In Romanshorn löscht das Rotlicht

ROMANSHORN. In den vergangenen zwei Jahren ist in Romanshorn die Zahl der Erotikbetriebe von neun auf drei geschrumpft. Ein Insider vermutet dahinter die Konkurrenz von grossen Nachtclubs in St. Gallen und Nachwuchsprobleme.

Michèle Vaterlaus
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Eine Prostituierte wartet auf Arbeit. (Archivbild: Susann Basler)

Eine Prostituierte wartet auf Arbeit. (Archivbild: Susann Basler)

In Romanshorn löschen die Rotlichter. Bis vor kurzem galt die Hafenstadt als Hochburg von Erotikbetrieben. Doch nun ist die Zahl innerhalb von ein bis zwei Jahren von neun auf drei geschrumpft, wie ein Insider des Milieus weiss. «Alle glauben ,hier gibt es viel Rotlicht. Das stimmt nicht mehr.» Aktuell schliesse das Etablissement an der Pestalozzistrasse 3. Während 20 Jahren wurden dort Erotikdienstleistungen angeboten. «Aber die Mietzahlungen sind ausgeblieben.» Ebenso erging es dem Bordell oberhalb des Restaurants Krone. An der Alleestrasse 4 war einst ebenfalls ein Erotikbetrieb beheimatet, heute ist dort eine christliche Glaubensgemeinschaft eingemietet. Und das Bordell im Zentrum beim Coop existiert längst nicht mehr.

So gibt es in Romanshorn noch drei Bordelle. Eines an der Amriswilerstrasse, zwei an der Arbonerstrasse. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben. «Ich weiss, dass eines an der Arbonerstrasse wohl auch bald schliessen muss», sagt der Insider.

Der Insider kennt die Gründe für das Bordellsterben in Romanshorn: «Die grossen Etablissements in St. Gallen sind ein Problem für die kleinen Bordelle.» Dort bezahle der Kunde zwar Eintritt, doch es gebe mehrere junge Frauen zur Auswahl. Jene in den kleinen Bordellen seien oft nur zu zweit und nicht selten etwas älter. «Es fehlt auch an Nachwuchs», sagt er. Das Ergebnis sei, dass die Kunden ausbleiben, die Miete deshalb nicht mehr bezahlt werden kann, die Frauen ausziehen müssen und die einstigen Bordelle zu «normalen» Wohnungen werden.

Tatsächlich sind in den letzten Jahren zwei grosse Etablissements in St. Gallen aufgegangen. Das eine ist das Extravagant, das grösste Etablissement in der Stadt, das andere Bordell steht am Blumenbergplatz. Hinzukommt, dass in Wittenbach seit zwei Jahren eine Kontaktbar wieder offen ist. Durchaus möglich also, dass die Kunden abgewandert sind.

Urteil wegen Menschenhandels

Ein weiterer Grund findet der Insider im Fall von Müllheim: Im vergangenen Jahr wurde eine Thailänderin wegen Menschenhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt. Sie hat im Oberthurgau gelebt, versorgte aber die ganze Deutschschweiz mit Prostituierten aus Thailand. «Das hat einige Freier abgeschreckt.» Hinzu seien stärkere polizeiliche Kontrollen gekommen, sagt der Insider.

Die Kantonspolizei macht zur Art und Anzahl der Kontrollen im Sexgewerbe keine Angaben. Die Kantonspolizei weiss von den Schliessungen der Bordelle in Romanshorn. Die Gründe seien privater Natur, wie Mediensprecher Andy Theler sagt. Er will auch nicht von einer Rotlichthochburg in Romanshorn sprechen. «Das Sexgewerbe ist im Thurgau auf den ganzen Kanton verteilt.» Zudem sei die Anzahl der Betriebe im Sexgewerbe im langjährigen Durchschnitt in etwa gleich gross. «Wird ein Betrieb geschlossen, wird oft an einem anderen Ort ein neuer Betrieb eröffnet.» Bei einer Erhebung im Jahr 2008, die aufgrund einer Interpellation an den Grossen Rat durchgeführt wurde, zählte man im Thurgau 53 Erotikbetriebe. Man stellte eine Häufung im Osten des Kantons, vor allem in Romanshorn, fest, wo zehn Betriebe waren.

Gut für das Image der Stadt

Der Milieuinsider ist nicht unbedingt traurig darüber, dass es weniger Bordelle in Romanshorn gibt. «Dem Image der Stadt tut es gut. Die Bevölkerung sieht es sicher gerne, wenn es weniger Rotlicht gibt.» In Romanshorn ist man aber bislang gelassen damit umgegangen. «In der Stadt hat es schon immer ein Rotlichtmilieu gegeben», sagt Stadtschreiber Rolf Vorburger. «Grundsätzlich stören diese Etablissements nicht und sind als normale Gewerbebetriebe zu betrachten.» Vom Rückgang der Betriebe hat die Stadt nichts gewusst, sie hat aber auch nichts dagegen. «Oft sind sie mit Immissionen gegen aussen verbunden, beispielsweise im Bereich Verkehr und Parkierung.»

Das Erotikstudio an der Amriswilerstrasse ist eines der wenigen, die es noch in Romanshorn gibt. (Bild: Reto Martin)

Das Erotikstudio an der Amriswilerstrasse ist eines der wenigen, die es noch in Romanshorn gibt. (Bild: Reto Martin)

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