Im Pfaffenbüel kracht es gewaltig

TÄGERWILEN. Auf dem Hof von Christian Schwarz im Tägerwiler Pfaffenbüel werden regelmässig Parties gefeiert – zum Unmut einiger Anwohner. Nun sagt der Gemeinderat dem Partyplatz den Kampf an. Schwarz wehrt sich mit einer Petition.

Annina Flaig
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Christian Schwarz will Nischenkultur fördern und seinen schönen Wohnort mit anderen Leuten teilen. (Bild: Reto Martin)

Christian Schwarz will Nischenkultur fördern und seinen schönen Wohnort mit anderen Leuten teilen. (Bild: Reto Martin)

Man will es wieder einmal krachen lassen im Pfaffenbüel. Am Samstag findet auf dem Hof von Christian Schwarz die sechste Auflage des Tägerwiler Obentoben Festivals statt. Allerdings steht es heuer unter keinem guten Stern. Denn der Partyplatz von Christian Schwarz, der sein Grundstück seit zehn Jahren regelmässig für private Feste und kleinere Festivals vermietet, ist für die Gemeinde zum Problem geworden.

Oben-Toben-Festival in Gefahr

Der Gemeinderat Tägerwilen hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet und dem Bauern einen Brief geschickt. Darin wird er aufgefordert, für die Umnutzung seines Grundstücks ein Baugesuch einzureichen. Weiter heisst es, dass der Partyplatz nicht mehr für neue Veranstaltungen freigegeben werden darf, bis das Baubewilligungsverfahren abgeschlossen sei. Zum Weiterbestehen des Oben-Toben-Festivals, das just vor der Türe steht, schreibt der Gemeinderat: «Ob dieser Traditionsanlass auch 2016 stattfinden kann und unterstützt wird, hängt ganz vom bevorstehenden Baubewilligungsverfahren ab.» Pikant an der Sache: Gemeindepräsident Markus Thalmann ist im Vorstand des Vereins Konzerte Tägerwilen, welcher das Oben-Toben-Festival organisiert. Präsident ist Timon Schwarz, Sohn von Christian Schwarz.

Goa-Party hat Debakel ausgelöst

«Ja, ich bin im OK des <Oben Toben> und habe die Durchführung dieses Festivals im Pfaffenbüel immer gerne unterstützt», sagt Gemeindepräsident Markus Thalmann auf Anfrage. Nun nehme das Engagement von Christian Schwarz mit seinem Partyplatz aber neue Dimensionen an, die man so nicht dulden könne.

Ausgelöst wurde das Debakel offenbar durch das «Day Dance», ein Festival mit elektronischer Musik, das Mitte Juni im Pfaffenbüel stattgefunden und laut Thalmann rund 30 Beschwerden nach sich gezogen hat. Anders als das «Oben Toben» sei das «Day Dance» eine sogenannte Goa-Party, die man unter dem Deckmantel Festival lanciert habe. Laut Thalmann wurden einige Anwohner von 11 bis 22 Uhr permanent von einem derart starken Bass zugedröhnt, dass sogar die Scheiben zitterten. Christian Schwarz ist sich bewusst, dass es zu laut war. «Ich werde nächstes Mal besser schauen, wo die Verstärker installiert werden», verspricht er. Pech sei gewesen, dass ein starker Westwind die Musik weiter getragen habe. Dass der Gemeinderat nun aber derart harsch gegen ihn vorgehe und Baugesuche für Installationen einfordere, die seit den 1990er-Jahren bestünden, findet er befremdend. Zumal er mit dem Gemeinderat das Gespräch gesucht habe. An einer Sitzung mit den Day-Dance-Veranstaltern sei Gemeinderat Kurt Frauenfelder sogar dabei gewesen.

Nichtsdestotrotz hat Schwarz vergangenen Freitag alle Baugesuche nachgereicht, und er gibt sogar noch einen obendrauf: «Ich habe noch ein Baugesuch für einen Hofladen mit Besenbeiz eingereicht.» Das sind nämlich weitere Pläne, die er auf dem Hof am Hang über Tägerwilen schmiedet. Bereits regt sich aber Widerstand: Laut Thalmann liegen derzeit zwei Einsprachen auf dem Tisch.

Bauer fördert Nischenkultur

Schwarz indes lässt es nicht auf sich sitzen, dass man ihm sein «Engagement zur Unterstützung von Nischenkultur» verbieten will. Er wohne an einem schönen Ort, den er mit anderen Menschen teilen wolle. «Man kann mir doch nicht verbieten, bei mir zu Hause Feste zu feiern.» Dies, zumal er sich an die Regeln halte. «Es gab WC-Anlagen, einen Sanitäts- und Sicherheitsdienst und keine laute Musik nach 22 Uhr.»

Komposttoiletten gehören dazu

Schwarz will sich nun mit einer Petition, die er am Wochenende gestartet hat, zur Wehr setzen. «Leider kommen beim Gemeinderat nur negative Meldungen an. All das Positive kommt nur bei mir an», schreibt er auf seiner Website. Sein Ziel ist es, gegenüber den etwa 30 Klagen ein Vielfaches an positiven Meldungen zu sammeln und seinen Partyplatz zu erhalten. Gewinnorientiert sei er nicht. Viel wichtiger ist es dem Biobauern, dass die Veranstalter ein Ökokonzept vorlegen. So gab es beim «Day Dance» Biofood, eine Recyclingstation und Komposttoiletten. «Das waren vorbildliche junge Menschen. Am Schluss haben sie das ganze Areal und die Strasse bis zum Bahnhof <gefätzelt>.»

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