Jenseits des grünen Bereichs

HAUPTWIL. Eine unterbrochene grüne Linie am Rand der Freihirtenstrasse soll die Sicherheit der Fussgänger erhöhen. Mit der ungewöhnlichen Markierung begibt sich die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus auf Konfrontationskurs mit dem Kanton.

Georg Stelzner
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Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus, zeigt die unterbrochene grüne Linie auf der Freihirtenstrasse in Hauptwil. (Bild: Georg Stelzner)

Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus, zeigt die unterbrochene grüne Linie auf der Freihirtenstrasse in Hauptwil. (Bild: Georg Stelzner)

Als Bruno Loser aus Wittenbach mit seinem Auto kürzlich auf der Freihirtenstrasse fuhr, traute er seinen Augen nicht. Er sah auf einer Strassenseite in regelmässigen Abständen kurze, grüne Streifen und wusste nicht, was er davon halten sollte. «Grüne Markierungen sind gemäss Signalisationsverordnung nicht möglich», glaubt Loser zu wissen. «Es handelt sich um eine unzulässige Massnahme, die verunsichert.» Loser und vermutlich auch andere auswärtige Verkehrsteilnehmer fragen sich seit mehreren Wochen, was die grünen Striche bezwecken.

Sicherheit auf Schulweg

Die Freihirtenstrasse ist eine Gemeindestrasse und verbindet das Dorf Hauptwil mit dem Weiler Freihirten. Benützt wird sie nicht nur von Spaziergängern, sondern auch von Schulkindern. Deren Sicherheit erachtete die Volksschulbehörde Bischofszell als nicht mehr gewährleistet, wie Schulpräsident Felix Züst erklärt.

«Das Problem auf diesem Strassenabschnitt ist die Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge», sagt Züst. Die Sicherheit auf dem Schulweg sei ein Thema, das allen Eltern besonders am Herzen liege. Die Schulbehörde habe nicht zuwarten wollen, bis sich ein Unfall ereignet. Sie habe sich deshalb an die politische Gemeinde gewandt mit dem Ersuchen, etwas zur Erhöhung der Sicherheit zu unternehmen.

Optische Trennung

Der Gemeinderat Hauptwil-Gottshaus hatte für das Anliegen der Volksschulbehörde ein offenes Ohr. Er bekundete Verständnis für die Ängste der Eltern und ordnete besagte grüne Markierung an. «Es ist der Versuch einer optischen Trennung, da Fussgängern kein Trottoir zur Verfügung steht», erklärt Gemeindepräsident Matthias Gehring.

Eine solche unterbrochene grüne Linie ist aber nicht zulässig, wie Andreas Gsell vom kantonalen Tiefbauamt (Abteilung Planung und Verkehr) betont. «Erlaubt ist ein 40 bis 60 Zentimeter breites, farbiges Band zur optischen Verengung der Fahrbahn», sagt er. Auf der Freihirtenstrasse gibt es auch ein derartiges Band, jedoch nur innerorts. Laut Gehring hat man aus Kostengründen darauf verzichtet, den Streifen bis Freihirten zu verlängern.

Rasch und kostengünstig

«Der Gemeinderat hat eine einfache, pragmatische Lösung gesucht, um die Sicherheit rasch und kostengünstig erhöhen zu können», verteidigt Gehring die Massnahme. Zusätzlich würden noch entsprechende Tafeln aufgestellt. Der Bau eines Trottoirs wäre eine unverhältnismässig teure Variante. Dass der Kanton nun am Vorgehen der Gemeinde Anstoss nimmt, ist für Gehring nur schwer nachvollziehbar: «Diese Linie tut niemandem weh, und sie kollidiert auch mit keinen anderen Interessen.»

Prüfung durch Kanton

Diese Argumentation überzeugt in Frauenfeld nicht. «Wir werden uns das in der Arbeitsgruppe für Verkehrsanordnungen ansehen und den Sachverhalt genau prüfen», kündigt Andreas Gsell an. Denn eines ist für ihn sonnenklar: «Was in Hauptwil gemacht wurde, entspricht nicht den Vorgaben!» Der Kanton habe eine Aufsichtspflicht und müsse verhindern, dass es zu einem Wildwuchs kommt.