Ins Whiskeyfass geschaut

Die Edeldestillerie Macardo präsentierte am Tag der offenen Tür ihr Können. Auge, Nase und Gaumen hat es gefreut.

Jörg Rothweiler
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Inhaber Andreas Bössow weiht die Gäste in die Geheimnisse der Holzfassreifung ein. (Bild: Jörg Rothweiler)

Inhaber Andreas Bössow weiht die Gäste in die Geheimnisse der Holzfassreifung ein. (Bild: Jörg Rothweiler)

Wo einst Käse produziert wurde, entsteht seit 2007 Hochprozentiges: In der alten Käserei von Strohwilen produziert die Edeldestillerie Macardo feinste Destillate. Und zwar aus regionalen Rohstoffen: Weinfelder Früchte für die Vieilles, Thurgauer Trester für die «Aquavite di vinaccia», Getreide von Zwicky für Vodka und Whiskey, Schweizer Schlehdorn für den SloeGin. Nur das Zuckerrohr für den Señor Rum und der Wacholder für den Sir Dry Gin werden importiert.

Wie genau die Rohstoffe in Strohwilen verarbeitet werden, ist Betriebsgeheimnis – normalerweise. Doch am Wochenende gewährte Inhaber Andreas Bössow hautnahe Einblicke – und plauderte ebenso fröhlich aus dem Nähkästchen wie Master Distiller Bartholomäus Fink.

Im Versuchskeller schlummern Rum und Co.

Zunächst zeigten sie vor und an der laufenden Destille, wie Gerstenmalz mit Hefe fermentiert und gebrannt wird. Damit aus dem so gewonnenen «New Make» echter Whiskey wird, bedarf es danach jahrelanger Lagerung. Worauf es dabei ankommt, zeigte Andreas Bössow im Versuchskeller, wo Rum, Vodka und Whiskey in Dutzenden Fässern schlummern. Am Beispiel von ­direkt aus diesen Fässern entnommenen Kostproben erfuhren die Gäste, weshalb die Fässer, das Mikroklima im Keller und die Reifezeit ebenso eminent für Qualität und Geschmack sind wie die Zutaten und der Brennprozess. Denn je nachdem, in was für einem Fass der «New Make» zur Reife kommt, schmeckt er später ganz verschieden: mollig-weich nach zwei Jahren in der neuen Weisseiche. Rauchig-herb aus dem gebrauchten schottischen Whiskeyfass. Fruchtig-süss aus dem alten Sherryfass. Gar leicht salzig aus einem über Jahre in einem Warehouse an Irlands Küste gelagerten Weinfass. Am Ende waren die Besucher fast Experten – und einer sagte lachend: «Niemand braucht Tennessee, Irland oder Schottland, solange es Thurgauer Whiskey gibt.»

Jörg Rothweiler

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch