«Jeder ist ersetzbar»

Nachgefragt

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Herr Netzle, Sie sagen, Ihr Ziel wären eigentlich drei Legislaturen gewesen. War für Sie immer klar, dass Sie nicht bis zur Pensionierung Stadtpräsident bleiben werden?

Die drei Legislaturen habe ich mir vorgenommen, weil ich der Meinung bin, dass man ein solches Amt nicht zu lange ausüben sollte. Man darf nicht in Routine verfallen und neue Ansichten und Ideen tun einer Stadt irgendwann auch gut.

Und doch gehen Sie nun früher als geplant.

Ja. Wenn sich einem eine gute Gelegenheit bietet, muss man abwägen und für sich Prioritäten setzen. Gerade in meinem Alter bekommt man eine solche Chance nicht mehr so häufig.

Noch vor zwei Jahren argumentierten Sie, man solle Sie wieder wählen, um die Kontinuität im Stadtrat zu gewährleisten. Besteht diese jetzt?

Das Gremium muss Abgänge aushalten können. Es setzt sich rollend immer wieder neu zusammen. Jeder ist ersetzbar. Das ist ein ganz normaler Vorgang.

Kann der Stadtrat also die bevorstehende mehrmonatige Vakanz verkraften?

Vizestadtpräsidentin Dorena Raggenbass wird in der Übergangsphase zusätzliche Aufgaben übernehmen. Dann müsste sie in ihrem eigenen Departement etwas kürzer treten. Denkbar wäre auch eine temporäre Pensen­erhöhung. Ich bin überzeugt, dass der Stadtrat absolut handlungsfähig bleiben wird. Ausserdem gewährleistet ja die Verwaltung den Betrieb. Der Stadtrat fällt nur strategische Entscheide.

Wenn Sie im Sommer gehen und Ihr Nachfolger das Amt erst nächstes Jahr antreten kann, ist eine geordnete Übergabe gar nicht möglich. Ist das nicht ein Handicap?

Mein Vorgänger hat mir damals das Büro gezeigt und die Schlüssel in die Hand gedrückt. Das war okay. In eine Führungsposition muss man sich on the job einarbeiten können. Die begleitete Einarbeitungszeit wird überschätzt. Wie gesagt: Für die Kontinuität sorgt die Verwaltung.

Hat die nur knapp gewonnene Stadthaus-Abstimmung etwas mit Ihrem Rücktritts-entscheid zu tun?

Nein, ganz im Gegenteil: Dieser Erfolg wäre ein Grund, zu bleiben. Aber nun kann mein Nachfolger das gesamte Projekt begleiten, von der Projektierung bis zur Fertigstellung in vier Jahren. Es wäre ungünstiger gewesen, wenn ich in zwei Jahren mittendrin aufgehört hätte.

Was Ihren neuen Job betrifft, geben Sie sich bedeckt. Bleiben Sie Kreuzlingen treu?

Nur so viel: Ich bleibe in Kreuzlingen wohnen. (meg)