ISTIGHOFEN: «Ein Funken wäre unangemessen»

Die Gemeinde Bürglen verzichtet auf das Abbrennen eines Feuers an ihrer Bundesfeier. Zu tief sitzt in der Bevölkerung noch der Schrecken nach der Brandnacht vom 19. Juli.

Hannelore Bruderer
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Auf dem Schulhausgelände gleich neben dem abgebrannten Haus in Istighofen findet die Bundesfeier statt. (Bild: Hannelore Bruderer)

Auf dem Schulhausgelände gleich neben dem abgebrannten Haus in Istighofen findet die Bundesfeier statt. (Bild: Hannelore Bruderer)

Hannelore Bruderer

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch

Mit einem Brunch am Morgen begingen die Bürgler in den vergangenen Jahren die Bundesfeier. Der Dorfverein Istighofen-Moos, der die Feier in diesem Jahr ausrichtet, hat sich für eine Abendveranstaltung entschieden – ganz traditionell mit Ansprache, Musik und Funken. Auf den Programmpunkt «21.30 Uhr, Entzünden des Funkens» wird am Dienstag nun aber verzichtet.

Mit dem Einverständnis des Grundeigentümers war geplant, den Funken auf der grossen Wiese neben dem Festplatz beim Schulhaus Istighofen abzubrennen. «Die Stelle liegt kaum hundert Meter vom Haus entfernt, das in der letzten Woche ein Raub der Flammen wurde», sagt Gemeindepräsident Erich Baumann. «Dass dort nun schon wieder ein Feuer lodert und die Feuerwehr – wenn auch nur zur Überwachung – mit einem Tanklöschfahrzeug vor Ort wäre, fanden wir unpassend. Mit dem Verzicht wollen wir unsere Solidarität mit dem Brandgeschädigten, den Anwohnern und unserer Feuerwehr bekunden», sagt er.

Ein anstrengender und belastender Einsatz

Für alle Beteiligten sei die Brandnacht anstrengend und emo­tional belastend gewesen, gibt Baumann zu bedenken. Die Feuerwehr Bürglen und die Stützpunktfeuerwehr Weinfelden standen mit über 100 Feuerwehrleuten im Einsatz. Unerwartete Hilfe bekamen sie vom Katastrophenhilfebataillon 4 der Schweizer Armee, das in jener Woche in Bürglen seinen WK absolviert hat. «Ihnen und allen anderen Beteiligten, die mitgeholfen haben, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist, dankt der Gemeinderat für den grossen Einsatz», sagt Baumann.

Ausdruck der Betroffenheit im Dorf waren die Hilfsangebote, die beim Bewohner des ab­gebrannten Hauses und bei der Gemeinde eingegangen sind. «Es kam der Vorschlag, eine Spendenaktion durchzuführen, ähnlich jener, die nach dem Brand der Schuhmacherei Mente in Weinfelden ins Leben gerufen worden war», sagt Erich Baumann. «Der Gemeinderat hätte gerne Hand geboten, und wir haben den Vorschlag dem Geschädigten unterbreitet.» Er habe sich für das Wohlwollen herzlich bedankt, verzichte aber auf eine Spendenaktion mit der Begründung, dass seine Haupterwerbsexistenz nicht bedroht sei, im Gegensatz zur Schuhmacherei in Weinfelden. «Diesen Entscheid respektieren wir natürlich», sagt der Gemeindepräsident.