Immerhin eine Agentur

Der Poststelle im Dorfzentrum droht die Schliessung, weil sie unrentabel ist. Gar nicht erfreut über diese Ankündigung ist der Gemeinderat. Er setzt sich nun für eine möglichst gute neue Lösung ein.

Mario Testa
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Hausservice und Agenturen prägen das Bild der Schweizerischen Post im 21. Jahrhundert, die klassischen Poststellen verschwinden mehr und mehr. In der Region Weinfelden gibt es von ihnen nur noch eine Handvoll: In Weinfelden, Märstetten, Affeltrangen, Bürglen und Berg. Die Tage Letzterer sind jedoch auch schon bald gezählt. Laut einer Mitteilung der Post AG wird der Standort überprüft, weil er nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Chancen, die Poststelle im Dorf zu erhalten, liegen somit praktisch bei Null – auch wenn die Post betont, dass noch keine Entscheide gefallen seien. «Der Gemeinderat hat diese Ankündigung der Post höchst unerfreut zur Kenntnis genommen», sagt Gemeindepräsident Max Soller. «Unserer Meinung nach ist Berg gross genug für eine Poststelle, zudem haben wir ein grosses Wachstum und diverse ähnlich grosse Gemeinden im Thurgau verfügen noch immer über eine Poststelle.»

Trotz des Ärgers über die Pläne der Post, wehren will sich der Berger Gemeinderat nicht gegen die drohende Schliessung. «Wenn es Sinn macht, kämpfen wir für die Erhaltung. Im Wissen, dass Proteste aber kaum je etwas am Entscheid der Post ändern, konzentrieren wir uns darauf, uns für eine möglichst gute Nachfolgelösung einzusetzen», sagt Soller. Das Problem bei Protesten sei, dass zum Schluss ja doch die Post selbst entscheide, ob sie darauf eingehe oder nicht. «Wir könnten uns zwar an die Postkommission wenden, aber diese gibt lediglich eine Empfehlung an die Post weiter, welche dann doch selber entscheidet.»

Post sucht Partner im Dorf

Laut Markus Flückiger, Mediensprecher der Post AG, steht für Berg nun eine «Post mit Partner» als Nachfolgelösung zur Poststelle im Vordergrund, also eine Postagentur, eingegliedert in ein Verkaufsgeschäft in Berg. Man sei mit dem Gemeinderat im Dialog, die Abklärungen über mögliche Partner seien im Gang. «Mit dieser Lösung können weiterhin praktisch alle täglich nachgefragten Postdienstleistungen in Berg angeboten werden.» Das heisst, dass weiterhin Pakete und eingeschriebene Sendungen abgeholt und aufgegeben, Briefmarken und Bargeld bezogen sowie Einzahlungen mittels Bankkarte getätigt werden können.

Der Gemeinderat von Berg plädiert auch zumindest für eine Postagentur im Dorf, nur noch Hausservice komme nicht in Frage. «Hausservice wäre eine weitere Verschlechterung der Postdienstleistungen im Dorf, das könnten wir nicht akzeptieren», sagt Soller. Aber es deute alles darauf hin, dass es künftig wohl doch zumindest eine Postagentur geben wird. Im Ortsteil Mauren besteht heute bereits das Angebot des Hausservices der Post. «Das hat sich auch bewährt. Aber die Bewohner von Mauren haben für grössere Postgeschäfte die Post in Bürglen und Berg in der Nähe. Von Berg aus wäre die nächste Poststelle dann doch zu weit entfernt.» Welches Geschäft – ob Volg, Denner oder ein anderes Geschäft – künftig die Postagentur beherbergen wird, ist offen. Laut Markus Flückiger von der Post sind entsprechende Abklärungen in Gang.

Kein Entscheid zu den vier weiteren Standorten

Nicht äussern will sich die Post zu den weiteren Poststellen in der Region. Es seien diesbezüglich noch keinerlei Entscheide gefallen, sagt Flückiger. Ende Oktober hat die Post darüber informiert, dass sie ihr gesamtes Poststellen-Netz überprüft. Sie hat zudem angekündigt, Anfangs 2017 Info-Veranstaltungen in den einzelnen Ortschaften durchzuführen, wo Umstellungen geplant sind. Dort will sie dann auch mit der Bevölkerung in Kontakt treten und deren Anliegen aufnehmen.

Der Gemeinderat von Berg hat die Bevölkerung im gestern versandten Mitteilungsblatt über die Pläne der Post informiert. «Nun warten wir die Reaktionen ab», sagt Max Soller. «Dann schauen wir weiter.»

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