Jetzt kommt der Rösslibeck

Vor einigen Jahren wollte der Rösslibeck aus Sulgen die frühere Bäckerei Knecht übernehmen – erfolglos. Nun kommt es nach dem Weggang der jetzigen Inhaber doch noch dazu.

Daniel Walt
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Edgar Ehrbar, Geschäftsführer

Edgar Ehrbar, Geschäftsführer

An der früheren Bäckerei Knecht an der Bahnhofstrasse hängt ein letzter Abschiedsgruss von Damian und Karin Marti an ihre Kunden. Sie haben die Bäckerei seit fünf Jahren betrieben, am Samstag war letzter Verkaufstag. Das Geschäft bleibt Romanshorn aber erhalten: Noch vor den Sommerferien will dort der Sulgener Rösslibeck eine Filiale eröffnen.

Zunächst ausgestochen

«Schon als das Ehepaar Knecht aufhörte, trugen wir uns mit dem Gedanken, in Romanshorn ein Geschäft zu eröffnen», sagt Edgar Ehrbar, Geschäftsführer des Rösslibecks. Damals kam es aber nicht so weit. Grund: Mit Damian und Karin Marti erhielten Interessenten den Vorzug, die ihre Backwaren vor Ort herstellten – der Rösslibeck tut dies vorwiegend in Sulgen. Als sich der Weggang Damian und Karin Martis aus Romanshorn abzuzeichnen begann, schlug die Stunde für den Rösslibeck, und es kam schliesslich zu einem Vertrag mit dem Ehepaar Knecht, dem die Liegenschaft gehört.

Ein mutiger Entscheid

1928 war es, als Edgar Ehrbars Grossvater mütterlicherseits die Bäckerei Doerr in Sulgen gründete. Bis 1995 produzierte das Unternehmen an der Schmalzgasse, dann zog es in die Rössli-Überbauung an der Bahnhofstrasse – seither ist der Betrieb als Rösslibeck bekannt. Mittlerweile beschäftigt er insgesamt rund 70 Mitarbeitende und führt neben seinem Hauptgeschäft in Sulgen bereits zwei Filialen in Amriswil sowie eine in Muolen. Als fünftes Geschäft nun also die ehemalige Bäckerei Knecht – ein mutiger Schritt in Zeiten der Wirtschaftskrise, zumal Romanshorn nicht unbedingt als prosperierender Lädeli-Standort bekannt ist und es namhafte Konkurrenz am Ort gibt. Edgar Ehrbar: «Romanshorn ist ein grosser Ort, und wir sind vom Standort an der Bahnhofstrasse überzeugt.» Wichtig für eine Bäckerei seien genügend Parkplätze in der blauen Zone, und die gebe es in jenem Bereich. Zudem setzt Ehrbar auf den bisherigen Kundenstamm der Romanshorner Bäckerei. Zur Kenntnis genommen hat er auch, dass es in der benachbarten Migros Hubzelg seit der Umgestaltung keinen traditionellen Backwarenstand mehr gibt und dass bereits einige örtliche Firmen Produkte vom Rösslibeck beziehen – dieses Standbein möchte er ausbauen.

Mit Kioskwirtschaft

Der Rösslibeck wird in Romanshorn Brot, Take-away-Produkte wie beispielsweise Sandwiches sowie Patisserie anbieten. Der grösste Teil wird laut Edgar Ehrbar mindestens zweimal pro Tag aus Sulgen angeliefert. Blätterteig-Gebäcke, Brote oder Sandwiches sollen aber teils vor Ort nachgebacken werden. Im übrigen betont Ehrbar: «Wir setzen keine Emulgatoren und Konservierungsmittel sowie nur ein Minimum an Backmitteln ein.» Eine Kioskwirtschaft mit einigen Plätzen am Fenster rundet das Angebot ab. Edgar Ehrbar lobt die speditive Art, wie die Gemeinde Romanshorn die entsprechende Bewilligung erteilt habe.

Ladenfläche vergrössern

Bevor der Rösslibeck sein Geschäft in Romanshorn mit vier Mitarbeitern, die alle bereits rekrutiert sind, eröffnet, kommt es zu einem grösseren Umbau. «Die Ladenfläche wird im Vergleich zu bisher in etwa verdoppelt», sagt Edgar Ehrbar – dafür wird ein Teil der bisherigen Backstube verwendet. Die Verantwortlichen hätten sich nach gründlichen Überlegungen dafür entschieden, selbst wenn dies mit beträchtlichen Investitionen verbunden sei, blickt Ehrbar zurück. Grund: Die Vergrösserung sei aufgrund der räumlichen Verhältnisse schon fast eine Verpflichtung. Ein grosses Gewicht will der Rösslibeck auch auf das äussere Erscheinungsbild der Bäckerei legen.

Bild: daniel walt

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