Jeremias und das Wohl der Stadt

ARBON. Die Bettagsfeier der Landeskirchen und die zweite unter dem Patronat der Stadt sind gleichentags in der Kirche Sankt Martin durchgeführt worden.

Hedy Züger
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Pfarrerin Karin Voss und ihr katholischer Amtskollege Henryk Walczak. (Bild: Hedy Züger)

Pfarrerin Karin Voss und ihr katholischer Amtskollege Henryk Walczak. (Bild: Hedy Züger)

Politiker aller Couleurs wirkten an der politischen Bettagsfeier mit. Andrea Vonlanthen hatte den Anlass in einer schlaflosen Nacht im Spital entwickelt. Jeremias habe dazu aufgerufen, sich um das Wohl der Stadt zu bemühen. 1832 sei der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag eingeführt worden, sagte Pfarrer Henryk Walczak. Früher hätten die Menschen bei Gott Schutz gesucht, sie drückten das am Gedenktag aus.

Blickwinkel ändern

Pfarrerin Karin Voss erwähnte die politische und konfessionelle Zerstrittenheit vor der Gründung des Bundesstaates 1848. Das Land sollte geeint, der Respekt vor Andersdenkenden gefördert werden. Von den Vorfahren wurde gefordert, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Sind Unglück und Leid Strafe Gottes für unrechtes Tun, oder sieht das nur menschliche Enge so? Es bestehe kein Zusammenhang zwischen dem, was ein Mensch begangen habe, und dem, was ihm zustosse, sagte die evangelische Seelsorgerin. Vom Feigenbaum ausgehend, der keine Frucht trug und umgehauen werden sollte, ging sie auf die Menschen zu: «Wie bitter, wenn langjährigen Mitarbeitern aus nichtigen Gründen gekündigt wird.» An uns liege die Entscheidung.

Dank für freiwillige Arbeit

Der Bettag habe unter den Feiertagen immer noch einen besonderen Status, er behalte seinen Wert, sagte Nationalrat Christian Lohr. Sonntage sollten immer Platz bieten, um nachzudenken: «Wir überprüfen unser Denken und Handeln, wir tun Busse für persönliches und kollektives Fehlverhalten.» Auch in Zukunft müssten sich viele Mitbewohner für das Wohl der Stadt einsetzen, erinnerte Stadtammann Andreas Balg. Er dankte für alle freiwillig geleistete Arbeit. Es sei ein Geschenk, dass sich in unserem Land die meisten Menschen zu Gott bekennen, erklärte Roman Buff. Ein Dankgebet formulierte Philipp Hofer. Bussgedanken sprach Ursula Graf aus. Keiner lebe für sich allein, sagte Riquet Heller. Zusammenwirken mache erst noch Freude. Mit dem Gebet des irischen Nationalheiligen Patrick schloss Patrick Hug die Ansprachen. Die Jugendmusikschule, Dieter Hubov und Carlo Schoeb umrahmten die Feier.