INTERVIEW: «Arbon ist keine Dschihadisten-Hochburg»

Stadtpräsident Andreas Balg hält die Häufung von Dschihad-Reisenden aus seiner Stadt für Zufall. Die Zusammenarbeit mit den Ausländervereinen sei sehr gut. Bei grossen Veranstaltungen wird die Zufahrt für Lastwagen erschwert.

Ida Sandl
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Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg. (Bild: Reto Martin)

Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg. (Bild: Reto Martin)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Herr Balg, erschreckt es Sie, dass Arbon eine Schweizer Dschihadisten-Hochburg ist, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt?

Das ist etwas übertrieben. Arbon ist keine Dschihadisten-Hochburg. Es sollen lediglich einzel­ne Personen aus Arbon in den Dschihad gereist sein. Das hat mich nicht erschreckt, aber sensibilisiert.

Wussten Sie von diesen vier Arbonern?

Nein. Mir ist bisher nur ein einziger Fall bekannt, über den auch schon in den Zeitungen geschrieben wurde.

Vier Dschihad-Reisende sind viel für eine Stadt mit 14'000 Einwohnern.

Wenn es tatsächlich vier sind. Es kommt immer auch darauf an, welche Kriterien zugrunde liegen. Ich weiss nicht, wie die Zahlen in dem Artikel zustande gekommen sind.

Vom Nachrichtendienst des Bundes erhalten Sie keine Informationen?

Die national zuständigen Behörden informieren die kantonale Ebene. Zwischen der Stadt und der Thurgauer Kantonspolizei gibt es regelmässige Gespräche. Das Thema Dschihadismus liegt dabei schon seit längerem auf dem Tisch.

Was wird bei diesen Treffen besprochen?

Die üblichen Sicherheitsmassnahmen. Zum Beispiel, dass bei grösseren Veranstaltungen jetzt Betonelemente aufgebaut werden, damit kein Lastwagen unkontrolliert auf das Gelände fahren kann. Das betrifft in Arbon auf jeden Fall das Summerdays Festival und sicher auch das Seenachtfest.

Haben Sie eine Erklärung für die Häufung von Dschihad-Reisenden aus Arbon?

Eine konkrete Erklärung habe ich dafür nicht. Arbon hat eine Ausländerquote von 30 Prozent, das ist relativ hoch. Ich glaube aber, dass die Häufung eher zufällig ist. Eine Person gerät in extremistische Kreise und zieht dann vielleicht andere mit.

Was kann die Stadt tun?

Wir sind schon sehr gut, was die Sicherheitsmassnahmen angeht. Ausserdem haben wir in Arbon eine ausgezeichnete Kinder- und Jugendarbeit.

Erreicht die Jugendarbeit aber auch die Jugendlichen, die dabei sind, sich zu radikalisieren?

Unsere Jugendarbeiter kommen mit den Leuten in Kontakt, die sich auf der Strasse aufhalten. Wenn sich jemand auffällig benimmt, dann kümmert man sich um ihn.

Haben Sie Kontakt zur Familie von Alperen A., dem Dschihad-Reisenden aus Arbon, über den mehrfach berichtet wurde?

Nein. Sie überschätzen die Möglichkeiten einer Stadtverwaltung. Der Dschihadismus ist keine ­Arboner Erscheinung, sondern ein internationales Thema. Wir unterstützen die nationalen und kantonalen Behörden bei ihrer Arbeit. Unsere primäre Aufgabe ist aber, die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten. Ausserdem war nur der Wohnort dieses Mannes in Arbon. Aktiv tätig war er in anderen Schweizer Städten.

Ist eine radikale religiöse Szene in Arbon bekannt?

Wir wissen jedenfalls nichts davon. Es gibt in Arbon auch keine Moschee, sondern nur einige Ausländervereine. Wir haben bisher aber nicht beobachtet, dass sich irgendwelche religiösen oder extremistischen Zentren gebildet hätten.

Ergeben sich Konsequenzen aus der Häufung von Dschihad-Reisenden?

Wir haben bereits einen intensiven Kontakt zu den Ausländer-vereinen. Es gibt das Fest der Kulturen und das Sprachencafé. Letztendlich geht es um die Integration. Das ist ein andauernder Prozess.

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