Im Rollstuhl um den Bodensee

STEINACH. Ein Skiunfall hat Christian Betl 1994 an den Rollstuhl gefesselt. Das hindert den 45jährigen Steinacher aber nicht daran, sportlich aktiv zu sein. Mit Urs Kläger hat der Basketballspieler im Rollstuhl-Handbike den Bodensee umrundet.

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Volle Handkraft voraus: Christian Betl (l.) und sein Begleiter Urs Kläger in ihren Handbikes. (Bild: pd)

Volle Handkraft voraus: Christian Betl (l.) und sein Begleiter Urs Kläger in ihren Handbikes. (Bild: pd)

Am Morgen eines Ferientags schraubte Christian Betl den Handbike-Vorsatz an seinen Rollstuhl – und fuhr damit um den Bodensee. «Ferien, das klingt doch ein bisschen wie <fait rien> im Französischen», lacht der Wahl-Steinacher. Doch das «Nichtstun», das ist nichts für ihn. Christian Betl ist ein Bewegungsmensch. Daran hat auch der Skiunfall vor 24 Jahren nichts geändert. Christian Betl ist Paraplegiker.

Komplett unabhängig

Auch nach seinem Unfall bleibt Christian Betl aktiv. Fast beiläufig erwähnt er seine Basketball-Karriere in der österreichischen Nationalmannschaft; Betl ist gebürtiger Österreicher. «Drei Jahre habe ich im Rollstuhl-Basketball ganz vorne mitgespielt. Zum Trainieren bin ich regelmässig von Altenrhein nach Wien geflogen», erzählt er. «Eine spannende Zeit. Doch meine neue Leidenschaft hat drei Räder. Sie heisst Handbike.» Und genau so ein Handbike stand im Mittelpunkt seines letzten Abenteuers: einer Bodensee-Umrundung. Ein spontanes Ferienprojekt. «Es gibt zwei Arten von Handbikes», sagt Christian Betl. «Die zweiteiligen, wo der Alltags-Rollstuhl die Basis bildet, oder die Rennmaschinen.» Betl und sein Begleiter Urs Kläger – ebenfalls Paraplegiker – wählten die erste Variante. «Da kann der Fahrer den Veloteil selbständig montieren und demontieren. Hätten wir Rennmaschinen gewählt, hätten wir eine Begleitperson gebraucht», erklärt Betl. «So waren wir komplett unabhängig.»

Ohne Pannen

An einem milden Morgen ging es los. Heinz Bänziger, bekannter Aktiv-Rollstuhl-Experte bei Naropa Reha in Staad, prüfte am Tag zuvor das Material. Er justierte die Bremsen und zog noch ein paar Schrauben nach. Die gesamte Tour verlief dann auch pannenfrei. Arbon, Bregenz, Langenargen – das war die Etappe am ersten Tag. Am zweiten Tag ging es weiter nach Meersburg. «Von Meersburg nach Konstanz benutzten wir die Fähre. Die schwarzen Wolken am Himmel verhiessen nichts Gutes. Sonst hätten wir den Untersee ebenfalls umrundet.» Schon plant Christian Betl die nächste Tour: «Alles dem Rhein entlang, eine ganze Woche lang. Ohne Plan. Einfach mal schauen, wie weit wir kommen.» (red.)

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