In der Höhe fühlt er sich wohl

Seit 13 Jahren ist Roger Tanner Baumspezialist. Er gewann schon zweimal am Berufswettkampf den Schweizer- Meister-Titel. Am Wochenende siegte er in Thun an der Europameisterschaft.

Daniela Ebinger
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Roger Tanner seilt sich aus einer Baumkrone herab. Er ist der beste Baumspezialist Europas. (Bild: Daniela Ebinger)

Roger Tanner seilt sich aus einer Baumkrone herab. Er ist der beste Baumspezialist Europas. (Bild: Daniela Ebinger)

ALTNAU. Zielsicher und geschickt schwingt Roger Tanner die dünne Wurfleine auf eine hohe Eiche. Das Gewichtsäckli am Ende schlingt sich um den Ast. Dieses braucht er, um das Kletterseil in der Baumkrone zu befestigen. Geschickt und blitzschnell klettert er an diesem hinauf. Das scheint für den Spezialisten keine besondere Herausforderung zu sein. Für ihn gilt: Je höher, desto besser. Bäume und Klettern sind seine Leidenschaft.

Am Wochenende holte sich Roger Tanner an der Berufsmeisterschaft der Baumspezialisten den Europameister-Titel. «Ich war bereits in früheren Jahren mit dem zweiten und dritten Platz nahe am Sieg dran», sagt der 36-Jährige aus Altnau. Die Schweizer Meisterschaft gewann er auch schon zweimal. Seit zwölf Jahren beteiligt er sich an Berufswettkämpfen und gehört mittlerweile zu den älteren Teilnehmern. Mit seinem Sieg qualifiziert er sich für die Weltmeisterschaft, die im nächsten Jahr in den USA in Milwaukee stattfindet, und die Europameisterschaft in Polen.

Hoher Adrenalinspiegel

Der diesjährige Titel war für ihn eine spezielle Herausforderung. Rund 300 Zuschauer verfolgten die zwei Tage in Thun. «Im eigenen Land an der Europameisterschaft teilzunehmen war für mich fast wie ein Heimspiel. Viele Berufskameraden und Bekannte schauten zu», sagt Tanner. Das verstärkte bei ihm den Adrenalinspiegel zusätzlich. Am ersten Tag nahmen 52 Teilnehmer aus 18 Nationen an den fünf Disziplinen teil. Dabei waren Geschwindigkeit, Sicherheit und Stil gefragt. In 17 Minuten kletterte Tanner einen Baum 15 Meter hinauf. Er musste beim Arbeitsklettern, der Königsdisziplin, wie er sie nennt, fünf Punkte im Kronenaussenbereich möglichst geschickt, sicher und schnell erreichen.

Person retten, Punkte treffen

Tanner absolvierte auch einen vorgegebenen Parcours auf einem 25 Meter hohen Baum. Das Retten einer verletzten Person von einem Baum gehörte ebenso dazu, wie mit dem Wurfseil verschiedene Punkte auf einem Baum zu treffen.

Die besten fünf Teilnehmer konnten am zweiten Tag an der Masterrunde teilnehmen. An einer 35 Meter hohen kanadischen Pappel hatte Tanner 30 Minuten Zeit, vier vorgegebene Punkte im Kronenaussenbereich inklusive Seile-Ausbauen zu absolvieren. Dabei durfte er seinen Mitstreitern nicht zusehen. «Grosse Sachen liegen mir. Ich hatte ein gutes Gefühl und freute mich auf diesen Baum», sagt Tanner. Seinen Lauf in luftiger Höhe beschreibt er als gut gelungen.