Improvisieren auf den letzten Drücker

WEINFELDEN. Ein Druck auf den Knopf am Funkgerät. «Henrike von Gregor!» – «Was gibt's?» Schon schildert der Messeleiter seiner Ausstellungsleiterin das Problem. Ein Marktfahrer aus Italien hat es nicht an die Wega geschafft, und so steht sein Stand nun leer.

Mario Testa
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Messeleiter Gregor Wegmüller (grüne Krawatte) trägt mit Helfern kurz vor Messebeginn noch einen Lösli-Stand an einen anderen Platz. (Bild: Andrea Stalder)

Messeleiter Gregor Wegmüller (grüne Krawatte) trägt mit Helfern kurz vor Messebeginn noch einen Lösli-Stand an einen anderen Platz. (Bild: Andrea Stalder)

Weinfelden. Ein Druck auf den Knopf am Funkgerät. «Henrike von Gregor!» – «Was gibt's?» Schon schildert der Messeleiter seiner Ausstellungsleiterin das Problem. Ein Marktfahrer aus Italien hat es nicht an die Wega geschafft, und so steht sein Stand nun leer. Ein leerer Stand an guter Lage, das geht natürlich nicht. Es ist Donnerstagmorgen, 10 Uhr – noch eine Stunde bis Messebeginn. Henrike Girmann eilt los, um sich des Problems anzunehmen.

Glücklicherweise haben die Aussteller vom angrenzenden Stand Interesse an zusätzlicher Fläche angemeldet. Drei Minuten später ist alles klar, für einen stark reduzierten Standpreis dürfen die Hundetrainer nun neun Quadratmeter mehr Platz in Halle 1 belegen. Girmann eilt mit wachem Blick zurück durch die Ausstellungshalle Richtung Messebüro auf dem Marktplatz, räumt einen Karton aus dem Weg und ermahnt die Aussteller, wenn ihre Auslagen zu weit in den Gang hinausragen. «Wird jetzt denn bald geheizt?», fragt ein Aussteller, als er die Ausstellungsleiterin durcheilen sieht. «Ja. Sehen Sie, der Schlauch da oben an der Decke füllt sich bereits», kann ihn Girmann zufriedenstellen.

Viel los im engen Container

Den Entscheid, die Heizungen in den Messehallen aufzudrehen, fällt die Wega-Crew keine zehn Minuten zuvor im engen Container. Sieben Wega-Mitarbeiter quetschen sich zu diesem Zeitpunkt in den Raum, der ihnen während fünf Tagen als Büro und Zentrale dient. Am Schalter fragt ein Marktfahrer, wo er denn die Ausstellerparkplätze finde, wenig später erkundigt sich eine frühe Wega-Besucherin, ob's denn schon Buttons zu kaufen gebe, und wieder etwas später möchte ein Handwerker noch einen Schlüssel für eine Halle. Allen dreien wird geholfen.

Trotz des Ansturms kurz vor Eröffnung der Messe bleibt Messeleiter Gregor Wegmüller ruhig. «Manchmal könnte ich schon aus der Haut fahren. Aber ich mache das jetzt doch schon seit 13 Jahren. Da wird man gelassener», sagt er und eilt kurze Zeit später los, ein Funkspruch hat ihn erreicht. Ein Lösli-Stand steht am falschen Ort, und die Bauchefs sind über den Funk nicht zu erreichen, also beschäftigt. Also packt Wegmüller selbst mit an und hievt das Ding im Souterrain des Thurgauerhofs mit ein paar Helfern an den richtigen Platz. Für sie gibt's dafür Bons. Schnell merken die Aussteller, dass der Chef da ist und umringen ihn. Viele haben so kurz vor Beginn der Messe noch eine letzte Frage, einen Wunsch, eine Anmerkung. Da klingelt Wegmüllers Telefon, und freundlich, aber bestimmt verabschiedet er sich, nimmt das Gespräch an und eilt zurück ins Büro – vorbei an den emsigen Standbetreibern, die ihre Auslagen präparieren, den vielen Fahrzeugen, die so kurz vor dem Ansturm noch in den Gassen herumkurven und den ersten Gästen, die bereits neugierig von Stand zu Stand schlendern.

Mit der Messe kommt die Sonne

Gegenüber des Büros klatscht beim Süssigkeitenstand eine Ladung Wasser auf den Boden, gleich darauf noch eine. Mit einem Holzstab befreit der Betreiber seine Dachblache von der nassen Last – wenig später lugt auch schon die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Es ist elf Uhr, die Messe beginnt, die Strassen füllen sich langsam mit Besuchern. Zurücklehnen kann die Wega-Crew trotzdem nicht – auf sie warten noch viele weitere Hilfestellungen, Improvisationen und Auskünfte.