ebenfalls Zweifel am repräsentativen Charakter des Begehrens. Er stellt die 21 Unterschriften in Relation zu den über 200 Haushalten in unmittelbarer Nähe der beiden Kirchen. Zudem gibt Salzmann zu bedenken, dass etliche Personen das nächtliche Geläut schätzen würden und ohne diese vertrauten Klänge gar nicht mehr schlafen könnten. Auch der evangelische Kirchenpräsident beruft sich auf die christliche Tradition, die kulturhistorisch gewachsen sei.

Was das Alphorn im Nagelpark betrifft, stellt Salzmann fest, dass nur die wenigsten Besucher dem Instrument wirklich einen Ton entlockten. Abends geschehe dies inzwischen sogar nur noch sehr selten. Erfreulich sei, dass das Alphorn zu einer Belebung des Nagelparks beitrage. Der Kirchenpräsident verspricht aber, die Entwicklung im Auge zu behalten und allfällige Missbräuche zu verfolgen.

Entscheid des Bundesgerichts

Auch der Stadtrat ist nicht bereit, von den bisherigen Gepflogenheiten abzurücken und lehnt das Gesuch der Altstadtbewohner ab. Die Behörde vertritt die Auffassung, dass «die Glockenschläge der öffentlichen Uhren wie auch das Geläute ein Markenzeichen von Bischofszell darstellen und von einem Grossteil der Bewohner sehr geschätzt werden». Zudem ruft der Stadtrat einen Bundesgerichtsentscheid vom 18. Januar 2010 in Erinnerung. Dieser besagt, dass das nächtliche Läuten von Kirchenglocken nicht als Nachtruhestörung taxiert werden kann, selbst wenn einzelne Bewohner dies so empfinden.

Zurückhaltender äussert sich der Stadtrat zur Lärmbelästigung durch das Schnitzwerk «Alphorn-Imitation» im Nagelpark. Für diese Angelegenheit sei in erster Linie die evangelische Kirchgemeinde zuständig. Man werde erst bei einer Überschreitung von gesetzlich geregelten Werten beziehungsweise bei einer Missachtung der Ruhezeiten einschreiten.

Bischofszell TG - Kirchturm Johanneskirche in Bischofszell. Bild: Nana do Carmo 01.02.2012

Bischofszell TG - Kirchturm Johanneskirche in Bischofszell. Bild: Nana do Carmo 01.02.2012

Alphorn-Imitation im Nagelpark.

Alphorn-Imitation im Nagelpark.

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