Internet-Bekanntschaft wird zum Streitfall vor Gericht

Ein 43jähriger Mazedonier soll seine Ex-Freundin aus Kreuzlingen vor drei Jahren mehrmals in einer Nacht in ihrer Wohnung vergewaltigt haben. Der Prozess musste vertagt werden.

Eva Maria Vaassen
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kreuzlingen. Vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen forderte die Staatsanwaltschaft nach Auswertung der Aktenlage drei Jahre Haft für den Mann, der ausserdem wegen Freiheitsberaubung und mehrfacher Verstösse gegen das Ausländergesetz angeklagt war. Nach Verbüssung eines Jahres sollten die restlichen zwei auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten beantragte, seinen Mandanten freizusprechen. Die Angaben des Opfers hielt er für nicht glaubwürdig.

Weil der angeklagte Mazedonier nicht zum Prozess erschienen war, vertagte sich das Bezirksgericht auf einen noch nicht bekannten neuen Termin.

In Tiefgarage aufgelauert

Das Paar hatte sich 2004 im Internet kennengelernt. Nach zwei Jahren virtueller Kontakte kam man sich näher. Zunächst besuchte die Frau den Mann in Mazedonien, danach lebte dieser für einige Monate illegal bei seiner Freundin in der Schweiz. Angeblich beendete die Frau das Verhältnis dann und reiste nach Deutschland.

Der Angeklagte wurde in Winterthur von der Polizei aufgegriffen und in sein Heimatland ausgewiesen. Von dort aus soll er die Frau laut Anklage vier Monate erfolglos um ein neues Treffen gebeten haben. An einem Oktoberabend im Jahr 2007 soll er ihr schliesslich in der Tiefgarage ihres Wohnblocks aufgelauert und sie an den Haaren aus ihrem Fahrzeug und per Würgegriff in ihre Wohnung gezogen haben.

Dort sei es dann die ganze Nacht über zu den Taten gekommen, wobei er ihr mit einem Messer und einem Hackbeil gedroht habe.

Verteidiger äussert Zweifel

Der Verteidiger des Angeklagten stellte die Aussagen der Frau in Zweifel. Sie habe bereits einen anderen Ex-Freund der Vergewaltigung bezichtigt, befinde sich in psychiatrischer Behandlung und habe bei ihren Aussagen womöglich unter Medikamenteneinfluss gestanden.

Er beantragte Nachermittlungen, eine gründlichere Aufenthaltsermittlung seines Mandanten und dessen persönliche Anhörung vor Gericht.

Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gab es keinerlei Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers. Die Angaben stünden im Einklang mit dem Spurenbild.

Über den Fortgang des Verfahrens wird das Gericht vermutlich erst im Dezember entscheiden.

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