Jedem Baby sein eigenes Buch

Bemühungen, Kinder und Jugendliche zum Lesen zu animieren, gibt es bereits. Jetzt sollen sich auch Babies mit Büchern befassen. Die Bibliothek Bischofszell findet die Idee gut und beteiligt sich am nationalen Projekt «Buchstart».

Georg Stelzner
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Begutachten das neue Angebot: Bibliotheksleiterin Elisabeth Geisser (rechts) und Elvira Meier. (Bild: Georg Stelzner)

Begutachten das neue Angebot: Bibliotheksleiterin Elisabeth Geisser (rechts) und Elvira Meier. (Bild: Georg Stelzner)

BISCHOFSZELL. Elisabeth Geisser, Leiterin der Bibliothek Bischofszell, kann verstehen, wenn Leute den Kopf schütteln. Kleinkinder und Bücher! Welchen Sinn soll das denn haben? «Das Projekt <Buchstart> möchte Eltern dafür sensibilisieren, die Sprach- und Wahrnehmungsfähigkeit ihres Kindes auf spielerische Weise zu fördern und positiv zu beeinflussen», erklärt die Fachfrau.

Dieser Aspekt der Kindererziehung sei bisher stark vernachlässigt oder unterschätzt worden – sei es aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis. Gezeigt habe sich dies unter anderem in der kaum vorhandenen Nachfrage nach entsprechenden Büchern, was wiederum dazu geführt habe, dass man bei der Anschaffung bisher sehr zurückhaltend gewesen sei.

Nachhaltige Wirkung erzielen

Mit der Beteiligung am Projekt «Buchstart» wird diese Lücke im Angebot der Bibliothek Bischofszell nun geschlossen. «Wir haben die Bücher teils käuflich erworben, teils werden sie uns aber auch von der Stiftung Bibliomedia Schweiz geliehen», erklärt Elvira Meier, die stellvertretende Bibliotheksleiterin. In einem Raum werde das altersspezifische Angebot jetzt gut sichtbar präsentiert.

Mit Werken für Jugendliche oder Erwachsene sind diese Bücher nicht zu vergleichen, spielt das geschriebene Wort darin doch nur eine untergeordnete Rolle. Auch in der Beschaffenheit unterscheiden sie sich erheblich von konventionellen Büchern. Die sogenannten Pappbücher sind kleinformatig, haben dicke Seiten und sind nahezu unverwüstlich. Elisabeth Geisser erklärt warum: «Ein Baby erschliesst sich die Welt des Buches nicht über den Verstand, sondern über die Sinne. Es greift nach dem Buch, betrachtet es, riecht daran und beisst vielleicht sogar hinein.

» Dadurch entwickle das Kleinkind eine erste Beziehung zum Buch. Derselbe Effekt werde erzielt, wenn Eltern gemeinsam mit ihrem Sprössling in einem Buch blättern. «Das Kind wird solche Erlebnisse als etwas Schönes und Angenehmes in Erinnerung behalten und auch in späteren Jahren nicht auf den Umgang mit Büchern verzichten wollen», sagt Elisabeth Geisser. Davon wiederum könnten auch die Bibliotheken profitieren.

Gratispaket mit Büchern

Damit möglichst viele Kleinkinder vom Projekt «Buchstart» profitieren, arbeiten die Initiatoren mit den Mütter- und Väterberatungsstellen zusammen. Suchen Eltern diese Einrichtung auf – und das tun erfahrungsgemäss die meisten –, erhalten sie kostenlos ein «Buchstart»-Paket, bestehend zwei Bilderbüchern sowie einem Buch mit Anregungen für einen lustvollen Austausch zwischen ihnen und ihrem Kind.

Zudem beinhaltet das Paket einen Gutschein für einen Ausweis, der die Eltern dazu berechtigt, in einer Bibliothek altersgerechte Bücher für ihr Kind auszuleihen. Dort erhalten sie auch weitere Anregungen für den spielerischen Umgang mit Sprache und Büchern.