«Imageschaden abwenden»

In der Wahlposse um das Präsidium der Primarschulgemeinde ergibt sich eine Wende. Abgesprungen vom Wahlkarussell ist jetzt Hanspeter Keller; zuvor war Konradin Fischer nach seiner Rücktrittsankündigung wieder aufgesprungen.

Max Eichenberger
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Auf die persönliche Ebene gekippt: Hanspeter Keller verzichtet auf Kandidatur ins Primarschulpräsidium.

Auf die persönliche Ebene gekippt: Hanspeter Keller verzichtet auf Kandidatur ins Primarschulpräsidium.

Nun kommt es also doch nicht zu einem Kampf ums Präsidium der Primarschulgemeinde. Aber nach all dem Hin und Her, was der jüngsten Entwicklung vorangegangen war, ist auch das noch überhaupt nicht in Stein gemeisselt. Denn bis am 26. Januar können Wahlvorschläge eingereicht werden. Und «wild» kann vor dem Wahltag am 22. März noch kommen, wer will.

Gestern hat – doch einigermassen überraschend – der Roggwiler Hanspeter Keller, der seit 2006 das Präsidium der Sekundarschulgemeinde Arbon innehat, den Verzicht auf seine Kandidatur bekanntgegeben. Seine Nomination angemeldet hatte Keller im November. Dies unmittelbar, nachdem der amtierende Präsident Konradin Fischer – mit drei weiteren Mitgliedern der fünfköpfigen Behörde – seinen Rücktritt auf den Sommer hin angekündigt hatte.

Fischers Poker

Allerdings liess sich Fischer, der seit dem Start der Primarschule 2006 deren Behörde führt und zuvor zehn Jahre in der Volksschulbehörde gewirkt hatte, ein Hintertürchen offen. Er räume den Sitz unter der Voraussetzung, dass ein valabler Nachfolger in Aussicht stehe. Gemeldet hatte sich dann aber (und bis heute) einzig Keller, unter dem Fischer von Amtes wegen als PSG-Präsident in der Sekundarschulbehörde sitzt.

Fischer kam dann kurz vor dem Jahreswechsel auf seinen Rücktrittsentscheid zurück. Zum einen äusserte er sich nicht glücklich über die Bewerbung Kellers. Als weiteren Grund führte er an, mit seiner Wiederkandidatur bei den anstehenden zahlreichen Wechseln mit seiner Person für eine gewisse Kontinuität besorgt sein zu wollen. Vier Demissionen gleichzeitig in einem Gremium von fünf Mitgliedern: das sei nicht gut. Das war Ende Dezember.

Verzicht schwergefallen

Zwar ändere sich für ihn damit die Ausgangslage, sagte Keller daraufhin; er halte aber gleichwohl an der Kandidatur fest. Am Donnerstag nun erklärte er seinen Verzicht. «Persönlich ist mir dieser Entscheid schwergefallen, weil mich die neue Herausforderung gereizt hätte.» Denn die Primarschule stehe vor grossen Aufgaben, nennt Keller die Erneuerung der Infrastruktur und den Bereich Qualitätsentwicklung. Er hätte auch den Schritt gemacht (der laut Wahlgesetz zwingend gewesen wäre), in Arbon Wohnsitz zu nehmen. «Ich fühle mich ja schon als halber Arboner.» Das Präsidium der Primarschule Roggwil gibt er ohnehin im Sommer ab. Designierter Nachfolger ist René Thoma.

Imageschaden vermeiden

«Ich habe aber zusehends feststellen müssen, dass sich in Arbon die Diskussion wegbewegt hat von der Sach- auf die persönliche Ebene.» Dies hätte letztlich einen Imageschaden für die Schule zur Folge haben können, so die Befürchtung Kellers. Den aber habe er abwenden wollen. «Die einzige Konsequenz war für mich daher, im Interesse der Schule meine Kandidatur zurückzuziehen und meine persönlichen Interessen zurückzustellen.» Auf Hintergründe wollte Keller allerdings nicht näher eingehen. Abgesehen davon wäre es, wie die Erfahrung lehre, schwieg gewesen, gegen einen amtierenden Präsidenten eine Wahl zu gewinnen. «Das allein wäre aber kein Grund gewesen, nicht anzutreten.»

Vorteile einer Personalunion

Sein Beweggrund sei gewesen, den Schulbürgern mit der Personalunion Sekundar-/Primarschulpräsidium eine Option zum bisherigen System bieten, erinnert Keller. So wie Jürg Schenkel in Kreuzlingen und Andreas Wirth in Frauenfeld die Schulen führen. Eine Personalunion würde die Koordination vereinfachen, glaubt Keller. Über kurz oder lang, wenn die Zeit reif sei, werde wohl auch Arbon eine solche Lösung anstreben, möglicherweise verknüpft mit einer neuen Organisationsform. Den Begriff Volksschulgemeinde müsse man aber nicht jetzt schon auf den Lippen tragen.

Jetzt Zusammenarbeit verbessern

Jetzt wolle er sich dafür einsetzen, die Zusammenarbeit zwischen beiden Schulgemeinden und ihren Gremien zu optimieren. So, dass bei gegenseitiger Transparenz Planungen künftig besser aufeinander abgestimmt werden können.

Die Wahl der Primarschulbehörde und des Präsidiums findet am 22. März statt – gleichzeitig mit der Erneuerungswahl der Behörde der Sekundarschule. Kandidaturen und Wahlvorschläge können noch bis 26. Januar eingereicht werden.