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In Hagenwil geht ein Geist um

Aufgrund grosser Nachfrage wurden im Schloss Hagenwil die Gruseldinner wieder aufgenommen. Die Schauspieltruppe unter der Regie von Florian Rexer liess sich einiges einfallen. Und verspricht Gruseln ohne Ende.
Rita Kohn
Soll ich wirklich eintreten? Mit einem atmosphärischen Einstieg in die Nacht des Gruseldinners holt die Schauspieltruppe ihre Gäste am Schlosstor ab. (Bilder: Rita Kohn)

Soll ich wirklich eintreten? Mit einem atmosphärischen Einstieg in die Nacht des Gruseldinners holt die Schauspieltruppe ihre Gäste am Schlosstor ab. (Bilder: Rita Kohn)

Zaghaft und etwas dumpf verhallt das Pochen der Besucherin am Schlosstor. Mit einem erwartungsfrohen Lächeln auf dem Gesicht stehen die Besucherin und ihre Begleiter bereit, um eingelassen zu werden. «Parole?!» Ein schauriges Krächzen tönt durch das verschlossene Tor. Die Augen der Besucherin weiten sich – einen kurzen Moment lang presst sie die Hand aufs pochende Herz. Da öffnet sich das Tor langsam. Ein in der Tiefe der Mönchskapuze verschwindendes Gesicht erscheint. Nur das hämische Grinsen sticht hervor.

Unsicher blickt die Besucherin zurück zu ihrer Begleitung. Soll sie wirklich eintreten? «Kommt, kommt…», winkt die gebückte Gestalt nun und lässt die Gruppe durch das schmale Tor schlüpfen, um gleich darauf den Riegel wieder vorzuschieben. Eine weitere in eine Kutte gehüllte Gestalt führt die Gruppe durch das dunkle Treppenhaus, in dem Kerzenschein gespenstische Szenen auf die Wände zaubert. Aus der Schlosskapelle tönt Mönchsgesang. Mystisch, bedrückend. Eine blasse Gestalt wiegt sich summend im Kerzenschein – es ist Gruseldinner in Hagenwil.

Jedes Detail muss stimmen

Zwei Stunden vorher: Hektik herrscht im kleinen Zimmer, in dem sich die Gruppe von Schauspielerinnen und Schauspielern auf das nächtliche Spektakel vorbereitet. Die fröhlichen Gesichter der Truppe verschwinden nach und nach hinter einer dichten weissen Schminke, werden bleich, starr, gruselig. Denia Nironen steht vor dem Spiegel und stippt auf die dicke Narbe am Hals.

Livio Cecini zieht sich eben die Mönchskutte über, die er später gegen eine 40 Kilogramm schwere Rüstung eintauschen wird. Die 13jährige Jsabella Vilsmeier lässt sich von Maya Forster eine ätherische Schönheit aufs Gesicht zaubern. Sie wird später am Klavier sitzen und sich den Ängsten hingeben, die Klopfgeräusche auslösen.

Maya Forster wird sich von der Visagistin der Truppe in eine melancholische Sängerin verwandeln, die dem Abend eine starke musikalische Note verleiht. Auch Pianistin Brigitte Rentsch wandelt sich – von der lebhaften Frau in eine bleiche, stumme Gestalt. Julian Weigend tupft Farbe ins Gesicht, wandelt sich vom adretten jungen Mann in einen gruseligen Mönch mit blutunterlaufenen Augen. Vor Maya Forster sitzt aber nicht nur die Truppe, die später auf der Bühne stehen wird.

Da sitzen auch der junge Schlossherr Andi Angehrn und sein Team. Denn beim Gruseldinner muss jedes Detail stimmen, selbst die Servicekräfte werden in unwirklicher Gestalt und mit blutleeren Gesichtern durch den Saal huschen. «Wir wollen eine gespenstische Atmosphäre schaffen, keine Geisterbahnstimmung ins Schloss bringen», sagt Florian Rexer, der als Regisseur der Truppe die letzten Anweisungen gibt.

Noch einmal kriecht Rexer in den Schrank, aus dem der dunkle Ritter viele Stunden später zum Entsetzen der Leute steigen soll. Prüft, ob seine Idee sich umsetzen lässt, ob Livio Cecini genug Platz im engen Schrank hat.

Mit dem Skelett über die Grenze

Nach dem grossen Erfolg der Gruseldinner im vergangenen Jahr war für Florian Rexer und Andi Angehrn klar, dass die Reihe lose fortgesetzt wird. Doch sollte es nicht mehr dieselbe Geschichte sein, die die Leute im grossen Saal zum Zittern bringt.

«Wir wollten ein neues Stück präsentieren, etwas, das an die ersten Gruseldinner-Geschichte anknüpft», so Rexer. Neue Requisiten mussten beschafft werden. «Das Schwert des Ritters konnten wir aus der Waffensammlung des Schlosses Hagenwil ausleihen, das Kettenhemd liessen wir extra anfertigen.» Dies natürlich im Stile jener Kettenhemden, die einst von den Malteser Rittern in der Region auch wirklich getragen wurden.

Es seien diese Kleinigkeiten, die letztlich den Reiz des Ganzen ausmachen würden, ist der Regisseur überzeugt. Und mit einem Grinsen erinnert er sich an den Moment, in dem er ein Skelett nach Amriswil brachte. Dieses hatte er bei eBay ersteigert – allerdings in Deutschland. Um es nach Hagenwil zu transportieren, setzte er es kurzerhand auf die Rückbank seines Kleinwagens.

Am Schweizer Zoll hätten sie grosse Augen gemacht, als er mit seinem ungewöhnlichen Fahrgast dahergekommen sei.

Blutspätzli und Werwolfsteak

Letzte Besprechung beim Schauspielteam. Jeder weiss, wo er hin muss, welche Kerze wann brennen soll und mit welchen Tönen das Publikum auf die gruselige Reise mitgenommen werden soll. Derweil geht es einen Stock tiefer hektisch zu. 63 Teller stehen bereit. Auf jedem von ihnen ein buntes Amuse-Geule.

Noch sind die Teller nicht ganz fertig dekoriert, doch wird es nicht mehr lange dauern, bis der Grusel aus der Küche auf den Kerzengeschmückten Tischen im Saal landen. Später werden Blutspätzli, Vampirflügel und Werwolfsteak auf den Tellern landen. Sehr zur Belustigung des Publikums, das sich nicht nur auf den kulturellen Teil des Abends gefreut hat, sondern auch auf die kulinarischen Köstlichkeiten aus der Schlossküche. Nach den ersten Gruseldinnern ist die Erwartung hoch.

Neue Projekte

Noch während die Truppe zusammen mit Nina Rühlmann, die als guter Geist im Background wirkte, Thea Reifler, die die Regieassistenz übernahm, und Michel Stebler, dem Technischen Leiter, für die neue Gruseldinner-Serie probte, nahm ein neues Projekt Gestalt an. So wird im Sommer das Stück «Cyrano von Bergerac» aufgeführt. Just von der Truppe, die auch für die Gruseldinner auf der Bühne steht (mit Ausnahme von Jsabella Vilsmeier). Dies verspricht schon im Vorfeld einen besonderen kulturellen Genuss. «Wir werden für das Stück die Begebenheiten des Schlosses Hagenwil voll nutzen», verspricht Rexer, der zusammen mit seinen Partnern hinter dem Projekt «Sommertheater Hagenwil» steht. Das eingespielte Team wird sich aber auch weiterhin zu gruseligen Geschichten zusammenfinden. Näheres darüber ist über die neue Homepage www.gruseldinner.ch zu erfahren. Dass dieses Angebot einem Bedürfnis entspricht, zeigt der Umstand, dass alle drei Abende ausverkauft sind, und über 30 Besucher auf die Warteliste aufgenommen werden mussten.

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