In Hauptwil fehlt ein Kandidat

BISCHOFSZELL. Am 15. Mai finden in der Volksschulgemeinde Bischofszell Ersatzwahlen für zwei Behördemitglieder statt. In Gottshaus kandidiert Susanne Frey, in Hauptwil hingegen hat sich noch niemand für das Amt gemeldet. Bereits steht das Datum für einen allfälligen zweiten Wahlgang fest.

Andrea Kern
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Die Schule Hauptwil: Wer vertritt sie künftig in der Behörde der Volksschulgemeinde Bischofszell? (Archivbild: Nana do Carmo)

Die Schule Hauptwil: Wer vertritt sie künftig in der Behörde der Volksschulgemeinde Bischofszell? (Archivbild: Nana do Carmo)

Bischofszell. Ist es der Zeitaufwand? Fehlendes Interesse? Oder doch zu wenig Mut? Felix Züst, Präsident der Volksschulgemeinde Bischofszell, rätselt selber darüber, weshalb sich in Hauptwil niemand als Nachfolger von Behördemitglied Martin Brogli gemeldet hat. «Wir sind noch immer auf der Suche. Doch die Chance, jemanden zu finden, wird immer geringer», sagt der Präsident drei Wochen vor den Wahlen. Für die zurücktretende Daniela Sandoz-Wyder aus Gottshaus kandidiert Susanne Frey aus St. Pelagiberg.

Bis zu 20 Prozent

Ist der Aufwand tatsächlich so gross? «Er ist vom zugeteilten Ressort abhängig», wie Felix Züst erklärt. Für alle gilt: «Einmal monatlich ist eine Sitzung, hinzu kommen Klausuren, Informationen und weitere Veranstaltungen des Kantons.» Der Rest variiere von drei Stunden wöchentlich bis zu 20 Prozent. «Genau ist das Pensum schwierig zu beziffern. Sehr aufwendig ist aber zum Beispiel das Ressort Pädagogik.» Den Zeitfaktor schätzt Felix Züst deshalb als das grösste Hindernis ein, geeignete Kandidaten zu finden. «Ich vermute, dass jene Personen, die sich engagieren wollen, bereits ein anderes Amt innehaben.»

Vor Monaten begonnen

Diese Vermutung bestätigt Beat Schoppmann, Präsident der FDP Hauptwil: «Praktisch alle, die wir angefragt haben, sind schon in einem oder mehreren Ämtern involviert.» Niemand wolle sich noch mehr engagieren. Im Gegenteil: «Die meisten möchten eher zurückfahren. Es läuft wirtschaftlich gut, da bleibt nebst Familie und Beruf nicht mehr viel Zeit», erklärt Beat Schoppmann.

Zu spät mit der Kandidatensuche begonnen zu haben lassen sich die Parteien nicht vorwerfen. «Wir haben bereits vor Monaten angefangen», sagt der FDP-Präsident. Den anderen Parteien gehe es ähnlich. Man habe das Amt ausgeschrieben und sei auf zahlreiche potenzielle Kandidaten zugegangen.

Zweiter Wahlgang am 26. Juni

Für eine offizielle Auflistung in den Wahlunterlagen ist es bereits zu spät, und die Wahrscheinlichkeit, dass am 15. Mai ein Schulbehördemitglied aus Hauptwil gewählt wird, sinkt mit jedem weiteren Tag. «Wenn niemand das absolute Mehr erreicht, findet am 26. Juni ein zweiter Wahlgang statt», sagt Felix Züst.

Dass eines der elf Behördemitglieder in Hauptwil wohnt, würde dem Verteilschlüssel in der Volksschulgemeinde Bischofszell entsprechen, die am 1. Januar 2006 in Kraft getreten ist. Jeder früheren Schulgemeinde steht je ein Sitz zu, wobei Bischofszell Anspruch auf drei Vertreter hat.

Ressorts sind massgebend

Erst wenn auch bei einem dritten Wahlgang noch niemand gewählt wird, können sich laut Felix Züst auch Kandidaten aus anderen Ortschaften zur Verfügung stellen. Diese Regelung gelte aber nur für die angefangene Legislatur, das heisst für die kommenden zwei Jahre. Danach wäre wieder eine Person aus Hauptwil gefragt.

Wie wichtig ist es, dass jemand aus Hauptwil Mitglied der Behörde ist? «Dass alle früheren Schulgemeinden vertreten sind, macht in der jetzigen Aufbauphase, in der die Volksschulgemeinde zusammenwächst, durchaus Sinn», sagt Felix Züst. «Auch ist es gut, wenn sich die Behördemitglieder ab und zu im Schulhaus sehen lassen.» Es sei aber nicht so, dass die Ortsvertreter nur für sich schauen. «Wir sind vor allem auf Ressorts ausgerichtet. Alle im Gremium überlegen, was für einen Standort sinnvoll ist und behalten dabei das Ganze im Auge», lobt der Präsident seine Behörde.

Beruflich und privat von Nutzen

Noch hat Felix Züst die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich eine Hauptwilerin oder ein Hauptwiler meldet: «Ich glaube, es gibt Leute, die das Amt gut ausüben würden.» Vielleicht gebe es auch jemanden, der sich nicht in den Vordergrund stellen möchte. Selber angefragt habe er niemanden. «Ich möchte mir meine Behörde nicht zusammenstellen», erklärt er. Für Fragen stehe er aber zur Verfügung. Dass das Amt selber zu wenig attraktiv sein könnte, verneint er. «Die Aufgabe ist spannend, weil man auf strategischer Ebene mitwirken kann. Sie umfasst ein weites Feld, von Bildung bis zu Politik.» Und schliesslich, fügt er an, sei die Arbeit ein beruflicher und persönlicher Gewinn.

Schulpräsident Felix Züst. (Bild: cas)

Schulpräsident Felix Züst. (Bild: cas)